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Bundesliga zittert vor Berufungsverhandlung

Ex-Torhüter von Mainz 05 Heinz Müller begrüsst seinen Anwalt

Sport - Bundesliga zittert vor Berufungsverhandlung

Die Premier League-Teams werfen dank ihres TV-Vertrags mit den Millionen um sich. Vorläufiger Höhepunkt: der De-Bruyne-Transfer, der in der Bundesliga das Transferkarussell nochmal ins Rollen brachte.

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Gebannt schaut der deutsche Profifußball heute auf einen Prozess vor dem Landesarbeitsgericht Mainz. Im Streitfall zwischen dem Ex-Bundesliga-Torhüter Heinz Müller und Mainz 05 geht es auch um die Frage, ob die gängige Praxis von befristeten Arbeitsverträgen im Fußball-Geschäft überhaupt zulässig sind.

Der Berufungsprozess zwischen Ex-Keeper Heinz Müller und dem FSV Mainz 05 birgt Sprengkraft. Es könnte sogar zu einer Entscheidung kommen, die das gesamte Transfersystem im Profifußball auf den Kopf stellt.

Weitreichende Folgen fürs Transfersystem

Wenn heute die Berufungsverhandlung zwischen Heinz Müller (37) und seinem Ex-Klub FSV Mainz 05 beginnt, dann blicken Profivereine wie Spieler aus ganz Deutschland gebannt nach Mainz. Sollte der Vorsitzende Richter am Landesarbeitsgericht, Michael Bernardi, das Urteil aus erster Instanz bestätigen, könnte der "Fall Müller" das bisherige Transfersystem im Fußball zumindest mittelfristig komplett auf den Kopf stellen. Es wäre nicht mehr ausgeschlossen, dass Profis plötzlich "normale" Arbeitnehmer und befristete Verträge über mehr als zwei Jahre unzulässig wären. Ablösesummen für die Klubs wären hinfällig, wenn der Spieler mit der normalen gesetzlichen Frist von ein bis drei Monaten kündigt. Den Vereinen würden harte Zeiten drohen.

"Die Kündigung durch den Verein würde den Regelungen des Kündigungsschutzgesetzes unterliegen, eine fristgerechte Kündigung wäre nur aus verhaltens-, personen- oder betriebsbedingten Gründen möglich", sagte der Berliner Arbeitsrechtler Thomas Meyer von der Kanzlei Grawert und Partner der Tageszeitung Die Welt.

Erinnerungen an das Bosman-Urteil

Hinter vorgehaltener Hand meinen sogar manche, die Dimension des Mainzer Rechtsspruchs könne annähernd jene des Bosman-Urteils von 1995 erreichen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) glaubt das allerdings nicht. Der "Fall Heinz Müller" sei erst einmal ein Einzelfall. Selbst eine die erste Instanz bestätigende Entscheidung habe keine Auswirkungen auf die bisherige Befristungspraxis, teilte die DFL auf SID-Anfrage mit: Andere Arbeitsgerichte wären nicht an diese Entscheidung gebunden.

Heribert Bruchhagen hat "großes Vertrauen" in die Arbeitsgerichtsbarkeit, dass sie "dieses Urteil" zurücknehme. "Es ist absurd", sagte der Vorstandsboss von Bundesligist Eintracht Frankfurt der Bild am Sonntag.

Beeinträchtigungen der Wettbewerbsfähigkeit

Auch DFB-Interimspräsident Rainer Koch hatte bereits mit Verwunderung auf die Rechtssprechung von März 2015 reagiert. "Die Sportart Profifußball verträgt es nicht, dass man Verträge nicht befristen darf", sagte Koch. Es müsse möglich sein, dass sich eine Mannschaft "immer wieder neu aufstellt. Wir können keine aufgeblähten Kader mit 40 oder 50 Spielern haben." DFL-Direktor Ansgar Schwenken fürchtet gar eine erhebliche Beeinträchtigung "der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga", wenn das Urteil nur in Deutschland gelte. Es würde zudem "sehr schwierig" werden, einem Profi "fehlende physische Leistungsfähigkeit als Grund für seine Kündigung nachzuweisen", sagte Schwenken der Sport Bild.

Der FSV Mainz 05 pocht darauf, dass der Profisport unter anderen Beurteilungskriterien stehen müsse als der normale Arbeitnehmer. 2006 hatte es vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg einen ähnlich gelagerten Fall gegeben, bei dem letztlich die Zulässigkeit befristeter Vertragsverlängerungen beschlossen worden war.

Abfindung nicht zugesprochen

Heinz Müllers Ansatz war beim Gang vor Gericht ein anderer: Müller hatte gegen den FSV geklagt, da er trotz der Verlängerung seines Vertrages im Jahr 2012 um weitere zwei Jahre zur zweiten Mannschaft abgeschoben worden war. Der Schlussmann sah sich dadurch der Chance beraubt, dass sich sein Kontrakt durch eine bestimmte Anzahl an Profi-Einsätzen (23) automatisch um ein Jahr verlängert. Die von Müller verlangte Abfindung in Höhe von 429.000 Euro war ihm vom Arbeitsgericht Mainz im März 2015 zwar nicht zugesprochen worden.

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