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Gonzalo Castro - Fixpunkt im zweiten Anlauf

Sport - Gonzalo Castro - Fixpunkt im zweiten Anlauf

Pierre-Emerick Aubameyang liebt Comic-Figuren, Autos und Klamotten - außerhalb des Platzes eine schillernde Persönlichkeit. Kein Problem für den Trainer, solange der Gabuner Tore am Fließband erzielt.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.07.2017, 10:31

Dortmunds Mittelfeldmotor geht als ein Gewinner der Saisonvorbereitung ins Supercup-Duell mit dem FC Bayern (So., 20.15 live im ZDF). Zu Beginn seiner zweiten BVB-Saison hat sich Castro als Konstante bei den Westfalen etabliert und drängt mit Nachdruck in eine Führungsrolle.

Als der Rest des Teams erschöpft zu den Trinkflaschen griff und die Pause im Schatten des Sportplatzes „Ri-Au“ genoss, hatte Gonzalo Castro noch nicht genug. Borussia Dortmunds Antreiber schnappte sich am sechsten Tag des harten Trainingslagers in Bad Ragaz kurzerhand einen Ball und verdonnerte einen Mitspieler trotz irrer Hitze, mit ihm im Stakkato Kurzpässe zu üben. Castro gibt alles, um sich beim BVB durchzusetzen.

„Gonzalo ist einer der besten Spieler der Bundesliga auf seiner Position“, lobte Sportdirektor Michael Zorc jüngst. Welche das konkret ist in Dortmund, bleibt noch unklar. Klar dagegen ist, dass sich der 29-Jährige für den gewaltigen Umbruch beim BVB gewissenhaft in Stellung gebracht hat. Den Sommerurlaub verkürzte er, um sich individuell vorzubereiten. Der Lohn: Auf der Chinareise glänzte Dortmunds Nummer 27 mit tollen Testspielauftritten und einem Traumtor gegen Manchester United. In Bad Ragaz stach er mit starker Frühform aus dem breiten Kader hervor.

Allzeckwaffe im defensiven Mittelfeld

Castros Ruhe und Überblick, seine Ballsicherheit, die strategische Fähigkeit, das Auge für den öffnenden Pass und sein Abschluss - diese Qualitäten sollen nun richtig zur Geltung kommen. Mann vergisst ja schnell, dass der junge Castro neben den heutigen Weltmeistern Neuer, Boateng oder Hummels zur U21-Elf gehörte, die 2009 Europameister wurde. Dass er im Finale traf, ebenso. Beim BVB bietet sich Allzweckwaffe als Partner für Julian Weigl im defensiven Mittelfeld an. Oder für die offensive Variante vorne in der Schaltzentrale: als Spielgestalter an der Seite oder anstelle von Rückkehrer Mario Götze.

Außerdem soll Castro als breite Schulter für die vielen Talente dienen. Dank der Erfahrung aus über 300 Bundesliga-Spielen geht er mutig voran. „Ich helfe der Mannschaft, wenn sie mich braucht. Wir Ältere müssen die Jungen unterstützen“, kündigte er in den „Ruhr Nachrichten“ an. In dem klugen Interview mahnte er: „Wir werden ein paar Spiele benötigen, um uns zu finden. Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen, wenn‘s am Anfang mal zäh ist.“

Wie ein alter Hase

Sein Standing im Team scheint solchen Aussagen inzwischen angemessen. Immer wieder meldet sich der Routinier zu Wort. Mahnend und warnend, aber auch Mut machend, unterstützend. Er wird nicht müde zu erzählen, wie gerne er Verantwortung übernimmt. Unter all den Neuen wirkt der Mittelfeld-Allrounder, selbst erst im zweiten Jahr Borusse, wie ein alter Hase. Nach dem Abschied der Säulen Mats Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan will er das Vakuum der Teamhierarchie füllen helfen. Ein Spezialauftrag kommt ihm zu: Dank spanischer Wurzeln - Vater aus Malaga, Mutter aus Girona - ist er der perfekte Integrationshelfer, damit sich Marc Bartra und Mikel Merino schnell in Dortmund zurechtfinden.

Wie schwer das sein kann, selbst wenn nur einige Kilometer zu überbrücken sind, erfuhr der gebürtige Wuppertaler vergangene Saison selbst. Als Gündogan-Nachfolger für satte 11 Millionen Euro verpflichtet, musste der vermeintliche Königstransfer hilflos mit zusehen, wie die Wechselträume seines Vorgängers platzten und er den Nationalspieler vor der Nase behielt. Gleich am Saisonstart setzte es die Höchststrafe, als Castro auf die Position des Rechtsverteidigers abgeschoben wurde und er bei der Beinahe-Blamage gegen Odds BK in den Playoffs zur Europa League einen rabenschwarzen Tag erwischte: Zur Halbzeit wurde er ausgewechselt.

Mühsame Eingewöhnung

Gute sechs Monate brauchte Castro, um sich nach 16 Fußballerjahren in Leverkusen an das beschleunigte Leben beim Publikumsmagnenten BVB zu gewöhnen, wo alles eine Nummer größer ist. Castro gab nie auf und schloss die Mammut-Saison mit respektablen 41 Pflichtspiel-Einsätzen, sieben Toren und elf Torvorlagen ab. Am Ende wäre es keine Sensation gewesen, hätte es Castro sogar zur EM geschafft.

„Ich habe viel gelernt im vergangenen Jahr“, sagt Castro heute und möchte die Statistiken nun ausbauen. Die Chancen dazu sind trotz stärkster Konkurrenz bei den Westfalen nicht schlecht. Gerade zu Saisonbeginn braucht die Borussia Bewährtes, Fixpunkte, um die frischen Elemente einzubauen - selbst wenn Dortmund gerade dabei ist, die Bedeutung der Begriffe Stammspieler und Startelf weiter einzudampfen. Auf Rückschläge ist Castro eingestellt angesichts seiner Vita. „Ich fühle mich gut. Aber man weiß vor Beginn der Bundesliga nie genau, wo man steht. Wichtig ist, wie man im ersten Pflichtspiel drauf ist.“

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