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Tönnies auf Schalke vor dem Rauswurf?

Schalke-Boss nach rassistischen Äußerungen unter Druck

Es ist eine Art Finale, obwohl die Saison noch gar nicht begonnen hat: Auf Schalke entscheidet heute der Ehrenrat über den Mann, der seit fast zwei Jahrzehnten dem Klub vorsteht: Clemens Tönnies. Ein Rausschmiss auf Zeit ist im Spektrum der Sanktionen das wahrscheinlichste Szenario.

Clemens Tönnies bleibt unter Beschuss. Archivbild
Clemens Tönnies.
Quelle: Tim Rehbein/dpa

Ist er ein dumpfer Rassist oder hat er nur in trauter Runde einen plumpen Herrenwitz gemacht? Seit seinen Äußerungen auf dem Tag des Handwerks am vorigen Donnerstag in Paderborn steht Schalke-Chef Clemens Tönnies massiv unter Beschuss.

Dann würden die Afrikaner aufhören, ..."

Vor 2000 Branchenvertretern hatte der milliardenschwere Fleischunternehmer eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" gehalten.

Dabei empfahl der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04 die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika laut der Zeitung "Neue Westfälische" mit den Worten: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Es dauerte nicht lange, bis ein heftiger Shitstorm über den 63-Jährigen hereinbrach, angestoßen von einem Tweet des ehemaligen Schalker Spielers Hans Sarpei über verschiedene Vertreter aus der Politik bis hin zum kommissarischen DFB-Präsidenten Reinhard Rauball.

Während Tönnies über die vereinseigenen Medien schnell eine Entschuldigung für seine verbale Entgleisung verbreiten ließ und die Sache damit laut S04-Sportvorstand Jochen Schneider sowie dem neuen Schalker Trainer David Wagner ja wohl auch erledigt sei, fordern nicht nur Tönnies' Gegner harte Konsequenzen.

S04-Leitbild gegen Rassismus

In der bunten Welt des Sports sollte im Jahr 2019 Diskriminierungen jeglicher Art eigentlich längst der Vergangenheit angehören. Schalke 04 war sogar der erste deutsche Verein, der bereits in den 90er Jahren einen Passus gegen Rassismus in seine Satzung schrieb.

2012 entwarfen die Königsblauen ein Leitbild, in dem unter Punkt 8 steht: "Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein." Weil Tönnies diese Werte mit seiner Aussage mit Füßen getreten hat, verhandelt nun der Ehrenrat der Gelsenkirchener dessen Zukunft auf Schalke.

Das Gremium hat weitreichende Befugnisse und kann Mitglieder sogar aus dem Verein ausschließen, laut Satzung zum Beispiel bei "grob vereinsschädigendem oder unehrenhaftem Verhalten, insbesondere bei der Kundgabe rassistischer oder ausländerfeindlicher Gesinnung".

Das gilt für den normalen Fan aus der Kurve genauso wie für den Mann, der seit 1994 im Schalker Aufsichtsrat sitzt und diesen seit 2001 anführt.

Rausschmiss auf Zeit wahrscheinlich

Damit könnte ab diesem Dienstag Schluss sein – und Tönnies' Rausschmiss wäre kein Einzelfall. Im Februar 2017 suspendierte der Schalker Ehrenrat das seinerzeitige S04-Aufsichtsratsmitglied Andreas Horn für zwölf Monate. Der Tönnies-Kritiker hatte den Schalke-Boss vor zweieinhalb Jahren zum Verzicht auf seine Wiederwahl oder zum Rücktritt aufgefordert, was der Ehrenrat als unsportlichen Verstoß gegen Schalker Satzung und Leitbild wertete.

Ein Ausschluss auf Zeit ist im Spektrum der Sanktionen zwischen einer formellen Verwarnung und einem Totalrauswurf nun auch im Fall Tönnies das wahrscheinlichste Szenario.

Lediglich eine lasche Verwarnung würden nicht nur die Tönnies-Kritiker innerhalb der Schalker Mitgliederschaft, sondern auch verdiente Schalker wie Gerald Asamoah, der sich persönlich betroffen und vom S04-Boss enttäuscht zeigte, dem Ehrenrat kaum durchgehen lassen.

Totales Chaos vermeiden

Sich auf der anderen Seite aber dauerhaft von Tönnies zu trennen, hätte weitreichende Konsequenzen für den Klub, der nach einer katastrophalen letzten Saison eigentlich nun sportlich neu durchstarten wollte. Schließlich ist der in der Wirtschaft bestens vernetzte Tönnies nicht nur für den – übrigens umstrittenen – Deal mit dem Hauptsponsor Gazprom verantwortlich.

Der Ehrenrat wird das im Blick haben und das totale Chaos des Turbulenzen gewöhnten FC Schalke kurz vor dem Pflichtspiel-Start vermeiden wollen.

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