Sie sind hier:

Champagner-Charlie - Meister des Marketings

International Champions Cup

Radio-Stimme, Turnier-Mogul, Strippenzieher: Amerikas wichtigster Soccer-Netzwerker Charlie Stillitano holt den BVB zum International Champions Cup und hat Europas Elite fest im Visier.

Charlie Stillitano
Tausendsassa: Charlie Stillitano
Quelle: imago

Zweifel an seinem Netzwerk zerstreut Charlie Stillitano gerne mal vor laufender Kamera. "Einen Trainer möchten Sie sprechen?", fragt der Soccer-Impresario belustigt in "Sports Illustrated TV", tippt eine Kurznachricht und bald klingelt sein Handy: "Ciao Carlo, come stai?", parliert der US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln lässig. Der Carlo, den er live in der Sendung "Planet Futbol" nach dem werten Befinden fragt, ist kein Geringerer als Carlo Ancelotti. Der frühere Bayern-Coach, einer der profiliertesten Trainer Europas.

Turnier auf drei Kontinenten

Star-Trainer auf Kurzwahl im Handy - nicht die schlechteste Voraussetzung, um Fußball in die Welt zu tragen. Zum International Champions Cup (ICC) etwa, der in der Nacht auf Samstag zu seiner sechsten Auflage startet, wenn Borussia Dortmund im Soldier Field von Chicago auf Englands Meister Manchester City trifft. Mit inzwischen 27 Spielen auf drei Kontinenten, davon diesmal 17 in den USA, sieben in Europa und drei in Singapur, hat sich der Champions Cup im Fußballkalender etabliert. Ambitionierte Großklubs verquicken hier ihre Saisonvorbereitung mit den wirtschaftlichen Zwängen des internationalen Marketings.

Tausendsassa in Sachen Soccer

Aus der Bundesliga sind Dortmund und Bayern dabei, dazu die Top Sechs der englischen Premier League, auch Barcelona, Real Madrid oder Juventus Turin mit Superstar Cristiano Ronaldo. Eine einträgliche Nische. "Die Vorsaison gehört uns, darauf bauen wir ein tragfähiges Business", sagte Stillitano der BBC. Das US-Geschäft lohnt sich auch für die Klubs. Es verspricht Wachstum, nicht erst durch die marktstrategische Vergabe der WM 2026 an Nordamerika.

Stillitano bietet Know-How und Kontakte, daher begibt sich Europas Elite gerne in die Hände des Tausendsassas in Sachen Soccer. Stillitano gehört nebenher zu den Fußball-Moderatoren beim Satellitenradio "Sirius XM". Champagner Charlie nennen ihn die Hörer, weil er so oft zur "Vitamin B"-Pflege in den VIP-Logen der Stadienwelt unterwegs ist.

Sir Alex und Mourinho als Freunde

Eine amerikanische Karriere: Nach dem Jura-Studium in Princeton legt Stillitano bei der WM 1994 als Manager des Giants-Stadium in East Rutherford einen Kickstart hin. Danach: Manager der New York/New Jersey Metro Stars in der neu gegründeten Major League Soccer. Der Klub kommt nicht von der Stelle, Stillitano wird gefeuert. In der Zwischenzeit hat das Organisations-Talent aber sein erstes Turnier auf die Beine gestellt, den Parmalat-Cup. 2000 macht er sich mit der Idee des Sommerturniers selbständig, geht Pleite, macht weiter unter dem Dach von Creative Artists, einer der wichtigsten Künstler Agenturen der USA.

Als das Projekt 2012 an Relevent Sports verkauft wird, bringt Stillitano sein Adressbuch mit, er ist jetzt "der am besten vernetzte Amerikaner des Weltfußballs", so "Sports Illustrated". Sir Alex Ferguson zählt zu seinen Freunden und ist begeistert vom eloquenten Fußball-Maniac: "Gott, was kann der Mann reden!" Jose Mourinho sagt: "Ich nenne Charlie Mr. Zero Mistakes".

US-Milliardär im Rücken

Nicht alle sehen seine Arbeit durchweg positiv, etwa der US-Fußballverband. Der profitierte zwar jahrelang von millionenschweren Zwangsabgaben auf die Testspiele und davon, dass Stillitano das gemeinsame Produkt Soccer promotet. Aber einen Monat lang gräbt er mit den Spielen auch MLS-Fans ab. "Einige sehen mich als Piraten, nicht als Pionier", sagt der schillernde Makler, der zum "big player" im Business aufgestiegen ist.

Veranstalter Relevent ist mit dem Vermögen von US-Milliardär Steve Ross unterfüttert, dem Besitzer des NFL-Teams Miami Dolphins. Das erlaubte es Stillitano, in vier Jahren 100 Millionen Dollar in den Champions Cup zu investieren. Dank des TV-Vertrages mit ESPN dürfte die aktuelle Ausgabe die Gewinnzone erreichen. Der Markt ist da, nicht nur in Metropolen mit fußballaffinen Schichten. Die Leute wollen aktuelle Superstars sehen. Messi, Ronaldo, nicht nur alte Helden wie Schweinsteiger oder Rooney in der MLS.

Rekordkulisse im Michigan Stadium

Es gibt keinen Titel beim sportlich unbedeutenden ICC, ein Finale lässt der Terminkalender nicht zu. Doch es kann sogar ein Vorteil sein, wenn Paarungen nicht vom Losglück abhängen oder von überraschenden Knockouts. Erfolg ist planbarer. "Da können wir tricksen", sagt Stillitano freimütig.

So lässt er Jürgen Klopps Liverpool nicht zufällig in Charlotte gegen seine früheren Dortmunder spielen oder die Borussia im dritten Spiel gegen Benfica in Pittsburgh: Pennsylvania ist die Heimat von BVB-Jungstar Christian Pulisic. Das Konzept funktioniert. 2014 kickten Real und Man United im Michigan Stadium in Ann Arbor vor der US-Rekordkulisse von 109.000 Fans. 2017 lockte Stillitano Real und Barca für einen viel beachteten Clasico nach Miami.

"Posterboy der Gier"

Mit "ICC Futures", einem Jugendturnier, sowie einer Serie für die in den USA stärker beachteten Frauen-Teams hat der Strippenzieher weitere Projekte gestartet. Märkte in China und Südamerika warten darauf, angezapft zu werden. In Europa muss sich Stillitano dagegen noch gedulden. Als er 2016 bei einem Treffen mit den Chefs der wichtigsten Premier-League-Klubs auch über eine Superliga in Konkurrenz zur Champions League sprach, war der Aufschrei der Romantiker groß.

"Posterboy der Gier" hieß es unter anderem. Stillitano dementierte, sein Champions Cup oder die geschlossenen US-Ligen könnten als Blaupause dienen. Doch eine Hintertür ließ sich der gewiefte Geschäftsmann offen. "Wir würden nie mit solchen Ideen auf die Klubs zugehen. Sie müssten schon uns danach fragen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.