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Leiden und Lernen

Sport - Leiden und Lernen

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking freut sich trotz der Misere in der Bundesliga auf das Duell gegen Real Madrid. Bundesliga und Champions League könne man nicht vergleichen, sagt er im ZDF-Interview.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.04.2017, 21:59

Auch wenn Skepsis die Vorfreude trübt: Der VfL Wolfsburg, in der Liga abgestürzt und in der Königsklasse gegen Real Madrid (ab 20.25 Uhr live im ZDF) Außenseiter, sieht sich nur auf einem Umweg nach oben.

Vieles von dem, was Klaus Allofs kritisch analysiert, klingt so wunderbar harmlos. "Wir haben den nächsten Schritt nicht gemacht", sagt der Geschäftsführer eines Vereins, der derzeit zu den großen Enttäuschungen und Hoffnungen des deutschen Fußballs zugleich zählt. Trotz der erstklassigen Besetzung des VfL Wolfsburg verfolgt ihn eine bundesweit verbreitete Skepsis. Wie bitte schön soll ein Team, das in der Bundesliga nur noch Mittelmaß ist, im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid glänzen? "Es gibt Mittel gegen diese Mannschaft", glaubt Allofs vor dem Hinspiel heute (20.45 Uhr/ZDF ab 20.25 Uhr). Sein Optimismus übertüncht bewusst die Wolfsburger Sorgen in Serie.

Zu hohe Erwartungshaltung

Eigentlich wäre es fair, wenn sich zum ständigen Neid und der Missgunst eine Portion Realismus gesellt. In der vergangenen Saison haben sich die Hauptdarsteller des VfL Wolfsburg tapfer dagegen gewehrt, vorzeitig zum Spitzenteam hochgejubelt werden. Hören wollte das kaum jemand. Weil dringend ein Rivale des großen FC Bayern München gesucht wurde. Weil Wolfsburg am Ende der Spielzeit 2014/15 als Vizemeister und Pokalsieger dastand.

Und weil sich der VfL neben den Weltmeistern André Schürrle und Julian Draxler auch noch Max Kruse als Neuzugang geleistet hat, verfolgt ihn eine enorm hohe Erwartungshaltung. Sie hat sich als Klotz an vielen teuren Beinen entpuppt. Und sie überlagert die Tatsache, dass Wolfsburg mit dem Einzug in das Viertelfinale der Champions League etwas gelungen ist, was im Schatten des FC Bayern nur wenige deutsche Topklubs schaffen.

Zu wenig Teamgeist

Allofs spricht im Fall des VfL von einem Lernprozess. Wer schneller als geplant Erfolg habe, müsse auf seinem Weg nach oben nun einmal auch leiden und daraus lernen. Als kaufmännischer Chef denkt er langfristig und glaubt weiter daran, dass sich der Verein in der nationalen und internationalen Spitze etablieren kann. Für die kurzfristige Version ist eher der Trainer zuständig. "Wir sind im Moment keine Mannschaft", findet Dieter Hecking.

Der Chefcoach formuliert seine Kritik am eigenen Team in der Regel pragmatischer als Allofs. Die Misere im Ligaalltag mit erheblicher Auswärtsschwäche gefährdet Heckings Position und die Zukunft seiner Mannschaft. Mitten in der Krise des Volkswagen-Konzerns nur Mittelmaß zu sein, ist kein gutes Signal an den eigenen Hauptsponsor. Entsprechend hilfreich wäre eine Sensation, die angesichts der individuellen Klasse von Schürrle und Co. gar nicht so unmöglich erscheint.

Ziele bleiben unverändert

Ein Schuss Gelassenheit – vielleicht ist es das, was dem VfL Wolfsburg abhanden gekommen ist und was gegen Madrid helfen könnte. Ein Aha-Erlebnis gegen Real würde eine Saison beschönigen, die ohne Titel und erneute Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb zu enden droht. Und es würde einen Umbruch finanzierbar machen, der ohne Frage ansteht. Mit der anvisierten Verpflichtung von Daniel Didavi (VfB Stuttgart) signalisiert Wolfsburg der Konkurrenz, wohin die Reise geht. Allen Problemen zum Trotz: Der VfL will sich von seinem Weg nach oben nicht abbringen lassen.

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