Sie sind hier:

Gladbach: Personalpolitik mit Augenmaß

Sport - Gladbach: Personalpolitik mit Augenmaß

Mönchengladbach schlägt Young Boys Bern in dier Play-off-Runde der Champions League. Die Tore: 0:1 Raffael, 1:1 Sulejmani, 1:2 Hahn und ein Eigentor von Alain Rochat in der 69. Minute.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.08.2017, 23:59

Borussia Mönchengladbach hat das Tor zur Champions League weit aufgestoßen. Die Chancen aufs Weiterkommen vor dem Playoff-Rückspiel gegen Young Boys Bern (Mi., 20.45 Uhr/live ZDF) stehen nach dem 3:1 im Hinspiel bestens. Die Transferpolitik wird sich deshalb nicht ändern.

Früher hätten die Fans der Fohlenelf nach einem Sieg im DFB-Pokal den Evergreen von Berlin geschmettert. Nach Berlin zu fahren ist in diesem Wettbewerb ja auch das Höchste der Gefühle. Doch als vergangenen Samstag das mühsame 1:0 beim Regionalligisten Drochtersen/Assel perfekt war, tönten ganz andere Chöre über die Sportanlage im Landkreis Stade. „Europapokal, Europapokal“, hieß es unentwegt bei den mitgereisten Anhängern. Internationaler Fußball ist heutzutage wieder die Bühne, nach der Borussen-Fans wirklich lechzen.

Und prächtiger könnte die Perspektive vor dem Playoff-Rückspiel gegen Young Boys Bern (Mittwoch 20.45 Uhr/live ZDF) ja kaum sein: Durch ein 3:1 im Hinspiel auf ungewohntem Kunstrasen ist die abermalige Qualifikation für die Champions League ganz nah. „Jetzt wollen wir gegen Bern vergolden, was wir uns erarbeitet haben“, sagt Sportchef Max Eberl. Und: „Ich bin froh, dass wir im Pokal gewonnen und zu null gespielt haben. Das ist gar nicht so einfach zwischen zwei Champions-League-Spielen.“

Kader wirkt bestens austariert

Mehr denn je ist in Mönchengladbach offensichtlich, dass der Kader etliche Variationsmöglichkeiten bereit hält und auch in der Breite bestens besetzt ist. Im Stade de Suisse saßen Toptalent Mo Dahoud, Zwölf-Millionen-Einkauf Jannik Vestergaard und die Flügelflitzer Fabian Johnson und Patrick Herrmann auf der Bank. Torschütze André Hahn kam ebenfalls erst als Einwechselspieler zum Zuge. „Bei unser Dreifachbelastung reden wir nicht von einer Stammelf, sondern von einer Stamm-18“, stellt Trainer André Schubert heraus.

Dem 45-Jährigen, der sich im Spielstil und Auftreten inzwischen deutlich von seinem Vorgänger Lucien Favre abgrenzt – in jeder Hinsicht wirkt Schubert offensiver - , kommt zupass, dass der Kader vernünftig zusammengestellt wurde. Eberl hat im Interview mit zdfsport.de durchklingen lassen, im Sommer den einen oder anderen Euro mehr ausgegeben zu haben, um Wunschkandidaten früh zu binden.

Hausaufgaben sind gemacht

Christoph Kramer und Tobias Strobl, die in Bern die Doppel-Sechs bildeten, waren als Neuzugänge nach der langen Vorbereitung mit den Abläufen vertraut. Deshalb verbietet es sich bei der Borussia auch, die Garantieeinnahmen aus der Königsklasse noch in sinnfreie Transfers in den letzten Tagen der Transferperiode umzuleiten. So etwa war der VfB Stuttgart einmal unter Horst Heldt verfahren, als 2009 nach erfolgreicher Qualifikation auf den letzten Drücker ein Einkauf wie der von Zdravko Kuzmanovic für 8,5 Millionen Euro erledigt wurde.

Eberl hat seine Hausaufgaben vorher gemacht – im Sommerschlussverkauf sollen sich andere balgen. Zudem weicht der 42-Jährige nicht von dem Prinzip ab, möglichst junge Profis mit Perspektive zu locken – den Namen sollen sie sich am Niederrhein machen. Auch verbietet es sich, den Verein von den internationalen Einnahmen zu machen. Es ist nämlich keine Tiefstapelei, wenn Eberl die Borussia  finanziell hinter Bayern, Dortmund, Leverkusen, Wolfsburg und Schalke verortet – das erhärtet der Blick auf die Bilanzen. „Wir kommen nach den ersten Fünf. Das ist ein kleiner, feiner Unterschied.“

Bloß keine Großmannssucht

Großmannssucht ist dieser Borussia fremd. Wohin das führen kann, hat bekanntlich die Borussia aus Dortmund erfahren, als eine misslungen Qualifikation gegen den FC Brügge (2003) fast direkt in die Beinahe-Insolvenz mündete. Sollte Mönchengladbach die annähernd 30 Millionen Euro sicher haben, die mittlerweile schon die Gruppenphase mit Prämien und Marketingerlösen garantiert,  stellt sich eher die Frage, wofür das Geld sinnvoll ausgegeben werden kann. Etwa für den hoch veranlagten Verteidiger Andreas Christensen, der 20-jährige Däne ist bislang nämlich nur vom FC Chelsea ausgeliehen. Das Abwehrass könnte allerdings bis zu 20 Millionen Euro teuer werden. Auch das wäre ein Rekord für Mönchengladbach.

In solchen Zeiten ist es auch immer sinnvoll, nicht nur in Beine, sondern auch in Steine zu investieren. Nach der Vorstellung der jüngsten Rekordbilanz mit 160 Millionen Euro Umsatz und einem 21-Millionen-Gewinn sind die Pläne für einen Ausbau des Borussia-Parks samt einem eigenen Fohlen-Hotel – ein Vier-Sterne-Tempel über sechs Stockwerke gegenüber der Haupttribüne mit direkter Stadionanbindung - weit gediehen. Ferner  möchte man sich als Spielort für die EM 2024 bewerben. Dass Mönchengladbach als Standort wahrgenommen wird, belegt auch dieses Detail: Das erste Länderspiel der jungen Saison bestreitet die deutsche Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch gegen Finnland eben im Borussia-Park (31. August). Und der eine oder andere Anhänger könnte im Überschwang dann schon wieder Europapokal-Gesänge anstimmen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet