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Eberl: "Geschenk für Gladbach"

Sport - Eberl: "Geschenk für Gladbach"

Gladbachs Trainer André Schubert vor dem Hinspiel der Champions-League-Playoffs bei den Young Boys Bern. Die Partie zeigt das ZDF am Dienstag live ab 20:15 Uhr.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.08.2017, 07:59

Das zweite Mal in Folge kann Borussia Mönchengladbach die Champions-League-Qualifikation schaffen. Im Hinspiel bei Youngs Boys Bern (Dienstag 20.45 Uhr/live im ZDF und bei zdfsport.de ab 20:15 Uhr) gilt der Bundesliga-Vierte als Favorit. Sportdirektor Max Eberl erklärt im zdfsport.de-Interview die Ausgangslage und Ausrichtung, aber auch die Transferpolitik für den Traditionsverein.

zdfsport.de: Der Schweizer Vizemeister gilt fast als bestmöglicher Gegner für Mönchengladbach. Sehen Sie das auch so?

Max Eberl: Wir werden von vielen als Favorit gesehen, aber es wird kein Selbstläufer. Bern ist eine gute Mannschaft, die Schachtjor Donezk ausgeschaltet hat und in der Schweizer den FC Basel angreifen will. Ich will sie nicht größer reden, als sie sind. Aber es wird schwer. Wenn wir allerdings in den zwei Spielen unsere Leistung bringen, haben wir eine große Chance, es zu schaffen.

zdfsport.de: Ist ein Handikap, dass die beiden Spielen noch vor Bundesliga-Beginn stattfinden?

Eberl: Im Grunde beginnt unsere Saison ja nur knapp vor dem DFB-Pokal. Das ist anders als bei Hertha BSC, die ihre Europa-League-Qualifikation drei Wochen vorher beginnen mussten. Der Termin sollte nicht das Problem sein.

zdfsport.de: Sie haben mehrfach betont, Ihnen wäre es nicht lieb, wenn schon vorher alles auf die zwei Play-off-Partien reduziert wird.

Eberl: Ich möchte definitiv nicht alles darauf fokussieren. Mir wird auch zu viel Druck aufgebaut. Mich erinnert das an die Situation vor fünf Jahren, als ich sagte, wir dürfen Relegation spielen. Das klang für einen Erstligisten skurril, aber diese Play-offs müssen wir nach dem Verlauf der vergangenen Saison ähnlich angehen: als ein Geschenk. Es hatte vorher noch nie ein Team geschafft, nach fünf Niederlagen zum Auftakt am Ende noch in die Champions League zu kommen. Die Europa-League-Gruppenphase sicher zu haben, ist schon fantastisch.

zdfsport.de: Da halten Sie den Ball aber sehr flach.

Eberl: Wir haben die Chance aus 2011 und 2012 – erst die Relegation überstehen, dann wie Phönix aus der Asche kommend den vierten Platz erreichen – genutzt, um uns auf eine breitere Basis zu stellen. Wir sind kein One-Hit-Wonder mehr, sondern haben uns etwas Stabiles erschaffen, was uns zumindest einen einstelligen Tabellenplatz ermöglicht. Damit haben wir jedes Jahr die Chance, im Europacup zu spielen, aber das ist kein Automatismus.

zdfsport.de: Steht Gladbach bereits unter den ersten Sechs in der Liga?

Eberl: Nein, wir kommen nach den ersten Fünf. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Bayern, Dortmund und Leverkusen, auch Schalke und Wolfsburg sind wirtschaftlich besser aufgestellt. Wenn die ihre Arbeit gut machen, hat keiner aus der Liga eine richtige Chance, da einzudringen. Unser Glück war, dass der eine oder andere von denen in der Vergangenheit geschwächelt hat.

zdfsport.de: Borussia Mönchengladbach hat den Kader mal wieder sehr frühzeitig zusammengestellt. Warum sind Sie so vielen Kollegen voraus?

Eberl: Jeder Manager hat seine Art, die Aufgaben zu klären. Ich kann nur für meine Arbeit sprechen. Ich wäre sehr unruhig, wenn ich noch weit in die Vorbereitung hinein an der Kaderzusammenstellung arbeiten müsste. Ich möchte das mit Beginn wenn möglich erledigt haben, auch wenn das den einen oder anderen Euro mehr kosten mag. Aber aus meiner Sicht macht es sich immer bezahlt. Es ist mein Credo, dass die Personalfragen früh geklärt werden. Und in diesem Sommer haben wir gewusst, dass uns mit Roel Brouwers, Martin Stranzl und Martin Hinteregger drei Verteidiger verlassen würden; dass mit ziemlicher Sicherheit Granit Xhaka gehen würde.

zdfsport.de: Jannik Vestergaard und Christoph Kramer kommen als etablierte Spieler, um diese Lücken zu schließen. Stand also seit Monaten fest, dass Sie kommen würden?

Eberl: Zuerst hatten wir im Februar ja schon Martin Strobl ablösefrei verpflichtet. Nachdem wir wussten, dass Havard Nordtveit auch noch gehen würde. Bei den anderen stimmt es, dass der Entschluss früh gereift war, sie zu holen. Dass wir aber Christoph Kramer wirklich bekommen konnten, war natürlich aus unserer Sicht perfekt.

zdfsport.de: Ihre Transferpolitik ist ein gutes Beispiel, dass das viele Geld auch England nicht nur Risiken birgt, sondern auch eine Chance bietet.

Eberl: So sehe ich das. Jede Gefahr bietet auch eine Chance. Es muss unsere Aufgabe sein, die Millionen aus der Premier League in die Bundesliga zu holen und damit eine vernünftige Transferpolitik zu machen. Für uns war der Xhaka-Verkauf ein außergewöhnlicher Transfer, der uns auch eine Chance eröffnet. Nichts anderes gilt für Christian Heidel bei Schalke mit dem Geld für Leroy Sané.

zdfsport.de: Wie groß ist die Gefahr, dass die letzten Tage der Transferperiode Ende August noch ganz verrückte Dinge passieren, die dazu führen könnten, dass Mo Dahoud noch auf der Insel landet?

Eberl: Für mich ist das eine ganz offene Kommunikation mit dem Management solcher Spieler, ab einem gewissen Zeitpunkt Klarheit zu haben. Wir haben gegenüber Mo klargestellt, dass wir mit ihm in dieser Saison sportlichen Erfolg haben möchten. Ich würde es sogar gerne sehen, wenn er noch länger bleibt als die zwei Jahre, die sein Vertrag noch läuft. Ich kann nie ausschließen, dass am Ende auch bei uns noch etwas passiert. Aber ich mache die Planung nicht, um im August wieder neu anzufangen, sondern um gut vorbereitet in die Spielzeit zu starten.

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