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Chile - ein Fußball-Trendsetter

Fußball - Confed Cup in Russland: Gruppe B

Chile ist mit allen Stars zum Confed Cup gereist. Der Südamerika-Meister startet am Sonntag (20 Uhr/live ZDF) gegen Kamerun in das Turnier. Bundestrainer Joachim Löw schwärmt nicht ohne Grund von dieser Mannschaft.

Juan Antonio Pizzi
Juan Antonio Pizzi Quelle: reuters

Erst kürzlich hat Urs Siegenthaler wieder aufmerksam der Trainingseinheit der deutschen Nationalmannschaft zugeschaut. Der Schweizer mit der markanten Brille hockte auf einer Holzbank im Sportpark Kelsterbach, von der Sonne geschützt, und beobachtete entspannt die Übungsstunde, der noch das Mannschaftsfoto vorangeschaltet war. Siegenthaler hat sich wie immer nicht dazugestellt. Dabei gehört der 69-Jährige doch seit Jahren zu den wichtigsten Zuarbeitern von Bundestrainer Joachim Löw.

Über den Tellerrand geschaut

Siegenthaler ist einer, der im deutschen Fußball am besten über internationale Trends Auskunft geben kann, weil er eigentlich ständig unterwegs ist - und dabei stets weit über den Tellerrand blickt, in diesem Fall über die europäischen Grenzen hinaus schaut. Allerhöchste Wertschätzung bringen Siegenthaler und Löw dabei der chilenischen Nationalmannschaft entgegen, die in der deutschen Gruppe B beim Confed Cup das erste Spiel bestreitet.

Der Südamerika-Meister startet bereits am Sonntag (20 Uhr/live im ZDF) gegen Kamerun im Spartak-Stadion ins Turnier. „Chile agiert taktisch auf allerhöchstem Niveau. So variabel spielen nur wenige Nationalmannschaften. Da zählt Chile zu den zwei, drei besten Nationen der Welt“, lobt Löw. Mehr Trendsetter geht kaum.

Chile nehmen Confed Cup sehr ernst

Und die Chilenen sind auch nicht auf den letzten Drücker oder mit einem Perspektivkader nach Russland gereist, sondern bereiten sich akribisch aufs Turnier vor. Bereits am 6. Juni, vor allen anderen Teilnehmern, traf die Delegation in Moskau ein, und ob Arturo Vidal (FC Bayern), Gary Medel (Inter Mailand) oder Alexis Sanchez (FC Arsenal): Selbst die viel belasteten Stars lassen diese Mission nicht aus. Auch Torwart Claudio Bravo (Manchester City), der wegen einer im englischen Ligabetrieb erlittenen Muskelverletzung mindestens für den Auftakt ausfällt, steht im Aufgebot.

Und wie wichtig der Auftritt ist, bei dem Chile im zweiten Gruppenspiel in Kasan auf Deutschland trifft (Do., 22.6., 20 Uhr/ARD), verdeutlicht dieses Detail: Bereits 8000 chilenische Fans haben sich mit Karten eingedeckt. „Wir treten an, um zu gewinnen. Wir wissen, dass das schwer ist, gehen jedoch immer mit der Hoffnung und Zuversicht an die Sache heran, gegen unsere Gegner gewinnen zu können“, sagt Trainer Juan Antonio Pizzi, der eine recht hohe Erwartungslast spürt.

Chile als Inspirationsgeber

Die Anden-Nation repräsentiert nach dem Gewinn der Copa América 2015 schließlich erstmals ihren Kontinent. Im Finale behielt La Roja damals erst im Elfmeterschießen gegen Argentinien die Oberhand, und der Freudentaumel kannte keine Grenzen. Dass nun die lange übermächtigen Nationen Argentinien und Brasilien fehlen, während auf der Bühne Chile vorspielt, erfüllt eine ganze Nation mit großem Stolz.

Im Grunde erntet das langgestreckte Land mit seinen 18 Millionen Einwohnern die Früchte seiner jahrelang exzellenten Basisarbeit, die bis in den Jugendbereich reicht. Schon vor zwei Jahren verriet Löw – der WM-Titel 2014 wirkte noch nach - , dass er sich fortan an Nationen wie Chile und Italien orientieren wollte. Dass er seinen Scout Siegenthaler vermehrt zu Länderspielen der chilenischen Nationalmannschaft schickte, ist verbürgt. Es ging damals um Inspirationen für die Dreierkette, die der Bundestrainer unbedingt ins Repertoire aufnehmen wollte.

Pizzi profitiert von Vorgängern

Die Chilenen hatten unter ihrem Nationaltrainer Jorge Sampaoli bei der WM in Brasilien für Furore gesorgt, als sie erst Spanien demontierten, dann später erst im Elfmeterschießen unglücklich am Gastgeber scheiterten. Ihr gnadenloser Pressingfußball war eine Bereicherung fürs Turnier, weil Sampaoli seinen riskanten Offensivstil mit einer hoch stehenden Dreierabwehrreihe unabhängig vom Gegner durchdrückte.

Unter Pizzis Leitung hat sich gar nicht so viel geändert. Der 48-Jährige, der ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt den Triumph bei der Copa America feierte, sieht seine Arbeit ohnehin im Kontext seiner bekannten Vorgänger. „Sowohl Marcelo Bielsa, als auch Claudio Borghi oder Jorge Sampaoli haben Dinge zur Nationalmannschaft beigetragen, die ich mir jetzt zunutze machen kann“, so Pizzi. Er könnte der erste sein, der für Chile nun auch einen FIFA-Wettbewerb gewinnt.

WM-Teilnahme kein Selbstläufer

Wichtiger als der Confed Cup wird allerdings die Qualifikation für die WM 2018 in Russland, die keine Formsache ist. Der Südamerika-Meister steht punktgleich mit dem Dritten Uruguay auf Rang vier, doch nur einen Zähler dahinter ist nach 14 von 18 Spieltagen Argentinien gelistet. Der Südamerika-Fünfte muss noch den Umweg über Playoffs gegen einen asiatischen Vertreter gehen, um sich zu qualifizieren.

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