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Nagelsmann - jung, innovativ und abgeklärt

Sport - Nagelsmann - jung, innovativ und abgeklärt

Dietmar Hopp, Gesellschafter der TSG Hoffenheim, erklärt im ZDF-Interview mit Hermann Valkyser, wie er zu Trainer Julian Nagelsmann steht, der Gast im aktuellen sportstudio ist.

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11 min
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2014 war Julian Nagelsmann Meister mit der A-Jugend der TSG Hoffenheim. Heute verkörpert er das Image eines Klubs, der jung und innovativ sein will. Hinter dem jüngsten Bundesliga-Trainer liegt ein Weg voller Vorurteile und weltweiter Schlagzeilen. Jetzt hat er den Klassenerhalt geschafft und steht vor der nächsten Herausforderung.

Selten hat ein Bundesligatrainer ein solches Echo ausgelöst wie er. Das muss an seinem Alter liegen. Während Spieler immer jünger werden und Nachwuchsförderung bis in die jüngsten Jahrgänge reicht, scheint im Fußball-Grundgesetz im Kapitel Trainer folgendes zu stehen: Erfahrung und das richtige Alter müssen sie unbedingt haben. Dazu erfolgreiche Profis gewesen sein. Und das, obwohl Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und andere längst das Gegenteil bewiesen haben.

Als „PR-Gag“ verspottet

Julian Nagelsmann hat inzwischen zwei Flut-Wellen voller Vorurteile hinter sich. Die erste rollte im Oktober 2015 los, als die TSG bekannt gab, der 28-jährige bisherige A-Jugendtrainer würde im Sommer Nachfolger von Huub Stevens. Weltweit bestaunten renommierte Zeitungen den (künftigen) jüngsten Bundesliga-Trainer wie eine seltene Himmelserscheinung.


Die zweite schwappte über Fußball-Deutschland hinweg, als der 62 Jahre alte Stevens im Februar 2016 wegen einer Herzerkrankung seinen Job aufgab und Nagelsmann früher als gedacht ins kalte Wasser springen musste. Nervenaufreibender Abstiegskampf statt geruhsamer Vorbereitung. Es passt halt eben so schön, wenn statt Fußballehrer oder Trainer „Bubi-Gesicht“ oder „PR-Gag“ in Überschriften steht.

Es passt sogar sehr gut

Ein paar Wochen später, ist Nagelsmann angekommen in der Trainerbranche und den Köpfen von Fans und Berichterstattern. 28 Jahre, sechs Monate und 15 Tage war er nun bei seinem ersten Bundesligaspiel, dem 1:1 in Bremen, alt. Jünger war nur einer. Aber zählt Bernd Stöbers einziges Spiel mit 24 Jahren als Teilzeit-Cheftrainer des 1. FC Saarbrücken 1976 überhaupt? Im Gegensatz zu ihm ist Nagelsmann gekommen, um zu bleiben. Am Ende seiner ersten 13 Spiele (23 Punkte) stand der Klassenerhalt, an den im Winter nicht mehr viele glaubten.

Dietmar Hopp, dem Haupt-Gesellschafter, waren die zu erwartenden Schlagzeilen wohl ziemlich egal, als er und die TSG-Macher Nagelsmann beförderten. Schnell stellte sich heraus: Es passt. Es passt sogar sehr gut. Mit Nagelsmann gewann die TSG ihre Identität zurück. Damals 2008, nach etlichen Aufstiegen mit Ralf Rangnick, stand der Klub schon einmal für Innovation, genoss das Image des jungen, innovativen, neue Trends setzenden Vereins. Mit Nagelsmann ist all das zurückgekehrt.

Wie ein Bäcker

Im Training ging es zu wie bei einem Taktik-Intensivkurs. Hütchen, Stangen, Markierungen und Mini-Tore statt eintönigem Alltagstrott. Begriffe wie Pressing, Gegen-Pressing und schnelle Balleroberung entfachten neue Motivation. Souverän und klar in seinen Aussagen saß Nagelsmann bei Pressekonferenzen und Interviews. „Ich wusste meine erste Ansprache muss sitzen. Der erste Eindruck ist entscheidend“, erzählt er. „Er hat uns gepackt“ sagten Spieler wie Kevin Volland.


„Manchmal“, sagte Nagelsmann in einem Interview, fühle er sich wie ein Bäcker. „Ich mische Dinge zusammen, schiebe sie in den Ofen und schaue, ob es mir schmeckt.“ In den nächsten Wochen kommt wohl ein neuer Geschmackstest auf ihn zu. Er wird seinen Kader umstrukturieren müssen, es drohen wie überall – bei jungen und erfahrenen Trainern – Abgänge und Veränderungen.

Abgeklärt wie ein Alter

Bleibt eigentlich nur die Frage: Wie kommt es, dass da einer mit knapp 30 sitzt und so abgeklärt und klar wirkt? Eine Erklärung mag ein Schicksalsschlag in seinem Leben gewesen sein. Als Julian Nagelsmann 20 ist, stirbt sein Vater. Die älteren Geschwister sind aus dem Haus und er muss sich um Vieles kümmern, ohne wirklich darauf vorbereitet zu sein. Den Verlust des Vaters nennt er „das schrecklichste Erlebnis meines Lebens“. Und trotzdem: „Es hat mich weitergebracht.“

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