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Krisenrhetorik mit Sarkasmus

7. Spieltag: FC Bayern München - Borussia M'gladbach

Nach drei sieglosen Partien gibt Bayerns Trainer Niko Kovac vor dem Topspiel gegen Mönchengladbach einen bemerkenswerten Auftritt. Offen bleibt dabei allerdings weitgehend, welche Maßnahmen er gegen den jüngsten Abschwung ergreifen will.

Niko Kovac steht mit verschränkten Armen am Spielfeldrand.
Entschlossen: Niko Kovac
Quelle: Kerstin Joensson / ap

Am Ende gab Niko Kovac noch ein Versprechen. "Es wird sich drehen", sagte der Trainer des FC Bayern, bevor nach dem Topspiel heute Abend (18:30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach seine 100-Tage-Bilanz gezogen wird. Ob das Spiel auch für seine Bewertung entscheidend sei, wurde Kovac gefragt. Er sagte: "Ja, natürlich. Dann sind elf Spiele gespielt, dann wird man sagen: Man kann zufrieden sein oder nicht." Dann ging er mit jenem Lächeln, mit dem er am Freitagmittag zur Pressekonferenz gekommen war.

"Wir sind gefestigt"

Dazwischen lag ein Auftritt, den Kovac ungefragt zu einer Klarstellung genutzt hatte, die Züge einer Rechtfertigung trug, ehe er Kritik zurückwies, angebliche Interna als "lustig" abtat, die Spieler in die Pflicht nahm sowie Korrekturen und eine Rückkehr zum Erfolg versprach. "Dass es jetzt brodelt, das ist nicht so. Wir sind gefestigt", sagte Kovac zwischendurch, als er Bezug nahm auf die jüngsten Medienberichte, wonach es in der Kabine rumore. Er hätte auch sagen können: Ich bin gefestigt. Denn Souveränität zu suggerieren war das eigentliche Anliegen seines bemerkenswerten Auftritts vor der Verabredung mit dem Tabellenvierten, gegen den es nach drei sieglosen Partien vor allem darum geht, mit einem Erfolg für eine Beruhigung der Lage zu sorgen.

Lustig, das wurde bei seinem Mediengespräch deutlich, findet Kovac die aktuelle Situation in Wahrheit allerdings keineswegs. "Ich will da mal was klarstellen", hob er an, um Bezug zu nehmen auf den Eindruck vieler Beobachter, dass er nach dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam erstmals ein bisschen ratlos gewirkt hatte. "Wenn ein Trainer überlegt, was er sagt und nicht sofort die Keule rausholt, dann hat das nichts mit Ratlosigkeit zu tun", rechtfertigte sich Kovac. Er habe zunächst einmal die detaillierte Spielanalyse abwarten wollen. Zudem werde er sich "sicherlich nie hinstellen und meine Spieler betonieren. Das ist meine Mannschaft", sagte er, weshalb es nachvollziehbar sei, "wenn ein Trainer nach einem Spiel nicht gleich für irgendwelche Headlines sorgt."

Kein Verständnis für Medienberichte

Wenig schmeichelhafte Schlagzeilen hatte er nach dem Spiel gegen Ajax mit seiner Bitte um ein, zwei Tage Bedenkzeit allerdings auch so provoziert, ebenso wie mit seiner Einlassung, er müsse das erst einmal verarbeiten. Hinzu kam die teils deutliche Kritik seiner Spieler. Wie von Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, der wiederholt beklagt hatte, dass "uns nach vorne hin die Idee fehlt". Gefolgt von Präsident Uli Hoeneß, der befunden hatte, es sei "ein wenig der Wurm drin". Und zwar wegen der andauernden Rotation, die aber Sache des Trainers sei. Und dann sagte Hoeneß jenen Satz, der schon ein bisschen bedrohlich klang und manche gar Parallelen zum vor einem Jahr entlassenen Carlo Ancelotti erkennen ließ. "Am Ende muss er ja auch den Kopf dafür hinhalten", ließ Hoeneß über Kovac wissen.

Am Freitag schließlich titelte die Bild: "In der Bayern-Kabine brodelt’s." Die Zeitung berichtete über eine ganze Reihe angeblicher Interna. Demnach vermissten seine Kicker unter anderem eine Spielidee wie unter Pep Guardiola und Jupp Heynckes, wozu Kovac nun anmerkte, diese Behauptung sei "ein bisschen zum Schmunzeln". Ebenso wenig Verständnis zeigte er für weitere Inhalte des Berichts, wonach im Vergleich zur harten Vorbereitung inzwischen sehr dosiert trainiert werde. "Ich habe gehört, dass wir zu lasch trainieren. Also Männer, jetzt wird’s lustig", sagte Kovac sarkastisch.

Stimmungsumschwung nach sechs Wochen

Es entbehrt in der Tat nicht einer kuriosen Note, dass der im Sommer beim FC Bayern eingestiegene Trainer einen solch dramatischen Stimmungsumschwung moderieren muss, der erkennbar auch innerhalb der Mannschaft Einzug gehalten hat. Noch vor wenigen Wochen, mitten in der Siegesserie der ersten sieben Pflichtspiele, überboten sie sich beim FC Bayern mit Lob für ihren neuen, 46 Jahre alten Cheftrainer. Hoeneß hatte den Anfang gemacht, als er "schon nach sechs Wochen" urteilte, "dass wir den richtigen Trainer geholt haben". Rummenigge sagte nach zehn Wochen: "Wie er den Job interpretiert, ist sehr gut. Er macht das mit Sympathie. Er hat eine klare, ehrliche Ansprache. Das kommt bei der Mannschaft gut an. Das ist der Beweis, dass wir mit Niko den richtigen Trainer hierher geholt haben."

Die Spieler goutierten ebenso das Wirken von Kovac. Dieser habe es geschafft, "dass wir als Team auftreten", sagte beispielsweise Linksverteidiger David Alaba. Davon allerdings, das hat auch Kovac bei seiner Analyse des Ajax-Spiels erkannt, sind die Münchner gerade ein gutes Stück entfernt. "Viele lange Läufe" seiner Spieler ließen die Daten erkennen, berichtete Kovac, "die Kompaktheit war nicht da“.

"Jungs müssen Ärmel hochkrempeln"

Zu dieser soll nun gegen Gladbach zurückgekehrt werden. Welche Maßnahmen er konkret ergreifen will, blieb allerdings offen. Man müsse "gewisse Sachen nachjustieren", sagte Kovac und nahm seine Belegschaft in die Pflicht: "Jetzt müssen die Jungs die Ärmel hochkrempeln." Der nun entstandene "Druck für jeden" könne "auch förderlich sein, vielleicht hat uns das gefehlt". Es war eine Krisenrhetorik, die laut Kovac bald ein Ende haben wird. Das hofft er jedenfalls.

Fußball-Bundesliga - 7. Spieltag

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