Abstieg? Gibt's nicht!

Christoph Daum soll die Frankfurter Eintracht retten

Er hat viele Namen: Heilsbringer, Motivationskünstler, Magier - um nur ein paar zu nennen. Jetzt soll Christoph Daum die abstiegsbedrohte Eintracht retten. Doch nach drei Spielen stehen gerade einmal zwei Punkte auf der Daum'schen Ertragsseite.

Mit diesem Coup hat niemand gerechnet: Heribert Bruchhagen holt Christoph Daum als Trainer zur Eintracht. Unerwartet deswegen, weil sich Daum seine Arbeitgeber in der Regel unter dieser Prämisse aussucht: Aussicht aufs internationale Geschäft soll bestehen. Doch davon ist die Eintracht zurzeit so weit entfernt, wie lange nicht mehr.

Aus der Türkei nach Frankfurt


Christoph Daum gilt allgemein hin als ein sehr guter Trainer - unabhängig von dem Kokain-Skandal im Herbst 2000, der ihn den Posten des Bundestrainers gekostet hat. Die Meisterschaften mit dem VfB Stuttgart, Besiktas und Fenerbahce Istanbul, Austria Wien und der Aufstieg mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga sind ein Beleg für seine erfolgreiche Arbeit. In der Türkei genießt er seit jeher sehr hohes Ansehen. Nur die internationalen Erfolge sind bisher mit allen Klubs ausgeblieben.

Nach seinem Engagement als Trainer bei Fenerbahce Istanbul kehrt Daum nun in die Bundesliga zurück, um die Nachfolge eines anderen türkei-erprobten Trainerkollegen anzutreten. Michael Skibbe, vor seiner Zeit bei der Eintracht bei Galatasaray Istanbul tätig, arbeitete von Sommer 2009 bis Frühjahr 2011 am Main. Die türkische Vergangenheit vor dem Abschnitt in Frankfurt ist ihnen gemein. Die Aufgabe bei der Eintracht hingegen nicht. Skibbe sollte das Team auf die internationale Bühne bringen, Daum soll es nun vor dem Abstieg bewahren.

Mit Frankfurt nach Europa

Nach einer guten Hinrunde und der Aussicht auf einen Platz in den Europa-League-Rängen folgt der Absturz in der Rückrunde. Nach dem 27. Spieltag muss Trainer Skibbe seinen Hut nehmen. Es folgt der Auftritt des Zampanos Daum, der verkündet, wieder "internationales Flair" nach Frankfurt zurückholen zu wollen. "Ich will eine Aufbruchstimmung in Frankfurt erzeugen. Frankfurt zu übernehmen ist für mich kein Rückschritt", sagt er bei seinem Amtsantritt.


"Ich bin hochmotiviert und will meine Begeisterung, meine Fachkompetenz und meine Leidenschaft auf jeden einzelnen Spieler übertragen. Jeder in der Region soll stolz sein, wenn er über die Eintracht spricht. Und jeder Spieler soll stolz sein, das Eintracht-Trikot tragen zu dürfen. Ich werde ab sofort 25 Stunden am Tag für die Eintracht da sein", erklärt der 57-Jährige fast schon wie selbstverständlich.

Abstieg ist keine Option

Das sind Worte, Wunschdenken, Ziele. Nicht wirklich greifbar. Greifbarer sind hingegen die Fakten: Nach drei Spielen unter Daum stehen zwei Unentschieden und eine Niederlage in der Bilanz. Gerade einmal vier Punkte Vorsprung hat die Eintracht auf den Abstiegs-Relegationsplatz. Und mit Bayern, Mainz, Köln und Dortmund auch nicht gerade ein leichtes Restprogramm.


Trotzdem übt sich der studierte Sport- und Englischlehrer in Zuversicht. "Never ever give up" - "Gib niemals auf" - verkündet Daum nach der Niederlage in Hoffenheim im letzten Spiel. Ohnehin existiert für ihn das Wort "Abstieg" nicht. Er weiß aber auch, dass die Saison für die Hessen "bis zur letzten Sekunde ein Tanz auf der Rasierklinge" wird. Sollte die Eintracht absteigen, ist auch Daums Zeit in der Mainmetropole beendet. In der zweiten Liga stehe er nicht mehr zur Verfügung, der 1. FC Köln sei damals eine Ausnahme gewesen, so der Coach.

Daum vs. Hoeneß

Die nächste - sportliche - Hürde für den Heilsbringer, der sich selber eigentlich nicht als Feuerwehrmann oder Retter sieht, steht am Samstag an. Die Bayern gastieren in Frankfurt - und die wollen unbedingt die Champions-League-Qualifikation schaffen, werden also nicht freiwillig Punkte lassen. Die Eintracht hingegen braucht drei Punkte, um ein wenig aufatmen zu können. Ein schwieriges Unterfangen. Sollte Frankfurt verlieren, ist wieder das ganze Können des Heilsbringers, Motivationskünstlers und Magiers gefragt, um die Mannschaft für die letzten drei Spiele aufzubauen.

Das Bayernspiel ist aber auch gleichzeitig das Aufeinandertreffen von Christoph Daum mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Die Beziehung der beiden ist seit den Drogenmissbrauchsvorwürfen zerrüttet. Die Auseinandersetzung beschäftigt damals wochenlang die Presse. Mittlerweile sei das Verhältnis "normalisiert", sagt . Trotzdem darf man auf die Interviews nach dem Spiel gespannt sein.

Genauso gespannt darf man auch auf das "aktuelle sportstudio" sein: Am Samstag ist Christoph Daum ab 23 Uhr zu Gast bei Moderator Michael Steinbrecher.

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