Fritz: Bremer Umfeld ist ein Vorteil

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Im sportstudio-Gespräch mit Katrin Müller-Hohenstein berichtet Clemens Fritz über die Bedeutung der Fans, die Entlassung von Trainer Viktor Skripnik und seine Eindrücke von Alexander Nouri.

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15 min
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Video verfügbar bis 01.10.2017, 23:45

Familiäres Umfeld, bedingungslose Unterstützung der Fans - Clemens Fritz hat im aktuellen Sportstudio verraten, warum er Werder Bremen seit nunmehr schon zehn Jahren die Treue hält. Im Talk mit Katrin-Müller Hohenstein macht der Routinier einen zuversichtlichen Eindruck.

Die vierte Karriere des Clemens Fritz

Der berühmte Satz, wonach es keine alten und jungen Spieler gibt, sondern nur gute und schlechte, wird dem ehemaligen Werder-Bremen-Trainer Otto Rehhagel zugeschrieben. Den hat Clemens Fritz zwar nun selbst nicht mehr als Trainer kennengelernt, dennoch ist er der beste Beleg für diese Aussage. Denn nie war der 35-Jährige wertvoller als jetzt - im wohl nun tatsächlich letzten Abschnitt seiner Spielerkarriere.

Im Osten Stürmer – im Westen Verteidiger

Jeder kennt Fritz als flexiblen Spieler, der sowohl in der Abwehr als auch im Mittelfeld eingesetzt werden kann - dabei hat er bis zum Alter von 23 Jahren im Sturm gespielt. Zunächst bei Rot-Weiß Erfurt und VfB Leipzig, ab 2001 dann für zwei Jahre beim Karlsruher SC in der 2. Bundesliga. Zu seiner Erfurter Heimat pflegt Fritz immer noch eine enge Verbindung und unterstützt mit seiner dort ansässigen Stiftung zahlreiche Jugendprojekte.

Zum Außenverteidiger wurde er erst nach seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen im Jahr 2003, von Trainer Klaus Augenthaler umgeschult. Wenig später erlebte er den größten Rückschlag in seiner Karriere, als er wegen eines Wadenbeinbruchs die komplette Spielzeit 2004/2005 verpasste. 2006 holte ihn das Duo Allofs/Schaaf nach Bremen, wo er weiter vornehmlich die rechte Außenbahn beackerte.

Bei Jogi im Mittelfeld

In der Nationalmannschaft hatte Clemens Fritz auf dieser Position allerdings den übermächtigen Philipp Lahm vor sich. Bundestrainer Joachim Löw wollte bei der EM 2008 trotzdem nicht auf ihn verzichten und setzte ihn kurzerhand im rechten Mittelfeld ein, wo er in allen Vorrundenspielen in der Startformation stand. Dass Fritz nach 2008 zu keinem Länderspiel mehr kam, liegt  auch daran, dass er bei Werder weiterhin in der Abwehr gebraucht wurde.

Der dritte Karriereabschnitt begann für Fritz in der Saison 2011/2012 mit einer doppelten Beförderung: ins Mittelfeld und zum Kapitän bei Werder.  Mit seiner offenen, vermittelnden Art hatte sich der Vorzeigeprofi schon vorher schrittweise zum Führungsspieler entwickelt und war der natürliche Nachfolger von Per Mertesacker als Mannschaftsführer.

Kapitän in schweren Zeiten

In dieser Phase, da man bei Werder den personellen Umbruch einleitete und sich nach und nach von den Top-Verdienern der fetten Jahre trennte, wurde Fritz als einer der wenigen verbliebenen Leistungsträger besonders gefordert. Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, dass gerade er damit zum Gesicht des  Bremer Niedergangs wurde.

Man mag sich kaum vorstellen, wo Werder jetzt ohne den Kapitän stünde, der auf und jenseits des Platzes alles versuchte, den Erosionsprozess zu stoppen. Der sich auch nach der peinlichsten Niederlage noch tapfer den Fernsehkameras stellte, um Worte für das Unerklärliche zu finden.  Der eine der letzten Identifikationsfiguren ist, mit der sich die Fans verbinden, um solche überlebensnotwendige Unterstützung zu leisten wie im Abstiegskampf der vergangenen Saison.

Auf dem Weg zur Legende

In diesem letztlich erfolgreichen Kampf setzte Fritz das deutlichste Zeichen, als er nach der Niederlage beim Hamburger SV und auf dem Relegationsplatz stehend seinen erst drei Monate zuvor verkündeten Rücktritt zurücknahm. Da stand einer für das gerade, was er und seine Mannschaft verbockt hatten und erklärte sich bereit, auf seine alten Tage nochmal einen Knochenjob in der 2. Liga anzutreten. Das ist der Stoff, aus dem Legenden gestrickt werden.

Als Belohnung für diesen Mut hätten ihm die Fans wie keinem anderen gegönnt, als letzten Karriereabschnitt nochmal eine erfreuliche Saison ohne Zitterpartie  zu erleben. Danach sieht es nun nicht aus, stattdessen müssen sich Fritz und die Werder-Mannschaft auf einen erneuten Abstiegskampf einstellen.  Mit welchem Trainer sich der noch vermeiden ließe, scheint für ihn indes klar zu sein.

Starkes Zeugnis für Nouri

"Ich habe seine Arbeit bei der U23 beobachtet und traue ihm absolut zu, dass er sich auch in der Bundesliga durchsetzt", sagt der Kapitän über Interims-Coach Alexander Nouri. "Er hat eine tolle Ansprache an die Mannschaft, brennt für den Fußball und nimmt wirklich jeden auf seinem Weg mit." Ein starkes Zeugnis des Oldies für den Youngster. Dem soll erstmal jemand widersprechen.

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