Arroganz-Anfall ohne Folgen

Die Konkurrenz kann den Stolperer nicht nutzen

Ein verlässlicher Indikator für Bayerns wahre Gefühlslage ist das verbale Nachspiel in der Mixed Zone. Wenn die Spieler, außer Kapitän Marc van Bommel, wort- und grußlos Richtung Kabine stapfen, sind die 90 Minuten zuvor nicht optimal verlaufen.

Marc van Bommel, Thomas Müller, Miroslav Klose
Marc van Bommel, Thomas Müller, Miroslav Klose Quelle: reuters

Auch nach der ersten Phase des Durchschnaufens, also nach dem Duschen, mochte kein Münchner ins Gespräch mit wartenden Journalisten. Wahrscheinlich hatte auch keiner der Herren eine schlüssige Antwort parat auf die zu erwartenden Fragen nach der überraschenden Last-Minute Niederlage in Frankfurt.

Schlendrian macht sich breit

Während Jung-Manager Christian Nerlinger pflichtbewusst und sachlich die Lage analysierte, von Nachlässigkeiten und verdienter Niederlage sprach, überraschte Trainer Louis van Gaal mal wieder mit der ihm eigenen Sichtweise. "Die Frankfurter seien keineswegs der verdiente Sieger, schließlich hatte der FC Bayern in der 2.Halbzeit die Hundertprozent-Chance von Tymoschtschuk", grantelte der Niederländer nach Abpfiff, "wenn er die verwandelt, sei das Spiel gelaufen".


Mag sein, aber auch dieser angesprochene fahrlässige Umgang mit einer Großchance passt ins Bild, dass der Tabellenführer in Frankfurt abgab. Schon in den vergangenen Wochen hatte sich bei den Bayern offensichtlich der Schlendrian eingeschlichen. Die Remis bei den Abstiegskandidaten in Köln und Nürnberg waren am Ende sogar glücklich, der Sieg in Freiburg nur den individuellen Hervorbringungen von Arjen Robben zu verdanken.

Mal wieder Bayern-Dusel

Wenn nun also der Chef zum wiederholten Mal eine völlig konträre Spielanalyse gegenüber der Einschätzung von Journalisten zum Besten gibt, dann dürfen wir getrost davon ausgehen, dass van Gaal intern Klartext bevorzugt. Die Mannschaftsbesprechung am Sonntagmorgen dauerte jedenfalls gute zwei Stunden, ehe Louis van Gaal die anschließende Trainingseinheit höchstselbst leitete. Nach guten Spielen lässt sich der Chef-Trainer sonntags selten blicken.


Louis van Gaal wird sicher geeignete Signale senden in diesen Tagen, vor den Wochen der Wahrheit mit DFB-Pokal-Halbfinale, Bundesliga-Endspurt und Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United. Der kleine Betriebsunfall in Frankfurt blieb jedenfalls ohne Folgen. Glück für die Bayern, dass die Konkurrenten aus Leverkusen und Schalke die Gunst des Augenblicks nicht nutzen konnten.

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