Aufbruchstimmung und Abrissbirnen

Der Umbruch beim HSV bleibt noch ohne Erfolg

"Wer 6:0 tippt, hat keine Ahnung vom Fußball." Das waren die Worte von Michael Oenning vor dem peinlichen 0:5-Desaster beim FC Bayern. Zwar behielt der HSV-Trainer recht, aber schon nach drei Spieltagen taumeln die Hanseaten durch die Bundesliga.


Als Co-Trainer hatte Oenning nach dem 0:6 des HSV in München im März die Chefposition von Armin Veh übernommen. Die biedere Bilanz: ein Sieg in elf Bundesligaspielen (Siegquote 9,1%) - und der gleich in der ersten Partie vor jetzt schon fünf langen Monaten. Das Erstliga-Urgestein ist in der aktuellen Konstitution vom sportlichen Niedergang bedroht: siegloser Tabellen-17. mit den meisten Gegentoren der Liga. Nur im DFB-Pokal gelang ein schwerfälliger Erfolg beim Fünftligisten VfB Oldenburg. Die Aufbruchstimmung war beachtlich rund um den HSV - drei Wochen nach dem Saisonstart pendeln sich die Abrissbirnen ein rund um den Traditionsklub.

Umbruch mit Startproblemen

Der HSV will sich neu erfinden und das auf allen Ebenen. Ein Trainer der Klopp-Generation, mit Frank Arnesen ein neuer Sportchef vom erlesenen FC Chelsea und im Spielerkader eine (radikale) Verjüngungskur. Doch die Abramowitsch-Junioren sind (noch) nicht bundesligareif, der Verlust an Erfahrung, bei aller sportlichen Kritik an den Herrn Mathijsen, van Nistelrooy, Ze Roberto oder Rost, wurde in keiner Weise kompensiert.

Das (Start-)Ergebnis: eine Lehrstunde beim BVB, ein schmeichelhaftes Remis gegen Aufsteiger Berlin und eine Demütigung durch den FC Bayern, die durchaus zweistellig hätte ausfallen können. Dieser Auftritt in München, ein einziger Offenbarungseid. Michael Oenning hätte vielleicht Uli Hoeneß in der Halbzeit um eine Ansprache bitten sollen!

Keine Kontinuität

Oenning ist der vierte HSV-Trainer in den vergangenen zwei Jahren. Kontinuität sieht anders aus. Und dieser wichtigste Posten im sportlichen Vereinsgefüge wackelt schon wieder - zumindest wenn es nach den Fans und ihren Meinungsäußerungen im www geht.

Der Fußballlehrer ist natürlich nicht alleinverantwortlich, doch auch Oenning macht sich in diesen ersten Wochen angreifbar. Ein Beispiel: Im sensiblen Bereich des defensiven Mittelfelds - dem Doppelherz einer jeden modernen Fußballmannschaft - fehlt die personelle und inhaltliche Kontinuität.

Wackelndes Kollektiv

Und obwohl Oenning viele neue und moderne atmosphärische Teambuilding-Maßnahmen umsetzt, seine Mannschaft ist (noch) keine Einheit. Sicher, weil auch einige im Kollektiv mit sich selbst zu kämpfen haben. David Jarolim etwa, der einstige Mannschaftsführer, verlor unter Oenning seine sportliche Festanstellung. Oder Heiko Westermann, der eher wie ein Kapitän wider Willen wirkt und aufgrund seiner eigenen Qualitätsprobleme nicht in der Lage ist, den jungen Defensivverbund zu organisieren.

Überhaupt Westermann. Der hat sich seit seinem Wechsel zum HSV vor einem Jahr nach und nach aus der Nationalelf gepatzt. Ebenso wie Marcell Jansen oder Piotr Trochowski (jetzt FC Sevilla). Sicher nicht die Schuld von Oenning, aber eben auch kein Zufall im kontinuierlichen hanseatischen Abwärtstrend.

Hoffnung auf eine Parallele

Nun wird's stürmisch im Bundesliga-Norden: für das Team und vor allem für den Trainer. Am 19. März gewann der Hamburger SV zuletzt drei Bundesliga-Punkte - der einzige Erfolg Oennings. Eine Woche nach dem 0:6 in München wurde der 1. FC Köln zuhause 6:2 besiegt.

Am nächsten Samstag, eine Woche nach dem Debakel beim FCB, steht wieder ein Heimspiel an. Der Gegner ist wieder der 1. FC Köln. Daraus, nur daraus, kann der HSV aktuell seinen Optimismus beziehen.

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