Aus'zapft is!

Schonfrist, aber kein Kredit mehr für Louis van Gaal

"Aus'zapft is" für Louis van Gaal beim FC Bayern München. Drei Niederlagen und zwei verlorene Titel innerhalb von nur einer Woche haben dem bayerischen Fass den Boden ausgeschlagen.

Als Liga-Fünfter droht das Verpassen des Minimalziels, droht ein Jahr ohne Königsklasse. Dem sonntäglichen Vorstandspalaver folgte aufgrund fehlender Alternative zwar keine Entlassung, der Niederländer aber hat nur noch eine zeitlich begrenzte Zukunft beim Doublegewinner 2010. Bis zum Saisonende und keinesfalls länger.

Großes Risiko


Ich habe fest mit einer fristlosen Kündigung des FCB-Dompteurs gerechnet - allein schon, um den sportlichen Abwärtsstrudel der vergangenen acht Tage zu stoppen. Der Rekordmeister offenbarte gegen Dortmund, Schalke und Hannover nicht nur eine konjunkturelle Ergebnis-, sondern strukturelle Mannschafts- und Trainerkrise.


Die bajuwarischen Großkopferten trauen sich was. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und Christian Nerlinger riskieren mit ihrem (vorübergehenden) Festhalten an Louis van Gaal nicht nur das Saisonziel in der Liga, sondern kurzfristig auch das Weiterkommen gegen Inter Mailand im Achtelfinale der Champions League. Es wäre an der Zeit gewesen, dass sich was dreht.

Die Zweifel mehren sich


LvG - der Trainer mit dem eigenem Wappen auf seiner Biografie - hat sich zuletzt immer häufiger fachlich angreifbar gemacht. Ein unnötiger Torwartwechsel, ohne der neuen "1" Thomas Kraft öffentlich den Rücken zu stärken, eine Viererkette als laufende Versuchsreihe und ein Offensivsystem ohne Alternative. Hinzu kamen die unnötigen Scharmützel, intern wie extern, mit Präsident oder Sportdirektor.

Rein menschlich gab es früh viele, große Zweifel an Louis van Gaal, rein fachlich häuften sich die Bedenken erst seit der letzten Winterpause. "Ich habe überall, wo ich war, Geschichte geschrieben" - dieser Satz war Teil der selbstbewussten Antrittsrede von LvG . Das immerhin hat der Egozentriker geschafft: als erster niederländischer Meistertrainer der Bundesliga.

Bayern-Bosse mit schuldig

Jetzt aber, mitten im bayerischen Frühling, verwelkt die eiserne Tulpe. Louis van Gaal bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich in Bundesliga und Champions League mit Anstand zu verabschieden - Schimpf und Schande drohen bis zum letzten Abpfiff.

Suche nach der (Erfolgs-)Kontinuität

Doch nicht allein der Trainer muss sich hinterfragen. Längst sollten dies auch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge machen. Denn die Auswahl des Verantwortlichen an der Linie geht vor allem auf sie zurück. Und auf der wichtigsten Vereinsposition, der des Trainers, haben die beiden mächtigen Klubbosse seit Jahren ein unruhiges Händchen: LvG ist der fünfte Trainer in den vergangenen fast sieben Jahren.
Der FC Bayern lechzt nach der Kontinuität, die er zuletzt unter Ottmar Hitzfelde hatte: Viermal Meister, dreimal Pokalsieger und Champions-League-Gewinner lautet die Bilanz von Hitzfeld, der als bayerischer Bundesliga-Rekordhalter sechs Jahre am Stück für diesen Verein tätig sein konnte.


Nach Jürgen Klinsmann und nun Louis van Gaal muss die nächste Trainer-Verpflichtung sitzen... wenn es dann wieder heißt: "O'Zapft is"!

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