Baustelle FCK

Kaiserslautern hat neben sportlichen Sorgen auch Probleme mit rechten Fans

Erst die 0:4-Pleite im Derby gegen Mainz 05, dann die antisemitischen Äußerungen von ein paar Fans beim Training: Beim 1. FC Kaiserslautern läuten die Alarmglocken. Vorstandschef Stefan Kuntz hat auf mehreren Baustellen alle Hände voll zu tun.

Stefan Kuntz
Stefan Kuntz Quelle: imago

Für Kaiserslautern läuft es zurzeit alles andere als gut. In der Bundesliga steht der Verein auf einem Abstiegsplatz. Ein erneuter Tiefpunkt im Saisonverlauf, dem die Klatsche beim Rheinland-Pfalz-Derby in Mainz vorausgeht. Bundesligareife haben in dem Spiel nur die 05er gezeigt. Das 0:4 ist die höchste Saisonniederlage der Lauterer. Nur einen Tag später noch ein Tiefpunkt: die rassistischen Verbalattacken gegen FCK-Stürmer Itay Shechter im Sonntagstraining. Stefan Kuntz ist um seine Aufgaben bei Lautern nicht zu beneiden.

Erfolg als Spieler und Klubchef

Bei den "Roten Teufeln" feierte Stefan Kuntz als Spieler von 1989 bis 1995 seine größten Erfolge auf Vereinsebene. Deutscher Meister und Supercup-Gewinner 1991, DFB-Pokalsieger 1990, Fußballer des Jahres 1991. Als er den Posten des Vorstandsvorsitzenden beim FCK 2008 übernimmt, ist der Glanz dieser Jahre auf dem Betzenberg gänzlich verschwunden.


Der Klub steht in der zweiten Liga auf einem Abstiegsplatz, für kostspielige Transfers fehlen die finanziellen Mittel. Dennoch führt Kuntz Kaiserslautern mit ruhiger Hand nach oben. 2009 holt er Marco Kurz als Trainer, mit dem Lautern 2010 in die erste Bundesliga aufsteigt. Im Aufstiegsjahr landet der 1. FC Kaiserslautern am Ende auf einem beachtlichen siebten Platz.

Wenige Tore, fehlende Qualität

Doch dem Aufschwung folgt der Absturz. Dem Verein fehlt das Geld, um wichtige Spieler zu halten. Mit Srdjan Lakic verlässt der erfolgreichste Torschütze der Vorsaison (16 Tore) den Traditionsverein. Ebenso reißen die Abgänge von Ivo Ilicevic, Jan Moravek und Erwin Hoffer (je fünf Tore) ein Loch in die Offensivabteilung, das bisher keine der neuen Kräfte wie Itay Shechter oder Dorge Kouemaha stopfen kann.

Stefan Kuntz (l.) im Gespräch mit Marco Kurz
Fußball: Stefan Kuntz und Marco Kurz Quelle: imago


Kaiserlautern hat nach 23 Spieltagen gerade einmal 16 Tore geschossen - die wenigsten aller Bundesligaklubs - und doppelt so viele kassiert. Der Kader ist in dieser Saison quasi kernsaniert worden, Stefan Kuntz ist äußerst aktiv in den Transferperioden im Sommer und Winter: 14 Abgängen stehen elf Neuzugänge gegenüber. Das (neue) Team muss sich erst finden, braucht dafür Zeit. Der Abstiegskampf ist dazu wohl aber der ungünstigste Moment - denn Zeit haben die Pfälzer in dieser Situation gar nicht. Überhaupt hat der Kader seine Bundesliga-Tauglichkeit noch nicht bewiesen. Auch Aufstiegstrainer Kurz steht in der Kritik. Doch Kuntz stärkt seinem Coach den Rücken, lässt eine Diskussion zur Trainerfrage nicht aufkommen. Vorerst einmal.

Sorge über Rassismus in Fan-Kreisen

Zu der sportlichen Krise gesellt sich seit vergangenem Sonntag ein weiteres unangenehmes Problem: Beim Auslauftraining nach der Derby-Klatsche am Vortag beschimpfen ein paar Rechtsradikale den israelischen Stürmer Shechter. Antisemitische Beleidigungen schallen über den Trainingsplatz, der "Hitler-Gruß" wird gezeigt. Rufe von Mitgliedern einer alten Hooligan-Gruppierung, erklärt FCK-Sprecher Christian Gruber. Rufe, die nicht ins Stadion gehören, die nirgendwo hin gehören. Bestürzung beim 1. FC Kaiserslautern


Der Verein distanziert sich deutlich von den rechten Parolen. "Rassismus und Diskriminierung haben beim FCK keinen Platz", sagt Kuntz. Trainer Kurz äußert sich ähnlich: "Solche Szenen sind beängstigend und in höchstem Maße zu verurteilen. Von so etwas distanzieren wir uns ganz, ganz kräftig." Die Polizeiermittlungen laufen mittlerweile. Die offizielle FCK-Fanvertretung hat sich im Namen aller Anhänger für den Vorfall entschuldigt - eine Reaktion, die die Klubführung wohlwollend aufnimmt. "Wir haben einen überwältigenden Zuspruch von unseren Fans bekommen, die sich in mehreren tausend Mails gegen diese widerwärtige Weltanschauung ausgesprochen und gleichzeitig das Vorgehen des Vereins unterstützt haben", zeigt sich Kuntz erfreut über die Rückendeckung.

Wie der FCK mit der aktuellen sportlichen Situation und der Diskriminierungsproblematik umgeht, ist unter anderem Thema des Interviews mit Stefan Kuntz im "aktuellen sportstudio" am Samstag von 23 Uhr an.

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