Schaffelhuber, Kappel und die Staffel machen das Rennen

Die Behindertensportler des Jahres 2017

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Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber ist zum fünften Mal als Behindertensportlerin des Jahres ausgezeichnet worden – und freut sich in diesem Jahr ganz besonders. Immer wieder den Platz an der Weltspitze zu verteidigen, sei nämlich manchmal auch sehr zäh.

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Ein Preis für die Beständigkeit

Anna Schaffelhuber sah sehr elegant aus. Schwarzes Kleid, hoch gestecktes Haar, wendiger Alltagsrollstuhl. Ganz anders als das kernige Mädel, das seit Jahren auf dem Monoskibob die Berge herunterrast und Siege in Serie feiert. Am Samstag wurde sie zur Behindertensportlerin des Jahres gekürt. Wieder einmal. Es ist ihre fünfte Auszeichnung. Aber die 24-Jährige vom TSV Bayerbach freut sich sehr über den Preis. Sie wertet ihn nicht allein als Wertschätzung für ihre drei Gold- und zwei Silbermedaillen bei der WM in diesem Jahr. Sondern vor allem als Anerkennung für ihren beständigen Kampf um einen Platz an der Weltspitze.

Denn der sei manchmal ganz schön zäh, gab Schaffelhuber im Rahmen der Feierlichkeiten mit 400 geladenen Gästen im Kölner Sport- und Olympiamuseum zu. „Es ist kein Selbstläufer, dass man sich jedes Jahr wieder überwindet und jedes Jahr wieder an den Start geht“, sagte sie. „Ich habe auch Phasen, in denen ich mich frage, warum tust du dir das ganze jetzt nochmal an und nochmal an?“

Als Fünfjährige im Monoskibob

Anna Schaffelhuber kam mit einer inkompletten Querschnittslähmung zur Welt, sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Mit fünf Jahren fuhr sie zum ersten Mal im Monoskibob, mit 14 wurde sie Mitglied der paralympischen Ski-Rennmannschaft. 2010, da war sie 17 Jahre alt, gewann sie bei den Winterspielen in Vancouver mit Bronze im Super-G ihre erste paralympische Medaille. Vier Jahre und einige WM-Goldmedaillen später folgte der Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere: Fünf Starts und fünfmal Gold bei den Paralympischen Winterspielen in Sotschi.

Friedhelm Julius Beucher, Niko Kappel und Joachim Gauck
Niko Kappel mit Joachim Gauck (re.) und Friedhelm Julius Beucher (li.) Quelle: imago

„Danach hätte ich aufhören können, das war ein absolutes Topergebnis“, sagt Schaffelhuber. Das zu wiederholen, werde extrem schwer. „Aber ich war für mich persönlich noch nicht am Limit, das war es, was ich in den letzten vier Jahren noch ausreizen wollte. Irgendwie habe ich es bis hierher geschafft, jetzt freue ich mich, auch die letzten drei Monate noch anzugehen.“ Anna Schaffelhuber kann von ihrem Sport leben. Dank einiger guter Sponsoren und seit dem Sommer auch dank eines nun auch für Behindertensportler möglichen Engagements beim Staat: Sie hat eine Sportförderstelle beim Zoll bekommen. Für ein ganzes Leben wird das allerdings nicht reichen, deshalb studiert sie nebenbei Mathe, Recht und Wirtschaft auf Lehramt.

Auch Kappel wird geehrt

Am Samstagabend in Köln wurden neben Schaffelhuber, dem kleinwüchsigen Kugelstoßer Niko Kappel als Behindertensportler des Jahres und der 4 x 100-Meter-Staffel als Team des Jahres auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt geehrt. Für ihr Engagement für den Behindertensport bekamen sie den Ehrenpreis des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Und Gauck gelang es, in wenigen Worten sehr eindrücklich seine Begeisterung für die Sache zum Ausdruck zu bringen: Denn Behindertensportler seien „Menschen, die unglaublich viel mehr an Willen, Energie und Leistungsbereitschaft aufbringen müssen, um diese enormen Leistungen zu erbringen“.

Das seien „lebensverjüngende Elemente“ für eine Gesellschaft, Tugenden, die gebraucht würden. „Mir hat der Besuch der Paralympics in London damals mehr gegeben als der Besuch der Olympischen Spiele“, sagte Gauck noch – und saß auch gute eine Stunde nach dem Ende der Ehrung noch in einen gemütlichen Plausch vertieft mit Behindertensportlern zusammen.

Mulmiges Gefühl

Für Anna Schaffelhuber geht es in den nächsten Monaten nun um den „Feinschliff“ für die Paralympics im Februar. „Ich bin ein sehr, sehr ehrgeiziger Mensch, der sehr strukturiert arbeitet“, sagte sie über sich. Pyeongchang in Südkorea ist aufgrund der politischen Situation nicht ihr Traum-Austragungsort, die Bedingungen dort seien zudem mit langen Fahrzeiten für die Alpin-Sportler nicht gerade herausragend. „Aber ich habe keine andere Wahl, als auf die Leute zu vertrauen, die mich da hinschicken.“

So sehen Sieger aus

Behindertensport: Highlights 2018

  • 9. – 18. März: PARALYMPISCHE SPIELE in Pyeong Chang/Südkorea
  • 2. – 5. August: WM Para Radsport (Straße) in Maniago (Italien)
  • 13. – 19. August: EM Para Schwimmen in Dublin
  • 17. – 26. August: WM Rollstuhlbasketball in Hamburg
  • 20. – 26. August: EM Leichtathletik in Berlin

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