Ein Mythos wird 75

Sport | das aktuelle sportstudio - Ein Mythos wird 75

26. September 1970: "Ente" Lippens und Pelé sind zu Gast im "aktuellen sportstudio" bei Harry Valerien. Beide treten an der Torwand gegeneinander an, auch Toni Allemann ist mit von der Partie.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.03.2019, 19:57

Er jettet ruhelos von Kontinent zu Kontinent, ließ in diesem Jahr nur Afrika aus und war in der Vorwoche noch in Indien. Doch immerhin: An seinem Ehrentag gönnt sich Pele eine kurze Verschnaufpause im engsten Familienkreis. Der beste Fußballer aller Zeiten feiert heute seinen 75. Geburtstag - ohne großes Tamtam.


Es erscheint wie eine Ewigkeit: Vor 38 Jahren trug Edson Arantes do Nascimento zum letzten Mal das legendäre Trikot mit der Nummer 10. Am 1. Oktober 1977 im New Yorker Giants Stadium schrieb der dreimalige Weltmeister, der 1958 als 17-Jähriger zwei seiner sechs Turniertore im Finale schoss, 1962 verletzt kaum mitwirkte und 1970 gar von den gastgebenden Mexikanern euphorisch auf den Schultern getragen wurde, das Schlusskapitel einer famosen Karriere.

Der König des Fußballs

1365 Spiele, nicht alle offiziell, 1281 Tore, ob im Trikot des FC Santos oder von Cosmos New York, der Selecao oder - in seiner Militärzeit - einer Soldatenauswahl, elfmal bester Torjäger einer Meisterschaft oder eines Turniers, aber kurioserweise nie bei einer WM. Schnell, robust, trickreich, treffsicher, fast immer majestätisch, all dies machte ihn zum "Rei", Brasiliens König des Fußballs.

Pele, das ist ein Mythos. "Vielleicht kennen nicht alle auf der Welt Jesus, aber von Pele haben sie schon gehört", bekräftigt der FIFA-Jahrhundertfußballer stets. Trotz aller Eskapaden seines Alter Ego abseits des grünen Rasens.

Bilderbuchkarriere

Ob eher erfolglose Ausflüge ins Schlagermusikgeschäft oder Film-Business, zwei außereheliche Kinder, ein in Drogengeschäfte verwickelter Sohn: Nichts, was Edson Arantes "verkehrt" anstellte, schadete wirklich der Popularität Peles, der es gar zum brasilianischen Sportminister (1995 - 1998) schaffte.

So erfüllt sein Aufstieg aus armen Verhältnissen das Klischee aller Bilderbuchkarrieren. Edson lief schon früh dem Ball hinterher, jubelte im Team seines Vaters Dondinho vor allem Torhüter Bile zu, dessen Namen der Knirps aber nie richtig aussprach. Fortan neckten sie ihn als Pele.

Weltweit im Einsatz

Pele hat ein einfaches Gemüt, boshafte Hintergedanken sind ihm fremd. Aber: Ob mit Werbung für ein Potenzmittel, dem Herunterleiern seiner Standard-Anekdoten oder dem Ignorieren gesellschaftlicher Probleme zugunsten des Spektakels, wie vor der WM 2014 im eigenen Land - in Brasilien ist der Prophet längst nicht mehr so viel wert, er nervt ungewollt heute eher, wenn er den Mund aufmacht.

Doch der Rest der Welt will Pele sehen. Komplett vermarktet von - nomen est omen - Legends 10, einer US-amerikanischen Werbeagentur, die für eine hübsche Stange Geld all seine Rechte bis über seinen Tod hinaus aufgekauft hat. Dafür muss Pele weiter um die Welt jetten. Dieses Jahr schon nach London, New York oder ins schweizerische Nyon, nach Australien, China, Chile oder Kuba, zuletzt nach Indien.

Das Reiseprogramm gehorcht mittlerweile aber auch Peles Körper. Im vergangenen Juli ein Eingriff an der Wirbelsäule, davor Anfang Mai eine Prostata-Operation, schon Ende letzten Jahres die Entfernung von Nierensteinen, dann ein Klinikaufenthalt wegen einer Harnwegs-Infektion. Pele mag ewig sein, Edson Arantes nicht. Aber am Freitag werden beide gefeiert.

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