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Wirrungen weglächeln

Kovac gastiert mit Frankfurt in München bei seinem künftigen Arbeitgeber

Niko Kovac tritt am Samstag mit Eintracht Frankfurt beim angeschlagenen FC Bayern an. Der künftige Münchner Trainer versucht so wenig Reibungsfläche wie möglich anzubieten. Und drückt seinem nächsten Arbeitgeber in der Champions League die Daumen.

Nico Kovac
Nico Kovac Quelle: reuters

Immerhin: Selbstironie ist Niko Kovac nicht mehr völlig fremd. Bevor der Trainer von Eintracht Frankfurt vor der Dienstreise zum FC Bayern (Samstag 15:30 Uhr; der 32. Spieltag im aktuellen sportstudio ab 23 Uhr) von einem Zettel die verletzten Spieler ablas, schickte er einleitend voran: „Stand jetzt!“. Da hat wohl einer mitbekommen, dass ihm seine Ausflucht vor wenigen Wochen, mit denen er das ihm sehr wohl bekannte Interesse aus München umschiffen wollte, ihm krachend auf die Füße gefallen ist.

 In sozialen Netzwerken ist die Redewendung in der Mainmetropole allgegenwärtig, um Dinge von sich zu weisen, die faktensicher eintreten. Dass der Fußballehrer vor dem Auswärtsspiel bei seinem künftigen Arbeitgeber darüber schmunzeln kann, ist sicher nicht das schlechteste Zeichen, auch wenn sich der in Berlin geborene Kroate erneut an einem Spagat versuchte, der nur schwerlich gelingen kann: in der Gegenwart alles wegschieben, was mit der Zukunft verbunden ist.

Schleichender Abwärtstrend

„Was mich derzeit bei Bayern München interessiert, ist nur die Tatsache, wie wir sie schlagen können“, versicherte der 46-Jährige. „Wichtig ist nur die Eintracht und das, was wir noch erreichen können." Doch der Einzug in den Europapokal wird ein schwieriges Unterfangen: Gerade einen mickrigen Zählern hat die Eintracht aus den vergangenen vier Bundesligapartien geholt. Der Kraftakt im Pokalhalbfinale bei den Königsblauen übertünchte den schleichenden Abwärtstrend.

Wie im Vorjahr scheint auf der Zielgeraden die Luft auszugehen. Etliche Akteure wirkten zuletzt müde, matt und ausgepumpt. Es heißt, der Trainer würde das Team beinahe ausquetschen wie eine Zitrone. „Wir sind körperlich fit“, beteuerte Kovac trotzig. Er könne „keinen Abfall in der körperlichen Leistungsfähigkeit sehen.“ Doch zeigen sich in den Laufleistungen – die sich Kovac angeblich angesehen hat - evidente Unterschiede: An den ersten 27 Spieltagen spulte das Eintracht-Ensemble im Schnitt 117,3 Kilometer ab, an den vergangenen vier Begegnungen jedoch nur noch 113,5 Kilometer. Spricht nicht dafür, dass der Akku voll aufgeladen ist.

Das Erreichte würdigt er selbst

Erschwerend kommt hinzu, dass mit Kevin-Prince Boateng (Oberschenkelprobleme), Ante Rebic (Trainingsrückstand) oder Makoto Hasebe (Rotsperre) auch noch Leistungsträger fehlen, die Frankfurt nicht auffangen kann. Derweil wird in München zwar kräftig rotiert, aber ohne Nachteil, wie Kovac urteilt: „Die Spieler, die gegen uns auf dem Platz stehen, wollen sich für das Duell in Madrid empfehlen. Das macht es für uns noch komplizierter.“

Deshalb ist ihm wichtig, das bisher Erreichte herauszustellen: „Keiner hätte gedacht, dass wir drei Spieltag vor Schluss Tabellensiebter sind, dass wir wieder im Pokalfinale stehen. Die meisten dachten doch, die steigen ab.“ Deshalb: „Keep cool, locker bleiben und dann schauen, was die Zukunft bringt.“ Den Ärger zwischen den Bossen Fredi Bobic und Karl-Heinz Rummenigge („nicht meine Baustelle“) blende er ohnehin aus; und überdies gelte noch: „Als Spieler habe ich den Verein gewechselt, nun ist das auch als Trainer passiert.“ Alles ganz normal also. Da bangt einer um die Würdigung seiner mehr als zwei Jahre Aufbauarbeit bei den Adlerträgern.

Pokalfinale wird die Pointe für Niko Kovac

Nur: Die Eintracht-Anhänger wird der kurioserweise mit dem Pokalfinale am 20. Mai gegen FC Bayern endgültig scheidende Coach jedoch so oder so nicht mehr auf seine Seite ziehen können: Die Umstände seiner Verpflichtung, die sich nach seiner öffentlichen Schilderung binnen eines Tages und mittels eines Anrufs von Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic geklärt haben soll, nahm ihm niemand ab. Tage später erst ließ Kovac fallen, dass es immer sein Ziel gewesen sei, Trainer von Bayern zu werden. „Das ist legitim und nicht verwerflich.“ Der Branchenprimus sei nun einmal das Nonplusultra und bereits mit seiner Vertragsverlängerung 2016 in seinem Hinterkopf gewesen.

Trotzdem will er am kommenden Mittwoch (20:45 Uhr/ZDF live ab 20:15 Uhr) das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid nicht anders verfolgt haben als jeder andere Fußballfan. Den Münchnern müsse „ganz Fußball-Deutschland“ im Rückspiel die Daumen drücken. Doch an vielleicht bald folgenden Debatten über Korrekturmaßnahmen des Bayern-Kaders, dem er ab Sommer vorsteht, beteiligt er sich angeblich nicht. Es sei klar verabredet, dass es keinen Kontakt mit den FCB-Verantwortlichen gebe. „Nach dem 19. Mai kann man mit mir darüber reden. Vorher interessiert mich das nicht.“ Stand jetzt.

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