das aktuelle sportstudio vom 22. Oktober 2016

Watzke: "Wollen ein Team mit Zukunft"

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Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke spricht mit Jochen Breyer im aktuellen sportstudio über den personellen Umbruch beim BVB und die Zukunft der jungen Mannschaft.

Beitragslänge:
16 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.10.2017, 23:00

Hans-Joachim Watzke hat eine Vision: Er will Dortmund in die Beletage des Fußballs führen. Wie der BVB-Geschäftsführer von Borussia Dortmund das bewerkstelligen will und warum er die jungen Wilden des BVB immer wieder in Schutz nehmen muss, erzählt er als Gast im aktuellen sportstudio. Zudem glaubt er, dass Real Madrid die Fühler nach Trainer Thomas Tuchel ausgestreckt hat.

Im stillen Triumph durchschritt Hans-Joachim Watzke die Empfangshalle des Estadio José Alvalade in Lissabon. Die früheren Sporting-Helden Figo und Cristiano Ronaldo lächelten mit Weltfußballer-Trophäen von den Wänden, doch dafür hatte der Mann im blaugrauen Klubanzug keine Augen. Als hätte er persönlich zur Abwehrschlacht beigetragen, zog der BVB-Chef geschafft und zufrieden an den Journalisten vorbei zum Teambus. Dank des 2:1-Sieges, der Borussia Dortmund schon nah ans Achtelfinale der Champions League bringt, brauchte es keinen Spin mehr für die Presse, keine Message des Hans-Joachim-Dampf in allen medialen Gassen.

„Mit den großen Fischen schwimmen“

Oft genug aber weiß der meinungsstarke Watzke, Spitzname „Aki“, Themen zu platzieren. Fast wie Altkanzler Gerhard Schröder, Fußballername „Acker“, der einst „mit Bild, BamS und Glotze“ regierte. Früher ging es dem BVB-Chef um die „Strahlkraft“ seiner Borussia, um mehr Fernsehgeld für Traditionsvereine, den Schutz vor unkontrollierbaren Investoren über die so genannte 50+1-Regel oder allgemein gegen Plastikklubs. Heute heißen die Missionen: Angriff auf Europas Top Ten und Internationalisierung.

Der BVB soll zur absoluten Elite gehören, als Dauergast der K.-o.-Runde der Champions League, in der sich ab nächster Saison schon als Achtelfinalist 50 Millionen Euro plus verdienen lassen. Der 57-Jährige formulierte es im Interviewmarathon vor der Saison gewohnt griffig: „Wir wollen mit den großen Fischen schwimmen.“

Kuschelig an der Bayern-Seite

Elf Jahre führt Watzke nun die Westfalen und dabei sind sein Ego und Einfluss natürlich weiter gewachsen. Vom Edelfan zum Retter vor der Insolvenz, vom Macher des Meister-BVB zum anerkannten Liga-Strategen. Außerhalb des Schattens von Entertainer Jürgen Klopp hat er noch an Profil gewonnen. Mit Nebensätzen leitete Watzke schon vor Monaten die Götze-Rückkehr ein, zwischen den Zeilen bereitet er nun die schwarz-gelbe Gemeinde auf einen möglichen Abschied von Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang vor.

Lässig lässt er fallen, dass er mit Startrainer José Mourinho plauscht. Watzke ist schon vor dem BVB in der Beletage des Fußballs angekommen. Er traut sich zu, die Interessen der Bundesliga zu formulieren, nun ganz kuschelig an der Seite des Erzrivalen FC Bayern. „Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für den deutschen Fußball“, sagt Watzke staatstragend. Konkurrenz - das sind nun Manchester City oder der FC Barcelona.

Ökonomie vs. Romantik

Watzke sieht seinen Verein an einer Weggabelung. Wegen der Reform der Königsklasse, die Fußballeuropa endgültig in Arm und Reich spalten wird und den BVB auf die Seite der Habenden stellen soll. Und weil sich weltweit die Großsponsoren nur für die besten Teams interessieren und dabei banal die UEFA-Rangliste abarbeiten. Zur Top Ten muss ein Klub dazugehören, zumal ein börsennotierter, deren Chef auch den Aktionären verpflichtet ist. Wachstum ist der Schlüssel, der Umsatz soll bald die 400-Millionen-Euro-Marke knacken. Der Kurs des Wertpapiers hat aktuell den höchsten Stand seit 2002 erreicht. Rein ökonomisch betrachtet dürfte der BVB-Geschäftsführer also recht haben, seinen Weg im Politikerjargon „alternativlos“ zu nennen. Doch wie verkauft man das den Romantikern?

Vermutlich durch Gewöhnung. Mit dem umstrittenen Trainingslager in Dubai musste der schwarz-gelbe Anhang eine erste Kröte der Globalisierung schlucken. Der Schritt auf den Weltmarkt ist eingeleitet, was sich nicht nur durch das BVB-Büro in Singapur äußerst, die beiden Asienreisen oder durch die Tatsache, dass sich der Klub in Karl-Heinz Riedle einen „internationalen Markenbotschafter“ leistet. Schon in zwei Jahren geht es auch auf die andere Seite des Globus. Nach Amerika, dem Branchenführer aus München hinterher.

Watzkes nächste Aufgabe

Der streitbare Watzke vertritt den „Spagat zwischen Shanghai und Borsigplatz“ auch gegenüber den Hardcore-Fans, die ihm zunehmend kritische Plakate auf der Südtribüne des früheren Westfalenstadions widmen. Er verteidigt den Wechsel von Reizfigur Mario Götze, distanziert sich von der Fanfolklore gegen den „Brauseklub“ RB Leipzig oder wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe „im Internationalisierungswahn den Anstand verloren“. Da ging es um den unterkühlten Umgang mit Identifikationsfiguren wie Jakub Blaszczykowski oder Neven Subotic. Immer klare Kante, selbst im Verhältnis zur Basis. Auch hier ähnelt CDU-Mann Watzke dem SPD-Altkanzler Schröder.

Das beste Rezept gegen Kritik ist ohnehin der sportliche Erfolg, von daher ist gerade für Watzke wichtig, dass die Umbruch-Saison gelingt. Das Etappenziel Überwintern in der Königsklasse ist in Reichweite. Bleibt die Bundesliga, in der die erneute Qualifikation für die Champions League nun absolute Priorität hat. Und für den BVB-Chef die Aufgabe, den begehrten Trainer Thomas Tuchel zu überzeugen, sich schon bald über 2018 hinaus zum BVB zu bekennen - und damit auch zu Watzkes Vision von Wachstum und Weltmarkt.

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