Calmund und die Aufbauhilfe Ost

Der Ex-Bayer-Manager hilft Dresden auf die Sprünge

Fußballverrückt und "positiv bekloppt": Reiner Calmund vereint viele Attribute. Das Schwergewicht überzeugte als Manager von Bayer Leverkusen, als "Big Boss" oder als Jury-Mitglied einer Kochsendung. Aktuell berät er Dynamo Dresden - ehrenamtlich.

Reiner Calmund ist ein vielseitiger Mensch. Und immer am Puls der Zeit. Als vor 20 Jahren die Mauer fiel, war der damalige Manager von Bayer Leverkusen einer der ersten, der das große Potential, das die DDR-Oberliga an Spielermaterial zu bieten hatte, erkannte.

Calmund holt den ersten Ossi

Nach der Wende reagierte Calli sofort und verpflichtete den ersten Spieler aus der Oberliga. Für eine Ablösesumme von 2,5 Millionen D-Mark kam Andreas Thom vom vielfachen DDR-Meister BFC Dynamo in den Westen.

Bis 1995 spielte er für Leverkusen und bildete mit dem von Dynamo Dresden ebenfalls frühzeitig in die Bundesliga gewechselten Ulf Kirsten zusammen ein sehr erfolgreiches Sturm-Duo. Die Beiden erzielten zusammen in 161 Bundesligaspielen 37 Tore.

Titel "Vizekusen"


Calmund feierte seine größten Erfolge mit dem Werksklub. 1976 von Bayer engagiert, arbeitete der Mann mit den flotten Sprüchen fast drei Jahrzehnte für den Verein, den er zum modernen, erfolgreichen Fußballunternehmen formte. Spektakulären Spielerverpflichtungen folgten sportliche Erfolge. Neben dem UEFA-Cup-Gewinn 1988 und dem DFB-Pokal-Sieg 1993 etablierte sich Bayer unter Calmunds Führung ab 1996 in der nationalen und internationalen Spitze.

Doch es gab auch schlechte Zeiten. So verpasste Leverkusen viermal knapp die Deutsche Meisterschaft, so 2002, als der Werksklub auch das Champions-League-Finale verlor und sich damit den zweifelhaften Titel "Vizekusen" für immer sicherte. Auch die Kokain-Affäre um Christoph Daum traf Calmund hart. Wegen Querelen mit dem Finanzamt und dem Vorwurf, undurchsichtige Geschäfte getätigt zu haben, trat Calmund nach der Saison 2003/2004 als Geschäftsführer der Bayer 04 Fußball GmbH zurück.

Wirken im Hintergrund

Auf die große Fußball-Bühne zurückkehren möchte die rheinische Frohnatur nicht mehr. "Nein, das tue ich mir nicht wieder an. Ich bin froh, dass ich Fußball nun genießen kann", sagt Calmund. Doch ganz kann er nicht von seiner Leidenschaft lassen. So sitzt er beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf im Aufsichtsrat und bei Dynamo Dresden leistet er ehrenamtlich Aufbauhilfe. Als Berater bringt er seine langjährigen Erfahrungen ein, einen Posten brauche er dafür nicht: "Ich kann den Verein auf allen Ebenen beraten, wie ich das die ganze Zeit schon gemacht habe. Dazu brauche ich kein Mandat."

Über seine Motivation und das Engagement sowie die wilden Wende-Zeiten wird Reiner Calmund am Samstag im "aktuellen sportstudio" berichten.

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