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Reus reift zum echten Leader

Champions League: Dortmund - Atletico Madrid

Torjäger, Antreiber, Vorbild: Als BVB-Kapitän wirkt Marco Reus wertvoller denn je und trägt Dortmunds Hoffnung auf eine gute Saison auch in der Champions League. Nur eine Gefahr bleibt.

Marco Reus
Marco Reus
Quelle: dpa

Ein Meister des Umschaltspiels auf dem Rasen war er immer. Und nun lernt Marco Reus, auch vor der Kamera den Dreh zu finden zwischen Offensive und Defensive. Dem Lob für grandiose erste 45 Minuten bei Borussia Dortmunds 4:0 (3:0)-Sieg in Stuttgart schickte der neue BVB-Kapitän eine Mahnung an sein Team hinterher. „In der zweiten Halbzeit hatten wir weniger Zugriff und kein Mittel mehr gefunden.“ Die Botschaft: Nur nicht abheben nach dem zweitbesten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Die kniffligen Aufgaben kommen erst noch.

Dortmund vor der Reifeprüfung

Etwa in der Champions League, wenn Atletico Madrid im früheren Westfalenstadion zu Gast ist. „Das Spiel wird eine Reifeprüfung“, sagt Reus vor dem Duell mit dem defensivstarken Topteam aus Spaniens Hauptstadt. Er selbst schultert vermutlich die größten Erwartungen, denn obwohl die meisten Transfers des Bundesliga-Spitzenreiters voll eingeschlagen haben und Trainer Lucien Favre ein Glücksgriff zu sein scheint - zum aktuellen Höhenflug der Westfalen gehört eben vor allem die konstant starke Leistung von Marco Reus, der „ohne Frage seine stärkste Phase in Dortmund erlebt“, wie Sportdirektor Michael Zorc jüngst in der „WAZ“ sagte.

Im Gegensatz zu anderen Nationalspielern hat Reus den WM-Blues schnell überwunden: Schon sieben Tore und sieben Assists in allen Wettbewerben sind überragend. Beim Saisonauftakt gegen Leipzig feierte er den 100. Bundesliga-Treffer (36 davon einst in Gladbach). Beim Torfestival gegen Nürnberg bejubelte er sein 100. Pflichtspieltor für Schwarz-Gelb. Wie abhängig die Borussia von ihrer Nummer elf ist, war beim Königsklassen-Start in Brügge zu sehen: Dort zeigte „Woodyinho“ sein bislang wohl schlechtestes Saisonspiel und prompt stockte der BVB-Motor gehörig.

Der Taktgeber

Aber das Dortmunder Urgestein gibt seinem Klub viel mehr als „nur“ Tore, Vorlagen und Struktur im Spiel nach vorn. In seiner neuen Rolle hat er bereits persönliche Reifeprüfungen bestanden, wovon nach der holprigen Vorsaison der ganze Verein profitiert: So führt der Kapitän seine Elf seit Saisonbeginn vor Anpfiff jedes Heimspiels zur Südtribüne. Der Schulterschluss mit den Fans gelingt. Reus lobt sein Team, gibt wenn nötig aber auch den Mahner. Wie in Stuttgart, oder auch in Leverkusen, als er öffentlich das allzu lässige Aufwärmen als Indiz für die schwache erste Hälfte identifizierte. Als Klub-Stimme bietet er Kritikern die Stirn: Als die Diskussion um Mario Götze überhand zu nehmen drohte, verteidigte er seinen Kumpel gegen Fußball-Guru Lothar Matthäus.

Den zahlreichen Talenten dient der 29-Jährige als Vorbild. Youngster wie Jadon Sancho profitieren von seinem Zuspielen und Ideen, bekommen wertvolle Tipps und können sich viel beim Routinier abschauen. Sogar privat scheint Reus geläutert. Einst machte seine Führerschein-Affäre Schlagzeilen, nun erobert er den Boulevard höchstens mit der Nachricht, dass er als künftiger Vater auch familiär Verantwortung übernimmt. Selbst das zuletzt gestörte BVB-Binnenklima pflegt Reus. Im ersten Heimspiel der Königsklasse gegen Monaco schenkte der Elferspezialist dem Neuzugang Paco Alcacer einen Strafstoß - da war noch nicht klar, dass der Neue keinerlei Streicheleinheiten benötigt. Der Spanier revanchierte sich jüngst im „kicker“: „Marco habe ich es zu verdanken, dass ich mich so schnell eingewöhnt habe. Er ist ein Spieler auf Weltklasse- Niveau.“

Toi, toi, toi - verletzungsfrei

Dabei: So logisch die Kapitäns-Auswahl durch Mentor Favre war, der Reus schon in Gladbach protegierte, so groß waren die Zweifel, ob er der anspruchsvollen Aufgabe wirklich gerecht werden könnte. Denn bislang war Reus weder als Lautsprecher, noch als Leader groß aufgefallen. Doch fehlendes rhetorisches Geschick lässt sich im Fußball ausgleichen. „Marco hält keine Predigten in der Kabine, er geht auf dem Platz voran“, lobt Sportdirektor Zorc das Herzstück der Dortmunder Offensive. Und: „Marco fühlt sich in der Rolle wohl, sie hat ihn noch mal beflügelt.“

Reus profitiert davon, dass er endlich mal länger verletzungsfrei ist. Noch in der Vorsaison verpasste er satte 33 Pflichtspiele, bislang aber stand er bei allen elf Partien in der Startelf und absolvierte 982 von 1020 Spielminuten. In Dortmund haben sie wohl erleichtert registriert, dass Reus zuletzt auf seinen Körper hörte und nach leichten Knieproblemen den Länderspiel-Doppler ausfallen ließ, obwohl die Nationalelf dringend einen Özil-Nachfolger braucht. Denn die nächsten Wochen mit knackigen sechs Spielen in 18 Tagen werden hart, ehe sich die nächste Chance für die dringend nötige Schaffenspause des verletzungsanfälligen, früheren BVB-Dauersorgenkinds ergibt: Gegen Atletico geht es schon ums Achtelfinale der Königsklasse. Gegen Union Berlin will der BVB in die dritte Pokalrunde stürmen. Und Anfang November steigt der Liga-Kracher gegen den FC Bayern. Der dürfte Aufschluss darüber geben, wie weit Reus mit seiner Borussia wirklich ist.

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