Christian Reif - mit einem Riesensatz zum Titel

Der Weitsprung-Europameister zu Gast bei Wolf-Dieter Poschmann

Er beschreibt sich selbst als "verrückt und ehrgeizig" - und was Christian Reif im Weitsprungfinale der EM in Barcelona gezeigt hat, war in der Tat verrückt und zeugte von seinem Siegeswillen. Am Samstag ist der Überflieger zu Gast im "sportstudio".


Wie verrückt sprang Christian Reif am vergangenen Sonntag nach seinem bislang weitesten Satz durch das Leichtathletik-Stadion in Barcelona. Als Zehnter war er in seinen dritten und entscheidenden Finalsprung gegangen, das frühe Aus drohte. Doch dann setzte der Speyrer den Sprung seines Lebens und flog auf 8,47 Meter. Weltjahresbestleistung. Zwanzig Zentimeter weiter als seine bisher beste Freiluft-Marke. Konkurrenz und Kommentatoren guckten ungläubig. Was für eine verrückte Aktion, nachdem Reif bereits in der Qualifikation vor dem Aus gestanden hatte. Nur einer behielt einen klaren Kopf: Christian Reif selbst.

"Ich war mir absolut sicher, dass ich im dritten Versuch sehr weit springen würde", gab der neue Weitsprung-Europameister zu Protokoll. Der 25-Jährige hatte nämlich eine Erklärung für seine Leistungsexplosion just im alles entscheidenen Moment: "Ich musste mit Psychologen arbeiten und habe die Selbstsicherheit jetzt verinnerlicht. " Reif ist nicht der erste Athlet, den erst das mentale Training nach ganz oben brachte.

"8,71 Meter? Eher nicht"

Fast wäre er beim Deutschen Freiluft-Rekord gelandet, den Lutz Dombrowski 1980 beim Olympiasieg in Moskau mit 8,54 Metern aufgestellt hatte. "Den hole ich mir nächstes Jahr", kündigte Reif an, der sich in Barcelona 8,45 Meter zugetraut hatte. "Unglaublich, dieser Mann und diese Nervenstärke", zeigte sich auch Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), begeistert. Eine noch größere Weite als die 8,71 Meter des verletzt fehlenden Sebastian Bayer beim Hallen-Europarekord 2009 in Turin traut sich Reif hingegen nicht zu. "Eher nicht", sagte der Student der Sportwissenschaften, Gesundheits- und Fitnessmanagement.

Vor der Jahres-Weltbestmarke von 8,47 Metern, der einzigen, die es in 43 Einzeldisziplinen der EM 2010 gab, hatte der WM-Neunte von 2007 im Finale rechtzeitig wieder in die Spur gefunden. "In der Qualifikation hatte ich ehrlich gesagt vor dem dritten Sprung das Aus befürchtet", sagte Reif.

Nach dem Sieg erstmal Party

Der Rest ist eine schöne Leichathletik-Geschichte, über die sich auch Reifs Freund und Kollege, der Weitsprung-Weltmeister Dwight Philipps, freuen kann. "Dwight hatte mir vor der EM über Facebook geschrieben, dass ich 8,50 Meter springen und Europameister werden soll. Wir sind Freunde, und ich glaube, er freut sich für mich, auch wenn ich seine Jahres-Weltbestmarke um einen Zentimeter verbessert habe", so Reif, der nach seinem Triumph erst einmal Party machte. Bis zu seinem Auftritt im "aktuellen sportstudio" ist der Europameister dann hoffentlich wieder fit.

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