Das Abstiegsgespenst zu Halloween

Magath und die Knappen stehen mit dem Rücken zur Wand

Mit der Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen erreicht die Schalker Talfahrt eine neue Dimension. Zum ersten Mal unter der Regentschaft von Felix Magath, dem König der Königsblauen, begehrt das Fan-Volk aus sportlichen Gründen auf.

Unüberhörbare Unmutsbekundungen dokumentieren erste, feine Risse im Verhältnis zwischen Klub und Kurve. Schalke 04 hat sich "etabliert" im dunklen Bundesligakeller.

Warnende Zahlen


Im DFB-Pokal haben die Knappen glanzlos - mit zwei knappen Siegen gegen unterklassige Gegner - das Achtelfinale erreicht. In der Königsklasse liegt Gelsenkirchen nach zwei Heimsiegen im Soll mit Blick auf ein finanziell ebenso lukratives wie lebensnotwendiges Weiterkommen. In der Bundesliga aber schreibt Schalke 04 sportlich rote Zahlen: nach zehn Spielen nur sechs Punkte, gerade mal ein (Auswärts-)Sieg, in fünf Heimspielen kein Erfolg, schon 17 Gegentore (mehr als in der kompletten Hinrunde des Vorjahres).


Zahlen lügen nicht: Der Vizemeister 2010 ist aktuell Vorletzter. Nur zum Vergleich: Die Absteiger 2010, Hertha BSC Berlin und VfL Bochum, kamen nach zehn Spieltagen auf vier bzw. acht Punkte. Das sollte Warnung genug sein.

Baustellen im Abstiegskampf

Die sechste Pleite im zehnten Ligaspiel, das 0:1 gegen Leverkusen, offenbarte die sportlichen Großbaustellen. Neben zweieinhalbfachem Aluminium-Pech im Abschluss zeigte sich, dass die Schalker Belegschaft die Liga-Misere spielerisch zu lösen versucht. Das allein aber taugt nicht im Souterrain der Bundesliga.

Fraglich aber, ob international Ambitionierte wie Farfan, Rakitic, Jurado, Raul oder Huntelaar sich mit anderen im Abstiegsstrudel gefragten Tugenden tatsächlich anfreunden können. Immerhin, einer wie Christoph Metzelder hat die prekäre Situation auch öffentlich eingestanden. Ein Schritt zur Besserung. Von dem der Trainer - zumindest in der externen Kommunikation - noch weit entfernt ist.

Magaths Personalpolitik ist ein Rätsel

Und auch Felix Magath macht sich angreifbar: Seine Maßnahme, Offensivkraft Ivan Rakitic gegen Leverkusen als defensive Aushilfe einzuteilen, war mitentscheidend für die Niederlage. Natürlich hatte sich der eingesetzte Lukas Schmitz verletzt, aber warum gab es auf der Bank keinerlei Alternative? Die außen verteidigenden Neuzugänge Sarpei oder Escudero (übrigens bisher ohne eine Spielsekunde in der Liga) standen nicht im Kader.


Die Personalpolitik bleibt auch in der Breite ein königsblaues Rätsel: Sarpei, Escudero, Plestan, Jendrisek sowie Deac oder im letzten Winter z.B. Kluge und Baumjohann - sie alle spielen keine (Haupt-)Rolle.

Erfolge müssen her

Trotz der Bundesliga-Misere hat Schalke 04 keinerlei Wahl: Eine Ablösung des sportlichen Alleinherrschers wäre weder finanziell ratsam noch sportlich sinnvoll. Nach dem schlechtesten Start in der Bundesliga-Geschichte müssen Mannschaft und Magath schleunigst die Auf-, aber vor allem Einstellung ändern. Ergebnis- statt Erlebnisfußball.

Das sollte doch für einen wie Felix Magath kein Problem sein, schließlich hat er seine Meistertrainer-Karriere einst als Feuerwehrmann für brenzlige Momente auf den Trainerbänken dieser Liga begonnen. Es wartet eine (vor-)entscheidende Woche: das Auswärtsspiel in der Champions League in Tel Aviv und das Bundesliga-Heimspiel am Freitag gegen St. Pauli. Zeit, dass sich was dreht.

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