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Mega-Kulisse für Frauenfußball

Länderspiel | England - Deutschland

Der Frauenfußball ist in England mächtig im Kommen. Nun lockt das Freundschaftsspiel gegen Deutschland (Samstag 18.30 Uhr) im Wembley-Stadion 90.000 Menschen an.

Wembley-Stadion in London
Wembley-Stadion in London
Quelle: imago

Hochrangiger könnte die Delegation vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kaum sein, die am Wochenende nach London reist. Der neue Präsident Fritz Keller und sein Stellvertreter Rainer Koch, dazu Joti Chatzialexiou, der sportliche Leiter Nationalmannschaften oder Tobias Haupt, Leiter der DFB-Akademie gehören zu denjenigen, die nicht nur das Freundschaftsspiel der Frauen-Nationalmannschaften von England und Deutschland (Samstag 18.30 Uhr) im ausverkauften Wembley-Stadion besuchen. Sondern die deutschen Funktionäre wollen von den Kollegen beim englischen Verband FA auch erfahren, wie die Inszenierung eines solch einmaligen Events gelingt.

Große Kulisse als Geschenk

Bereits Mitte Oktober verkündete die Football Association via Twitter. „Sold out!“ Alle 90.000 Tickets waren vergriffen. Damit wird am Zuschauer-Weltrekord im Frauenfußball gekratzt: jenen offiziell 90.185 Besucher, die sich beim WM-Finale 1999 zwischen USA und China in die Rose Bowl von Pasadena zwängten. Jugendliche brauchten nur ein Pfund, Erwachsene maximal 20 Pfund zahlen. „In England sind die Menschen generell fußballverrückt. Die Vermarktung dieser Highlights zieht der Verband richtig groß auf. Und dann noch im Wembley-Stadion, das ist sowieso etwas ganz Besonderes für die Engländer“, erklärte die seit 2017 für Manchester City spielende Pauline Bremer im Fachmagazin „Kicker“.

„Dass wir vor so einer Kulisse spielen dürfen, ist ein Geschenk“, sagt Bundestrainerin Voss-Tecklenburg. Die 51-Jährige ist überzeugt, dass der klangvolle Namen Deutschland immer noch eine Rolle spielt. „Wir tragen etwas dazu bei.“ Mehr aber auch nicht.

Medien und Sponsoren spielen Doppelpass

Das ausverkaufte Heiligtum des englischen Fußballs wertet Sue Campbell, die FA-Direktorin Frauenfußball als „Beleg für ein Jahr voller Fortschritte.“ Denn: „Wir haben das Jahr mit dem Erfolg beim SheBelieves Cup begonnen, hatten eine wundervolle Weltmeisterschaft, haben uns für die Olympischen Spiele qualifiziert: Da ist es nur angebracht, 2019 auf einem Höhepunkt zu beenden.“

Die vom ehemaligen Nationalverteidiger Phil Neville trainierten „Lionesses“ erfahren volle Rückendeckung, denn mit der Ausrichtung der Frauen-EM 2021 spielen Verband und Vereine, Medien und Sponsoren gekonnt Doppelpass. „Solch ein Turnier löst etwas aus“, glaubt Voss-Tecklenburg und erinnert an den Hype, der Deutschland vor der Frauen-WM 2011 durchzog. Tatsächlich wirkt der Boom ganz ähnlich: Die Bank Barclay investiert in die Women’s Super League (WSL) einen zweistelligen Millionenbetrag, die BBC vermeldete bei der Frauen-WM in Frankreich Einschaltquoten im zweistelligen Millionenbereich.

Gesellschaftspolitische Verankerung

DFB-Direktorin Heike Ullrich blickt fast neidvoll auf die Insel: „Das wünsche ich mir auch für Deutschland: Die Anerkennung und Wertschätzung, bei der kein Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball gemacht, sondern beides als attraktives und anspruchsvolles Angebot gesehen wird. Gerade bei der gesellschaftspolitischen Verankerung des Frauenfußballs sehe ich bei uns noch Potenzial, das machen die Engländer vorbildlich.“ Bemerkenswerte Töne in Brexit-Zeiten. Siegfried Dietrich, Vorsitzender des neuen DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen, sieht mit den 90.000 verkauften Tickets auf der Insel „eine Signalwirkung für ganz Europa“, wenn auch der Manager des Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt keinen Bedeutungsverlust der Frauen-Bundesliga erkennen mag.

Doch die Women’s Super League (WSL) bildet bereits die Benchmark, was die Zuschauerresonanz angeht. Zur Saisoneröffnung mit dem Derby zwischen Manchester City und United strömten 31.213 Besucher, die Chelsea Ladies trugen an der Stamford Bridge vor 24.546 Interessierten ihr erstes Heimspiel aus, Aufsteiger West Ham lockte zur Saisoneröffnung gegen Tottenham 24.790 Fans ins London Stadium. Das mögen temporäre Events sein, aber daraus sollen nachhaltige Effekte folgen.

Hohe TV-Präsenz

30 WSL-Spiele laufen diese Saison im Free-TV bei der BBC und BT Sport. Damit nicht genug, wie die deutsche Spielmacherin Dzsenifer Marozsan weiß: „England hat eine App entwickelt, in der sämtliche Spiele live und kostenfrei übertragen werden. Die deutsche Frauen-Bundesliga ist aus Frankreich nur sehr schwierig für mich zu verfolgen.“

Nur ein Beispiel für die Professionalität, mit der England auf der Überholspur unterwegs ist. „Einen unglaublichen Drive“ spürt etwa der international bestens vernetzte Berater Dietmar Ness, der immer häufiger Vertragsabschlüsse bei den potenten Lizenzvereinen auf der Insel tätigt. Es deutet sich an, dass der englische Markt nicht nur ein breiteres Publikum, sondern auch die besten Spielerinnen anzieht.

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