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Ein besonderes Wiedersehen

Bundesliga: HSV - Köln

Das Kellerduell zwischen dem Hamburger SV  und 1. FC Köln (Samstag 18.30 Uhr/Ausschnitte ab 23 Uhr im ZDF-Sportstudio) gilt für beide Klubs als wegweisend. Mit Heribert Bruchhagen und Armin Veh leiden in verantwortlicher Position zwei gute Bekannte.

Armin Veh und Heribert Bruchhagen
Alte Bekannte: Heribert Bruchhagen (li.) und Armin Veh (r.) Quelle: imago sportfoto

Es ist nicht einmal zwei Jahre her, da saß Heribert Bruchhagen noch im VIP-Bereich in der Frankfurter Arena, nahm einen hastigen Zug an der Zigarette. Wenige Meter vor ihm coachte Armin Veh das Bundesliga-Team der Eintracht. Zwischen 2011 und 2014 arbeiteten die beiden (überaus erfolgreich) und dann noch in der Saison 2015/2016 (weniger erfolgreich) zusammen. Im März 2016 erst Vehs Trainerzeit und dann drei Monate später auch Bruchhagens Amtszeit bei den Hessen endete.

Beide beschlossen - unabhängig voneinander - eine Art gemächlichen Übergang. Sie betätigten sich als Fernsehexperten, die das Bundesliga-Geschehen aus ihrer Sicht bewerteten. Erstens kommt es oft anders, zweitens als man denkt: Keine Redewendung beschreibt besser, dass Bruchhagen, 69, und Veh, 56, sich nun in einem Abstiegskrimi der besonderen Art in verantwortungsvoller Rolle wiedersehen.

Freundschaft auf oberer Ebene

Wenn sich Hamburg und Köln - als Tabellen-Vorletzter und Letzter - im Kellerduell gegenüber stehen, dann sitzen auf der Haupttribüne zwei Entscheidungsträger, die für die Öffentlichkeit aus dem gefühlten Ruhestand kamen: Bruchhagen im Dezember 2016 als Hamburger Vorstandschef und Veh ein Jahr später als Kölner Sportchef.

Zwischen beiden hat sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Freundschaft auf oberer Ebene entwickelt. „Unser Verhältnis ist völlig intakt. Mit Armin telefoniere ich wöchentlich“, erklärt Bruchhagen. Veh ergänzt: „Ich kann wirklich behaupten, dass Heribert mein Freund ist. Er ist ein ehrlicher Typ: So stelle ich mir einen Kumpel vor.“ Zwei Fußball-Romantiker vom alten Schlage, die nicht mit jeder Neuerung mitgehen wollen, weil sie lieber aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfen. Erst in der Länderspielpause im November vergangenen Jahres verbrachten sie ein paar Urlaubstage auf Mallorca zusammen.

Fußball als Lebensinhalt

„Armin hat alle Facetten des Geschäfts durchlebt“, sagt der HSV-Boss. Besonders schätzt er an seinem Gegenüber „die Normalität, den Humor und die Gabe der realistischen Einschätzung“. Brüder im Geiste sind die beiden aber trotzdem nicht: Bruchhaben ist ein Kopf- , Veh ganz klar ein Bauchmensch. Aber Fußball ist für beide fast schon mehr als nur eine Leidenschaft, sondern ein Lebensinhalt.

Dem einen wurde es in der ostwestfälischen Heimat in Harsewinkel zu langweilig, dem anderen reichten die Spaziergänge mit dem Hund in Augsburg nicht mehr aus. Als Bruchhagen beim Dino anheuerte, schrieb der 2010/2011 selbst als HSV-Trainer beschäftigte Veh in einer Kolumne: „Heribert kann nicht anders.“ Süchtig nach der Droge Fußball.

Hamburg kann mit einem Sieg wohl Werder überholen

Für Veh kommt die schlechte Lage beim HSV ein Stück weit unerwartet und die sei der Ausgeglichenheit der Liga geschuldet, die auch die Kölner hat abstürzen lassen. Interessant, dass die Rheinländer mit den Transfers von Torjäger Simon Terodde (VfB Stuttgart) und Spielmacher Vincent Koziello (OGC Nizza) Handlungsfähigkeit auf dem Transfermarkt bewiesen haben. Die Hanseaten tun sich diesen Winter schwer, Verstärkungen zu gewinnen. „Wir haben unseren Etat ausgeschöpft“, betont Bruchhagen. Das Leihgeschäft mit Unruhefaktor Walace zu Flamengo Rio de Janeiro hat sich zerschlagen, um Dominik Kaiser (RB Leipzig) buhlt der Klub noch.

Dabei drängt die Zeit: Gewinnen die Kölner, kommen sie bis auf drei Punkte an die Hamburger heran. Die wiederum bei einem Sieg gleich noch Werder Bremen (Sonntag beim FC Bayern) überholen. „Wir sind jetzt in einer Situation, mehr Punkte holen zu müssen als die, die
über uns stehen. Dazu gibt es keine Alternative“, verlangt Bruchhagen.

In Köln wird zweigleisig geplant

Veh muss keine Forderungen vorstellen: Bei seinem Einstieg stand der Geißbockklub mit anderthalb Beinen in der zweiten Liga. Die Planungen laufen seitdem zweigleisig. Aber es genügten zwei Heimsiege vor und nach der Winterpause, um Stadt, Verein und Umfeld wachzuküssen. 8000 Fans reisen mit an die Elbe, um ihren Effzeh zu unterstützen.

„Wenn da jemand denkt, wir würden jetzt in Hamburg Favorit sein, hat das mit Demut gar nichts zu tun“, warnte Veh nun in der „Hamburger Morgenpost“. Momentan würde er es noch als „kleines Wunder bezeichnen, wenn wir drinbleiben“. Doch sollte es den dritten Erfolg nacheinander in der Liga geben, wird Veh vermutlich die nächste Zeit schwer beschäftigt sein, die überschwappende Begeisterung in der Domstadt einzufangen. Nebenbei müsste er vermutlich auch ein tröstendes Wort für einen alten Freund übrig haben.

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