Süle: "Medaille kann mir keiner nehmen"

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Im sportstudio-Talk mit Katrin Müller-Hohenstein spricht Verteidiger Niklas Süle über die Silbermedaille in Rio, das Debüt in der Nationalelf und seine Zeit in der Jugendabteilung bei Hoffenheim.

Beitragslänge:
17 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.09.2017, 23:00

Zuerst gewann er olympisches Silber in Rio, dann rief Bundestrainer Joachim Löw an und der FC Chelsea wollte ihn verpflichten. Es ist viel passiert im Leben von Niklas Süle. Als Gast im aktuellen sportstudio spricht der Hoffenheimer über die Silbermedaille in Rio, das Debüt in der Nationalelf und seine Zeit in der Jugendabteilung der TSG.

Für Niklas Süle ging es innerhalb weniger Monate steil bergauf. So steil, dass es einem schwindelig werden konnte - dabei ist der Innenverteidiger der TSG Hoffenheim am liebsten daheim.

Strafraum-Ungeheuer Niklas Süle

Dass er praktisch den Beruf gewechselt hat, ist selbst bei ihm etwas in Vergessenheit geraten. In der F-Jugend gehörte Niklas Süle zu den Strafraum-Ungeheuern. Ungeheuerliche 100 Tore pro Saison. In der E-Jugend waren es immerhin noch 70. Als ihn die TSG Hoffenheim holte, er war damals 14 Jahre alt, verkaufte man ihn als "Stoßstürmer“.

Es spricht für ihn, dass er sich nicht zu schade war, in Hoffenheims Nachwuchsteam auszuhelfen, als die Innenverteidiger ausgingen. An die Folgen dachten weder er noch seine Ausbilder im Kraichgau. Süle wechselte die Sparte: Vom Stürmer zum Innenverteidiger. Es schadet schließlich nicht, wenn Innenverteidiger wissen wo das Tor des Gegners steht und was Stürmern durch den Kopf geht.

Berufswechsel als Glücksfall

Der Wechsel von vorne nach hinten war eine glückliche Fügung. Aus heutiger Sicht in jedem Fall. Mit 21 Jahren ist Süle ein Profi mit glänzenden Perspektiven und der Erfahrung von mittlerweile fast 80 Bundesligaspielen.

Wäre der gebürtige Frankfurter nicht ein solch gefestigter und positiver Charakter, er hätte vielleicht Probleme gehabt, alles einzuordnen. Plötzlich öffneten sich alle Türen. Im Sommer versuchten der FC Chelsea, der FC Liverpool und andere, den umgeschulten Abwehrspezialisten mit dicken Verträgen zu locken. Süle lehnte ab und blieb in Hoffenheim. Familie, Berater Karlheinz Förster und er waren sich einig, ein solcher Schritt kommt trotz aller Verlockungen zu früh.

Tanken mit Jogi

Viel wichtiger als ein neues Kapitel bei einem großen ausländischen Klub aufzuschlagen war ihm offenbar, was in Deutschland passierte. Die Geschichte vom berühmten Tankstellen-Anruf musste er dutzende Male erzählen. Sie geht so: Süle tankt und sein Handy klingelt. Die Nummer kennt er nicht und der Anrufer behauptet, Joachim Löw zu sein. Der reibungslose Tankvorgang ist extrem gefährdet, so überrascht ist der Debütant. Einige Tage später steht Süle im deutschen Trikot auf dem Rasen und macht sein erstes Länderspiel im A-Team.

Schon die Sache bei Olympia war verrückt genug. Süle und Co gewinnen nach der knappen Niederlage im Elfmeterschießen Silber im voll besetzten Maracanã-Stadion in Brasilien. Der vorläufige Höhepunkt, glaubte Süle. Bis er tankte und ihm vieles noch unwirklicher erschien. Vor drei Jahren sah die Welt des Niklas S. weniger rosig aus. Kreuzbandriss. Lange Pause. Zukunft ungewiss. "Ich habe mit 19 mein Comeback gegeben“, sagt er und lacht. Die Rückkehr war für ihn eine Qual. Die oft einsame Zeit aber hat ihn reifer gemacht. Eine Entwicklung Schritt für Schritt ist ihm wichtiger, als noch schneller Karriere zu machen. Zudem scheint der junge Mann, der von allen als bodenständig und offen beschrieben wird, zu wissen, was er an seinem Klub in Hoffenheim hat.

"Vergiss nie wo du her kommst“

Als ihm im Reha-Trainings im Kraichgau "die Decke auf den Kopf zu fallen“ drohte, quartierte er sich kurzerhand einige Tage im Golfhotel des Hoffenheimer Klubeigners Dietmar Hopp in der Provence ein und nahm den Kraftraum in Beschlag.

Was wie ein Klischee klingt, lebt er bewusst. Als er neulich aus Rio und den Länderspielen zurückkehrte, führte sein Weg nach Walldorf zu seinem ersten Klub. "Dass sie mich hier so empfangen, ist ein besonderes Gefühl“, sagte Süle. "Ich habe mich an das erinnert, was mir meine Eltern immer gesagt haben. Wenn der Erfolg kommt, darfst du nicht vergessen wo du her kommst.“

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