das aktuelle sportstudio vom 29. Oktober 2016

Tygart: "Brauchen eine starke weltweite Dopingbehörde"

Sport | das aktuelle sportstudio - das aktuelle sportstudio vom 29. Oktober 2016

Der Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur der USA Travis Tygart im aktuellen sportstudio im Gespräch mit Katrin Müller-Hohenstein.

Beitragslänge:
21 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.10.2017, 22:00

Der härteste Doping-Fahnder

Der Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur der USA hat den Kampf für einen sauberen Sport und saubere Athleten zu seiner Mission erklärt. Travis Tygarts bislang größter Erfolg war, die Doping-Praktiken des ehemaligen Radstars Lance Armstrong aufzudecken.

Die Welt kennt Travis Tygart als den Mann, der Lance Armstrong zu Fall brachte. 2013 wurde er in der „Time“-100-Liste geführt, in der das US-Nachrichtenmagazin „Time“ jährlich die 100 seiner Ansicht nach einflussreichsten Persönlichkeiten zusammenstellt. 2013 – das war das Jahr der endgültigen Kapitulation Armstrongs. Im Januar gab er im TV-Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey zu, was Travis Tygart in hartnäckiger Recherche, vor allem durch Gespräche mit ehemaligen Armstrong-Vertrauten, zweifelsfrei herausgefunden hatte: Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger war gedopt, bei jedem einzelnen seiner Triumphe in Frankreich.

Seither gilt Armstrong als der größte Betrüger im Sport. Und Tygart als der härteste Dopingfahnder. Der Chef der Anti-Doping-Agentur USADA , geboren 1972 in Jacksonville/Florida, sieht die Sache mit Armstrong allerdings ein bisschen anders. Nicht er, Tygart, habe Armstrong zu Fall gebracht, sagt er: „Armstrong hat Armstrong zu Fall gebracht. Mit den Entscheidungen, die er getroffen hat, die Regeln zu verletzen und zu betrügen. Wir haben lediglich den Job gemacht, den wir im Sinne der sauberen Athleten zu machen haben.“

Vom Highschool-Trainer zum Jurist

Tygart ist studierter Philosoph und Jurist, zudem ehemaliger Highschool-Trainer im Basketball und Baseball. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Colorado Springs/Colorado. Seit 2002 arbeitet er für die USADA, seit 2007 ist er Generaldirektor der nationalen Anti-Doping-Agentur. Nachdem die staatlichen Ermittlungen gegen den ehemaligen Radprofi Lance Armstrong eingestellt worden waren, sammelte Tygart vier Jahre lang akribisch weiter Informationen. Im Juni 2012 legte er einen umfassenden Bericht zu den Doping-Praktiken Armstrongs vor. Daraufhin erkannte der Radsport-Weltverband UCI Armstrong im Oktober all seine seit dem 1. August 1998 gewonnenen Titel ab.

„Ein Sieg wird in unserer Gesellschaft sehr hoch eingeschätzt. Das hat die wahre Bedeutung des Sports überschattet“, sagt Tygart. „Diese Bedeutung ist zu gewinnen, aber eben auf die richtige Art.“ Die Mission der USADA, und damit seine eigene, sei deshalb: „Die Rechte der sauberen Athleten schützen, die Integrität des Sports schützen und sicherstellen, dass jeder junge Athlet heute die Hoffnung und die Chance hat, nicht nur sauber an Wettkämpfen teilnehmen, sondern auch sauber gewinnen zu können.“ Die hatte Armstrong nicht, so sieht es Armstrong jedenfalls. Er stellt Doping im Radsport bis heute als etwas dar, was zu seiner Zeit alle getan haben. Er habe es nur weiter getrieben als alle anderen.

Russland und Olympia – geht das noch?

In der Frage, ob russische Athleten wegen der mehr als deutlichen Hinweise auf flächendeckendes, staatlich gestütztes Doping in ihrer Heimat von Olympia in Rio ausgeschlossen werden sollten, hätte sich Travis Tygart eine andere Antwort vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dessen Präsidenten Thomas Bach gewünscht. Seine Haltung: „Doper werden zwei Jahre gesperrt oder vier. Warum soll es bei einem staatlich unterstützten Doping-Programm nicht ähnliche Strafen geben? Und: „Natürlich wollen wir eine universelle Beteiligung an den Olympischen Spielen, aber doch nicht auf Kosten der sauberen Sportler.“

Armstrongs Geschichte

Seit seinem Erfolg im Fall Armstrong ist Tygarts Fachwissen in Sachen Anti-Doping-Kampf gefragt. Er hat vor dem US-Kongress sowie vor verschiedenen Gremien der EU, des deutschen Parlaments und des französischen Senats gesprochen. Ein Gespräch mit Armstrong kam dagegen nie zustande, der ehemalige Radstar verweigert bis heute den Kontakt zu Tygart. Im März, bei einem Auftritt vor Studenten der Universität von Colorado, hat Armstrong seine Meinung über den Mann, der ihn entglorifiziert hat, erst wieder deutlich gemacht: USADA sei „wahrscheinlich eine der ineffektivsten und ineffizientesten Organisationen der Welt“. Das sei der Grund gewesen, „dass Travis und USADA etwas brauchten. Sie brauchten einen Fall, eine Geschichte. Ich war diese Geschichte, dieser Fall, es ist wie es ist. Sie brauchten etwas, um zu zeigen, dass sie effektiv sind. Das haben sie, es hat funktioniert.“

Nachrichten | heute-journal - Der Fall der Whistleblowerin Stepanowa

"Wenn uns etwas passiert, ist dies kein Unfall", so die Russin Julia Stepanowa. Sie hatte die Enthüllungen zum russischen Staatsdoping angestoßen und fürchtet jetzt um das Leben ihrer Familie.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet