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Auf der Suche nach der richtigen Balance

Eishockey-WM in der Slowakei

Kurz vor dem Start der Eishockey-WM ist die Mannschaft des neuen Bundestrainers Toni Söderholm offensiv stark - und hinten anfällig. Die DEB-Auswahl startet Samstag (16.15 Uhr) gegen Großbritannien ins Turnier.

Toni Söderholm

Moritz Müller tat das, was ein guter Kapitän tun muss: Er legte den Finger in die Wunde. "Wir haben sehr viel Talent in der Truppe, ganz tolle Individualspieler. Aber wir müssen begreifen, dass das Spiel ohne Scheibe genauso wichtig ist", sagte der Abwehrspieler der Kölner Haie nach der Niederlage im letzten Testspiel vor der Eishockey-WM, die ab heute in der Slowakei stattfindet. 2:5 verlor das deutsche Team gegen die USA, immerhin einen der Titelfavoriten - und offenbarte dabei noch einige Baustellen.

So hat der neue Bundestrainer Toni Söderholm vor dem Auftaktspiel gegen Großbritannien (Samstag, 16:15 Uhr) noch einiges zu tun. Klar ist: Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes startet mit gewaltiger Offensivpower in der Slowakei. Angeführt von Leon Draisaitl, Topspieler der Edmonton Oilers, und Dominik Kahun von den Chicago Blackhawks strotzt der Angriff vor Qualität. Doch defensiv ist das deutsche Team anfällig. "Wir müssen lernen, als Fünfer-Einheit auf dem Eis auch sehr verlässlich defensiv zu arbeiten", betonte Müller deshalb.

Mauern und Tore verhindern war einmal

Er weiß, wovon er redet - war doch eine starke Defensive ein Grundstein für den Gewinn der Olympischen Silbermedaille, den Müller mit Deutschland 2018 holte. Elf Helden von Pyeongchang stehen noch im Kader, dazu zehn neue Spieler im Vergleich zur Vorjahres-WM. Darunter viele Talente, die für den neuen Weg des deutschen Eishockeys stehen.

Mauern, Tore verhindern und Kontern, das war einmal. Die Draisaitls und Kahuns wollen und können das Spiel machen. Und Traumtore erzielen, wie im Testspiel gegen Österreich, als der gebürtige Kölner Draisaitl einen gelupften Pass aus der Luft ins Tor hämmerte. Doch es kommt eben auf die Balance an.

Keine Scheu vor unpopulären Entscheidungen

Bundestrainer Toni Söderholm ist der Nachfolger des zuletzt fast gottgleichen Marco Sturm. Der 41-Jährige, Finne und zuletzt Trainer des Oberligisten Riessersee, scheut keine strittigen Entscheidungen. So verzichtete er auf die beiden Final-Torhüter der Deutschen Eishockey Liga. Dennis Endras (Mannheim) und Danny aus den Birken (München), beide in Südkorea dabei, waren ob ihrer Nichtnominierung überrascht.

Dafür setzt Söderholm auf drei jüngere Keeper (siehe Kader). Insgeheim hofft man noch auf Philipp Grubauer, der zwei Tage vor Turnierbeginn mit Colorado aus den Play-offs in der NHL ausschied. Riskant.

Deutsche Gegner mit Star-Ensembles

Zumal es bei der Weltmeisterschaft für das deutsche Team ohnehin schwer wird. In der Gruppe A, die in Kosice ausgetragen wird, sind mit Kanada, den USA und Finnland gleich drei Titelkandidaten vertreten. Allein im US-Team spielen elf Erstrundenpicks des Auswahl-Drafts der NHL. Zum Vergleich: Draisaitl ist der bislang einzige deutsche Spieler, der jemals in Runde eins ausgewählt wurde. Vierter deutscher Gegner ist Gastgeber Slowakei.

Eine dieser Mannschaften gilt es hinter sich zu lassen, während Siege gegen Frankreich, Großbritannien und Dänemark Pflicht sind. Immerhin geht das deutsche Team in der Vorrunde den Russen aus dem Weg. Kaum eine Mannschaft ist so stark besetzt mit Superstars wie Alex Ovechkin oder NHL-Topscorer Nikita Kucherov. Dazu kommt in der Gruppe B mit Schweden der Titelverteidiger, der ebenfalls über 14 NHL-Spieler verfügen kann. Insgesamt ist das Turnier ein Auflauf der Top-Spieler, weil alle Spitzenteams in der NHL in dieser Saison früh ausschieden.

Da wird deutlich, in welcher Liga sich das Deutsche Team trotz aller jüngsten Erfolge befindet. Söderholm verfügt über exakt drei Akteure aus der NHL. Doch seine Mannschaft ist jung und talentiert - und kann durchaus auch erfolgreich sein in der Slowakei. Wenn sie das mit der vermaledeiten Defensive denn endlich in den Griff bekommt.

DEB-Team bei der Eishockey-WM

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