Dem Kaufrausch folgt der Kater

Schalke, Wolfsburg und Stuttgart legen Fehlstart hin

Schalke, Stuttgart und Wolfsburg - viel Geld investiert und nach 270 Minuten Bundesliga-Fußball null Punkte geholt. Tabellenkeller - eine verheerende Bilanz für den Vorjahreszweiten, den Rückrunden-Meister der letzen Saison und den Champion von 2009.

Es passt (noch) nicht

Ein Fehlstart dreier Topklubs, die von höchsten Ambitionen getrieben werden und die sich mit offener Geldbörse auf dem Transfermarkt herumgetummelt haben. Doch das zum Teil späte und bisweilen hastige Einkaufen von guten Spielern ist keine Garantie für eine gute Mannschaft.


Das "Kaufhaus des Westens" (Schalke), der "Gemischtwarenladen des Südens" (Stuttgart) und die "Nobel-Boutique des Nordens" (Wolfsburg) sind interessante Marktplätze für internationale Stars, die eine hohe Ablöse erforderlich machen und sich nach gut dotierten Verträgen sehnen. Doch es passt (noch) nicht zusammen, was zusammengekauft wurde.

Für Wolfsburg ist es der schlechteste Saisonstart aller Zeiten. Dabei hat Boss Dieter Hoeneß für geschätzte 39 Millionen Euro neues Personal - allein Diego kostete 15 Millionen Euro - in die Autostadt gelockt. Mehr hat kein anderer Bundesligist ausgegeben. Auch Stuttgart erwischte den miesesten Aufgalopp der Vereinsgeschichte. Dabei hatte der VfB auf den letzten Drücker noch Ex-Weltmeister Mauro Camoranesi von Juventus Turin geholt. Doch große Namen garantieren auch hier keinen Erfolg.

Magath behält (noch) kühlen Kopf

"Königsblau leuchtet nur noch königsgrau" melden aufgeregte Schalke-Reporter. Im Revier wird die Berichterstattung über die jüngste Fehlentwicklung auf einem so niedrigen Niveau geführt, dass man am Wochenende beinahe draufgetreten wäre. Dies zeigt: Schalke ist kein "normaler" Verein und über Schalke wird selten "normal", sondern meist in extremen Ausmaßen berichtet. In diesen leicht entflammbaren Zeiten ist Löschmeister Felix Magath gefordert, der wohltuend gelassen mit dem überhitzten Krisenreport umgeht.

Der allmächtige königsblaue Macher durfte über 30 Millionen Euro in den neuen Kader investieren - bislang ohne Erfolg. Durch die Vizemeisterschaft liegt die Messlatte sehr hoch, beliebte Leistungsträger wie Kevin Kuranyi wurden abgegeben und der offene Konflikt zwischen Trainer und Teilen der Fans ist längst noch nicht beigelegt.

Schalker Herzstück: verkauft

Eine gefährliche Gesamtgemengelage in Gelsenkirchen, wo sie "per Sie" mit dem Erfolg und "auf Du und Du" mit der Angst vor einer Krise sind. Der Klub befindet sich in einer fundamentalen Umbauphase. Die Belegschaft hat sich erheblich verändert. Klaas-Jan Huntelaar und Raúl sind gekommen und werden ihren Wert für die Offensive noch nachweisen. Erhebliche Probleme bereitet das neue Fachpersonal für die Abwehr. Das ehemalige Prunkstück (vergangen Saison die wenigsten Gegentore in der Liga) ist die größte Baustelle.

Es war falsch, das Trio Marcelo Bordon, Heiko Westermann und Rafinha abzugeben. Schalke hat zu viel Qualität verkauft! Beim Radikalumbruch einer Mannschaft ist es sinnvoll, das Herzstück eines Teams - und das war nun mal die Defensive - nicht auseinanderzureißen. Magaths Neuordnung hätte sich zunächst auf das Mittelfeld und den Angriff beschränken müssen. Alle Mannschaftsteile umzuwälzen war zu riskant. Doch Magath ist keiner, der nur mal eben entrümpelt, er ist einer, der das Haus entkernt und komplett saniert. Auf Schalke kommt er nach drei Transferperioden schon auf 27 Zu- und 21 Abgänge.

Trendpunkt Derby gegen BVB

Transferpolitik ist für Magath eben gleichbedeutend mit Personalroulette. Magaths heikle Mission birgt Gefahren - vor allem wenn Wunschverpflichtungen wie Christoph Metzelder sich als personifiziertes Defensiv-Dilemma erweisen. Für den Ex-Dortmunder und alle Schalker ist das Derby am Sonntag gegen den BVB die große Chance, eine Wende einzuleiten. Eine weitere Pleite jedenfalls könnte das System Magath erschüttern.

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