Der Beach-Boy und sein zweiter Frühling

Thomas Broich zu Gast im "aktuellen sportstudio"

Er galt in der Bundesliga als großes Talent. Doch bei seinen Klubs konnte Thomas Broich die Erwartungen nie erfüllen. Nach einer Saison auf der Bank des 1. FC Nürnberg wanderte er nach Australien aus - und zeigt bei Brisbane Roar sein ganzes Können.

"Es ist schon cool, wenn du nach dem Training zum Stadtrand gehst und in den Pazifik springst. Ich kann kaum verstehen, warum Leute freiwillig in der 2. oder 3. Liga in Deutschland spielen, wenn du auch hier arbeiten kannst", schwärmt Thomas Broich im Interview mit der "Bild" über die etwas andere Fußball-Welt in seiner neuen Heimat.

Leichte Entscheidung


Deutschland ist für den offensiven Mittelfeldspieler erst einmal abgehakt. Denn in seiner Heimat lief es für den gebürtigen Münchner nicht immer rund. Anfangs legte das Talent eine gute Entwicklung hin: Von den Junioren der SpVgg Unterhaching ging er im Jahre 2001 zum SV Wacker Burghausen. Drei Jahre später wurde Borussia Mönchengladbach auf Broich aufmerksam und verpflichtete den Jungen. Nach zwei Jahren wechselte Broich zum 1. FC Köln, wo er drei Jahre lang unter Vertrag stand und seine wohl beste Zeit im deutschen Profifußball erlebte. Darauf folgte die Station 1. FC Nürnberg - wie sich herausstellen sollte die Endstation für Broich in Deutschland.

So reifte der Entschluss auszuwandern. Er zog nach dem enttäuschenden Jahr in Nürnberg die Reißleine und packte 2010 die Koffer. Der ehemalige U21-Nationalspieler (87 Bundesliga-, 106 Zweitliga-Einsätze) unterschrieb in Australien einen Drei-Jahres-Vertrag bei Brisbane Roar. "Der Vater meines Mitspieler Dario Vidosic war und ist Co-Trainer in Brisbane. Ich war wiederholt unzufrieden in der Bundesliga. Da war es ein logischer Schritt." Ein Schritt, der sich gelohnt hat: "Ich bin total glücklich!"

Mozart mit Gitarre


Broich war schon immer etwas anders als die anderen, stand auf klassische Musik und trug den Spitznamen Mozart. In seiner Kölner Zeit saß er einst sogar auf den Stufen vor dem "Geißbockheim" und spielte Gitarre. Statt rund um die Uhr an Fußball zu denken, hatte der junge Mann viele andere Sachen im Kopf - und eckte an.

Mit ein wenig Abstand ist er mittlerweile selbst zu der Erkenntnis gekommen: "Ich habe mir sicher selbst oft im Weg gestanden. Dann habe ich mich quergestellt, wo es nicht nötig gewesen wäre", reflektiert Broich und zieht das kritische Fazit: "Jetzt ist es zu spät für Deutschland."

Mit feinem Fußball zum Erfolg

In Brisbane hat Broich die Lust am Fußball wiedergefunden: "Ich fühle mich auf dem Platz und auch außerhalb wohl und genieße, dass es so gut läuft", sagt er zum "kicker". Bei seinem neuen Klub wurde er sofort zum unumstrittenen Chef des Offensivspiels, über den alle Angriffsaktionen laufen. Broich spielt offensiv auf der linken Seite "mit vielen Freiheiten".


"Klar sind Taktik, Athletik und Spielschnelligkeit nicht auf dem Level der Bundesliga. Die Trainingsintensität aber ist identisch." Das Niveau der australischen sei vergleichbar mit "der unteren zweiten, oberen dritten Liga in Deutschland", so Broich. Das Leistungsgefälle innerhalb der Teams sei sehr groß: "Da gibt es auch ein paar unterdurchschnittliche Leute." Er gehört zu den Besten in einer Mannschaft, deren Trainer Ange Postecoglu auf einen eher technisch orientierten Fußball setzt.

Heimweh trübt die Freude leicht

Und das zahlt sich aus. Kürzlich feierte Broich mit seinem Team die Meisterschaft, ein toller Erfolg. Mit sechs Toren und einer Vorlage wusste der 30-Jährige zu überzeugen, als Führungsspieler riss er seine Teamkameraden förmlich mit. Besser geht es eigentlich nicht, Broich scheint seinem Traum zu leben.


Doch leider gibt es ein Problem: Die Heimat ist weit weg, es fällt schwer, den Kontakt nach Deutschland zu halten: "Es ist nicht so, dass ich hier irgendetwas vermisse. Aber mit Familie, Freundin und Kumpels in Verbindung zu bleiben, ist nicht so einfach. Wenn die in Deutschland Mittag essen, gehe ich fast schon ins Bett. Und du kannst nicht mal schnell nach Hause fliegen. Das ist eine Weltreise."


Zur Zeit weilt Broich mal wieder in der alten Heimat - und ist am Samstag zu Gast im "aktuellen sportstudio". Dort wird er, neben seinen neuen Erfahrungen, auch als Experte im Vorlauf auf das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen sein Wahl-Heimatland Australien eingehen.

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