Der Knoten ist geplatzt

Samuel Schwarz beendet neunjährige Weltcupflaute

Vom Erfolg verwöhnt sind die deutschen Eisschnelllauf-Männer nun wahrlich nicht. Der letzte Sieg bei einem Weltcup-Rennen lag lange zurück. Im November 2001 war's. Jetzt, mehr als neun Jahre später, hat Samuel Schwarz in Japan den Bann gebrochen.

Dem 27-Jährigen gelang das, womit er selber wohl kaum gerechnet hatte. Im letzten Weltcup-Rennen des Jahres im japanischen Obihiro blieb Schwarz über 1000 Meter als einziger Läufer unter der 1:10-Minuten-Marke (1:09,98). Damit verwies er den Olympiasieger und aktuellen Weltcup-Zweiten Shani Davis aus den USA auf Platz Zwei. Auch der Weltcupführende Lee Kyou-Hyuk aus Südkorea kam nicht an die Zeit des Berliners heran, wurde nur Vierter.

Der absolute Hammer


Nach dem Rennen erkannte Teamchef Helge Jasch respektvoll die Leistung seines Läufers an. "Da hat er wirklich gut getroffen. Schon vier Paare vor Schluss wusste ich: Das wird ein Podestplatz", sagte der Chef des deutschen Eisschnelllauf-Teams. Schwarz konnte seinen Erfolg kaum glauben: "Das ist unfassbar, einfach nur geil, das Krasseste überhaupt. Ganz nach oben und Shani Davis zu bezwingen - davon konnte ich nur träumen. Das war der absolute Hammer."

Dass Schwarz seine letzte Chance auf einen Sieg in diesem Jahr wahrgenommen hat, ist auch seiner Konzentration zu verdanken. Der Stabsunteroffizier der Bundeswehr lief sehr effektiv und technisch präzise. Jasch lobte sein Rennen dann auch als "technisch einwandfrei" und freute sich über "einen genialen Tag und tollen Abschluss des Jahres". Den Erfolg feierte das deutsche Team mit einer kleinen Sektparty bevor es mitten in der Nacht über Tokio Richtung Heimat ging.

Reformen? Reformen!


Warum der Knoten ausgerechnet jetzt geplatzt ist, konnte niemand so genau erklären. Nach den insgesamt schlechten Ergebnissen der deutschen Eisschnelllauf-Männer bei den olympischen Winterspielen in Vancouver - Schwarz wurde dort 16., 23. und 32. - hatte es einen Umbruch im Team gegeben. Mal wieder! Denn nach Winterspielen wurden in der Vergangenheit beinahe regelmäßig Reformen durchgeführt.

Samuel Schwarz bekannte, dass die neuen Strukturen schon zum Erfolg beigetragen hätten, die Verbesserungen aber nicht erst dieses Jahr gekommen seien. Der Sieg sei Konsequenz harter Arbeit über Jahre. Im Falle von Schwarz aber auch ein Resultat der Arbeit seines neuen Trainers Thomas Schubert. Schubert sei ein "sehr gute Methodiker" und arbeite gelassen und unaufgeregt mit den Athleten, so Schwarz.

Nach seiner Rückkehr aus Japan möchte der Berliner "erst mal zwei, drei Tage Luft holen". Für Schwarz geht es erst wieder am 22. Januar weiter, dann mit der Sprint-WM in Heerenveen. Welches Ziel er sich für den Wettkampf gesetzt hat "darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht", sagte er in Obihiro. Zumindest kann er mit breiter Brust in die Niederlande reisen - mit einem Weltcupsieg im Gepäck.

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