Der Retter aus der zweiten Reihe

Aufschwung statt Abstieg: Freiburgs Trainer Christian Streich

In der Winterpause war sich die Fachwelt einig: Erster Anwärter auf den Bundesliga-Abstieg ist der SC Freiburg. Doch es kam anders. Der neue Cheftrainer Christian Streich brachte Spielfreude und Hoffnung zurück - und den vorzeitigen Klassenerhalt.

Auf dem Platz, an der Seitenlinie, ist Christian Streich ein Irrwisch, ein Besessener, den den Fußball, den er liebt, bis zum letzten auslebt. Hochemotional, immer an der Grenze des vom Regelbuch Erlaubten. Doch kaum ist das Spiel vorbei, hat sich der 46-jährige Fußballlehrer des SC Freiburg wieder voll im Griff. Überlegte, ruhige Sätze formuliert er dann in die Mikrofone der Fußball-Reporter, ein ganz besonnener und ruhiger Typ. Fast nicht wiederzuerkennen.

Als Streich in der Winterpause das Cheftraineramt des zuvor beurlaubten, erfolglosen Dutt-Nachfolgers Marcus Sorg antrat, kannten den Mann nur wenige Fachleute. Und das wäre auch so geblieben, wenn es nach Streich gegangen wäre. Doch es kam anders.

Zusage mit einiger Skepsis

Die Vereinsverantwortlichen fragten den bisherigen Co-Trainer und sehr erfolgreichen Leiter ihres Nachwuchszentrums, ob er die akut abstiegsbedrohten Freiburger in der Rückrunde zum Klassenerhalt führen wolle. Doch Streich wollte nicht. "Selbstverständlich habe ich zunächst abgesagt. Doch ich hatte noch ein paar Minuten Zeit, mich zu entscheiden. Da habe ich mir gedacht: Schluss, ich mach es nicht", sagte Streich rückblickend in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

Doch ganz sicher war er sich nicht. Er begann zu überlegen. "Was denken die jetzt hier im Verein, wenn ich nein sage? Und dann habe ich gesagt: Okay, ich mach es. Aber zitternd natürlich." Eine gute Entscheidung, wie sich im Nachhinein heraustellen sollte. Denn unter Streich spielt Freiburg die zweitbeste Rückrunde seiner Bundesligageschichte und belegt in der Rückrundentabelle den hervorragenden fünften Platz.

Klare Philosophie bringt den Erfolg

Dieser Erfolgslauf hat seine Gründe, und die basieren auf der Spielphiliosophie des Trainers. "Für uns war klar, dass das Ziel Klassenerhalt ganz schwer zu erreichen sein wird. Wir haben es vor allem geschafft, weil wir übergeordnete Ziele statt der Tabelle in den Vordergrund gestellt haben: Dass wir Fußball spielen wollen, die Menschen im Stadion begeistern möchten und mit einer Perspektive arbeiten. Nur so haben wir erreicht, dass auch die Ergebnisse gestimmt haben", sagte Streich im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung".

Denn für den Coach steht das Kollektiv im Vordergrund. Deshalb hört er es auch gar nicht gern, als Heilsbringer oder Retter bezeichnet zu werden. "Wir haben im Trainerteam gearbeitet, alle zusammen. Wir fokussieren uns auf unsere Aufgabe, unterstützen uns und haben Freude aneinander und daran, miteinander zu spielen. Wir versuchen, all den Grunddingen des Spiels gerecht zu werden", umschreibt er das Geheimnis seines Erfolges.

Gradlinig und selbstbestimmt

Fest steht für den ehemaligen Spieler des FC Homburg aber auch, sich nicht verbiegen zu lassen im Haifischbecken Bundesliga, authentisch und seiner Linie treu zu bleiben: "Wenn es nicht mehr geht, dann lass ich es wieder sein. Die Gefahr ist natürlich, dass du vorm Spiegel stehst und denkst, alles ist in Ordnung, und dann kommen zwei, drei Freunde daher und sagen dir: nichts ist in Ordnung. Ich hoffe, dass ich dann so stark bin und sagen kann: Schnell raus hier, danke, tschüss."

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