Deutsche Transfer-Meisterschaft

Großeinkäufer Magath und Hoeneß im Rausch

Die eine, die deutsche Fußball-Meisterschaft ist für mich entschieden: Borussia Dortmund holt den Titel. Die andere, die deutsche Transfer-Meisterschaft, bleibt ein spannender Wettbewerb bis zum Saisonende.

Trotz der beendeten Winter-Transferperiode wird erst am 14. Mai feststehen, welcher Klub nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ die besten "Schnäppchen" ergattert hat. Hier tobt ein Zweikampf zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Schalke 04.

Gewinner und Verlierer


Der BVB konnte das Ruhrpott-Derby gegen den FC Neuer 04 nicht gewinnen und ist trotzdem der Sieger des 21. Spieltags: Der Vorsprung ist auf zwölf Zähler gewachsen. "Verfolger" Bayer Leverkusen fehlt seit jeher das Titel bringende Sieger-Gen. Anders als dem FC Bayern, der dann doch, wenn auch schüchtern, zuletzt noch auf Platz eins schielte.


Der Rekordmeister aber offenbart auswärts in akuter Regelmäßigkeit ungeahnte Abgründe - nach der Peinlichkeit in Köln weist München eine negative Auswärtsbilanz auf dem Niveau des Bundesliga-Schlusslichts Borussia Mönchengladbach auf. Das birgt Stoff für neue Turbulenzen beim "FC Hollywood". Pokalsiege gelten an der Isar als, sagen wir mal, Selbstverständlichkeit. Scheinbar taugt allein die Champions League dazu, Louis van Gaal einen erfolgreichen Ausstieg in München zu ermöglichen.

Transfers: Offenbarungseid

In der Transfer-Meisterschaft im Titelrennen, in der realen Bundesliga jedoch im Abstiegskampf: Wolfsburg und Schalke - zwei Großeinkäufer mit einem bzw. vier Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16.

Dass Edin Dzeko für viel Geld verkauft wurde, mag die wirtschaftliche Bilanz stimmig erscheinen lassen. Sechs Winterneuzugänge aber sind ein Offenbarungseid für die bisherige Arbeit vonTrainer Steve McClarenund Manager Dieter Hoeneß. Die Verpflichtung von Patrick Helmes macht durchaus Sinn. Anders als die Millionen-Überweisungen für Tuncay Sanli und Jan Polak - beide End-Zwanziger wurden auch noch ausgestattet mit mittelfristigen Verträgen.

Magath thront über allen

Die Betriebssportgemeinschaft Wolfsburg aber berührt nur wenige Fans, und das eher regional. Anders ist das beim Traditionsklub aus Gelsenkirchen. Hier begehren, mit Verlaub, Fußball-Romantiker auf und wenden sich mit einem Offenen Brief an den Aufsichtsrat und gegen den Trainer, Manager und Vorstandssprecher Felix Magath.

Das Kontrollgremium soll nun eben diesen Felix Magath, die sportliche Schalker Dreifaltigkeit, stoppen. Dafür aber ist es längst zu spät, hat sich doch die königsblaue Führungsriege um Clemens Tönnies schon 2009 dem potenziellen Meistermacher unterworfen.

Kein organischer Aufbau

Egal ob 20, 30 oder 40 Transfers - Magaths Kauf-Methodik war seit seiner Wolfsburger Tätigkeit kein Geheimnis. Die gewaltige Sehnsucht nach der Schale auf Schalke legitimiert das Transfer-Theater. Magath steht nicht für den behutsamen, organischen Aufbau einer Mannschaft - Magath steht für das unbedingte Streben nach Erfolg.


Natürlich ist die Bundesliga-Bilanz mies, natürlich hat Magath Spieler verpflichtet, deren Transfers sich schnell als sinnfrei herausstellten (Alexander Baumjohann, Hans Sarpei, Nicolas Plestan, Sergio Escudero oder Ciprian Deac). Aber Magath wusste, dass mit dem Kader, der 2010 die Vizemeisterschaft errang, in dieser Saison kein Fortschritt zu erzielen war.

Emotionslose Perspektive

Mit Raúl, Klaas-Jan Huntelaar und sogar mit Christoph Metzelder hat dieser Magath Schalke 04 ins Champions-League-Achtel- und Pokal-Halbfinale gebracht. Respekt! Jetzt stoßen vielen Anhängern die Last-Minute-Transfers von Angelos Charisteas und Ali Karimi auf. Das ist emotional nachvollziehbar.


Völlig emotionslos ist die Magathsche Perspektive: beide wurden ablösefrei verpflichtet und mit leistungsbezogenen Verträgen ausgestattet. Sollte also ein Charisteas oder ein Karimi mit einem Geistesblitz oder einem Joker-Kopfballtor für das Weiterkommen in der Königsklasse oder im DFB-Pokal sorgen, hat sich das kleine Transferrisiko allemal gelohnt.

Natürlich wäre es für jeden Fußball-Liebhaber die schönere Variante, wenn einer wie Julian Draxler, 17 Jahre, als Schalker Eigengewächs weiter für die entscheidenden Momente sorgt. Am Ende - das gilt für Felix Magath wie für jeden anderen - zählen nur das Ergebnis und der Erfolg, ob mit romantischer Fuß(ball)note oder nicht.

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