Die "Bayern-Jäger" jagen nicht mehr

Der Rekordmeister scheint ohne Konkurrenz zu sein

Die Verfolger machen schlapp - und das nach neun Mal 90 Minuten. Ein wenig erbauliches Zwischenzeugnis für die Bundesliga. Die Bayern sind zur Hälfte der Hinrunde praktisch Herbstmeister. Schenkt die Konkurrenz den inoffiziellen Titel schon jetzt ab?

Bastian Schweinsteiger
Bastian Schweinsteiger Quelle: dapd

Bedenklich ist auch, dass sich kein Verein zu einem Meisterrennen mit den Münchnern bekennt, keiner eine Kampfansage formuliert. Viel schlimmer noch ist das ängstliche Auftreten in den Spielen gegen die scheinbare bayrische Übermacht. Bis auf das Überraschungsteam aus Gladbach hat es keiner geschafft, den Münchnern die Stirn zu bieten. Stattdessen ziehen die Gegner, wie jüngst Hertha BSC, den Kopf ein - wie eine Schildkröte, der Gefahr droht. So bleiben die restlichen 17 Klubs der Liga in der freien Wildbahn Bundesliga nur zahme Naturfreunde ohne Jagdinstinkt.

Konkurrenz will oder kann nicht


Dortmund gefällt sich in der Rolle des (zu) bescheidenen Meisters und redet die Bayern öffentlich bei jeder Gelegenheit stark. Die Leverkusener, die vor der Saison noch großspurig das Ziel nationale Titelweihen in den Mund genommen haben, lassen mit Robin Dutt jegliches Meister-Format vermissen.


Ganz und gar derangiert wirken die ehemals großen Klubs Wolfsburg und Hamburg, die existentielle Krisen durchleben. Bremen ist nach langer Durststrecke noch auf der Suche nach der eigenen Identität, in einer Findungsphase befinden sich die Schalker, die sich in der Erfolgsspur wähnten, die aber den Sprung auf Platz zwei verpassten.

Ehrfurchtsvoll und eingeschüchtert

Hinter den Bayern, hatte Schalke-Coach Huub Stevens gesagt, "ist vieles möglich". Da wird niemand widersprechen. Und die jüngsten Ergebnisse nähren die These, dass nicht der Titelkampf, sondern das Ringen um die Vize-Meisterschaft der spannende Teil dieser Spielzeit werden könnte. Denn Platz eins ist laut Aussagen der Verantwortlichen aller Spitzenvereine an den Rekordmeister vergeben - eine mutlose, feige Haltung, die kein positives Zeichen an die Fans ist.

Die Liga geht (zu) ehrfurchtsvoll mit den nachweislich vielen Stärken der Bayern um. Und sie schaut zu verschüchtert auf deren zelebrierte fußballerische Hochkultur auf.

Rekorde und Ribéry

Zugegeben: Die scheinbar Unbesiegbaren sind spitze und Altmeister Jupp Heynckes (66) hat die unter van Gaal zum FC Bayern Sturzflug mutierten Münchner zu schwindelfreien Gipfelstürmern gemacht. Besonders beeindruckend am Tabellenführer ist die Anzahl der aufgestellten Bestmarken: Die meisten Treffer erzielt (25), mit Mario Gomez den besten Knipser in den eigenen Reihen (zehn Tore) und hinter der besten Abwehr der Liga (nur ein Gegentreffer) steht Nationalkeeper Manuel Neuer (in Pflichtspielen seit 1108 Minuten ohne Gegentor), der ebenfalls auf Rekordkurs ist.

Eine weitere Symbolfigur des Höhenflugs ist Franck Ribéry, dessen Fähigkeiten unter van Gaal eingefroren waren, unter Harmonie-Coach Heynckes aber wieder aufgetaut sind. Wie ein Eisklotz präsentieren sich dagegen die schwerfälligen Topklubs hinter den Bayern, die sich allesamt von der Bezeichnung "Titelkandidat" verabschiedet haben.

Die Nächsten, bitte!

Vorerst zumindest! Die "Bayern-Jäger" jagen nicht mehr. Das Überraschende an dieser Entwicklung ist, dass sie nicht wirklich überraschend kommt - denn einem schwachen Bayern-Jahr folgt oft eine Meistersaison. Und weil das alle wissen, wird sich keiner zu heimlichen Titelambitionen bekennen.


Beunruhigend für den Spannungsgehalt ist, dass die Bayern ihre Gegner national im Schonprogramm lässig beherrschen und international selbst Spitzenteams wie Manchester City durch den Schleudergang jagen. Nach jedem Sieg heißt es im Moment: Die Nächsten, bitte! Wer will da schon in dieser Woche Spieler der "nächsten Opfer" SSC Neapel und Hannover 96 sein?

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