Die Bundesliga dreht durch

Das endlose Trainer-Roulette hält die Liga in Atem

Als Letzten hat es nun Armin Veh erwischt. Skibbe? Littbarski? Noch im Amt. Magath? Wohl bis Mittwoch. Van Gaal? Bis zum Saisonende. Doch das hieß es auch bei Veh vor vier Tagen.

Während ich diese Zeilen schreibe, schaue ich immer wieder über die aktuelle Nachrichtenlage. Wenn man ein paar Minuten nicht hinsieht, kann es passieren, dass der nächste Trainer schon weg ist.

Setzen, sechs!

Alle Personalien haben unterschiedliche Gründe und Auslöser. Gemein ist ihnen nur eins: eine fehlende Unternehmenskultur. Eine Idee, wie ein mittelständischer Wirtschaftsbetrieb zu führen ist. Was ist meine Vereinsphilosophie? Was sind meine Ziele? Will ich atemlos meine Vorstellungen ad hoc umsetzen, oder sind meine Pläne so gut, dass sie auch die Zeit haben, zu reifen? Nichts von alledem.
In Hamburg wird eine Politik betrieben, die jede Firma schon in den Ruin getrieben hätte. Entlassung des Sportdirektors Beiersdorfer, ohne einen Nachfolger zu haben. Keine Vertragsverlängerung für den Vorstandsvorsitzenden Hoffmann, auch das ohne zu wissen wer ihm folgt. Nun haben sie mit Frank Arnesen einen Sportdirektor, aber keinen Coach und keinen Boss.

Und Arnesen hätten sie auch nicht gewollt, wenn Sammer gewollt hätte. Und eine Mannschaft, die offenbar nicht die geringste Lust verspürt, sich für diesen HSV einzusetzen. Bilanz: Setzen, sechs.

Gründe nicht immer nachvollziehbar

Auf Schalke holen sie einen Mann, von dem man weiß wie er arbeitet. Schalke hat immerhin eine Philosophie: Emotion statt Ratio. Und dann Magath in diesem Umfeld. War es Naivität, einem solchen Mann das herzbrodelnde Schalke zu übertragen? Einem kühlen, distanzierten Macher, der mit der königsblauen Herz-Schmerz-Welt gar nichts am Hut hat.

In der ersten Saison Platz zwei, jetzt unter den besten acht in Europa und im Pokalendspiel. So schlimm hört sich das gar nicht an. Es muss etwas anderes vorgefallen sein irgendwo in den Scharnieren des Trainers Magath und des Managers Magath. Soziale Inkompetenz, so der Vorwurf, kann es nicht alleine sein.

Scheidung mit Verzögerung

Idealbeispiel Borussia Dortmund

Van Gaals Ende begann mit der Präsidentenäußerung, man könne mit dem Trainer nicht reden. Dies in der Öffentlichkeit formuliert war der Auslöser für die Scheidung, die jetzt mit Verzögerung eintritt. Der FC Bayern wird regiert wie ein alter Familienbetrieb. Die dienstältesten Patriarchen haben immer das letzte Wort. Für einen Louis van Gaal eine unerträgliche Situation. Auch das war vorher, bei der Verpflichtung, bekannt.


Und so eine Liaison hat nur Bestand bei totalem Erfolg. Der steht zwar offenbar in der Vereinssatzung des FC Bayern, aber das wahre Leben läuft manchmal anders, als es die Tradition verlangt.


Erfolg haben, und das ist der Zeitgeist, nur die Teamplayer. Klubs, in denen Vorstand, Management, sportliche Leitung einheitliche Ziele verfolgen. Dort, wo Transparenz herrscht an den einzelnen Schnittstellen. Dortmund ist das Idealbeispiel. Und Mainz, Hannover, Freiburg etc. haben normalerweise im tabellarischen Umfeld des FC Bayern und des HSV gar nichts zu suchen. So war das bisher und so wird es nimmer sein.

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