Die große Hoffnung

Stefan Bradl hat das Zeug zum Motorrad-Weltmeister

Er ist die Sensation unter den deutschen Motorrad-Rennfahrern: Stefan Bradl könnte der erste deutsche Weltmeister seit Dirk Raudies 1993 werden. In der Moto2-Serie führt der 21-Jährige souverän die WM-Gesamtwertung an.

Beschaulich geht es zu in dem 500-Seelen-Örtchen Zahling in der schwäbischen Gemeinde Obergriesbach nordöstlich von Augsburg. Ein idyllischer Ort um seine Ruhe zu haben. Das ist es auch, was Stefan Bradl an Zahling schätzt. "Meine Heimat, die ist mein Leben. Die Ruhe und meine Familie", sagt er in einem Zeitungsinterview. Da kann man es kaum glauben, dass Bradl an Wochenenden auf dem Motorrad mit über 280 Sachen über den Asphalt der Rennstrecken dieser Welt fegt.

Motorradfahren im Blut


Der Sohn des ehemaligen Motorradrennfahrers Helmut Bradl, selbst Vizeweltmeister 1991 in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter, ist aber der neue Star der deutschen Motorradszene. Stefan Bradl führt in der WM in der Moto2-Serie - Motorräder bis 600 ccm - die Wertung nach etwa einem Drittel aller Rennen souverän an.


Dass es einmal soweit kommen würde, ist keine große Überraschung. Die Begeisterung für den Sport liegt in der Familie. Neben seinem Vater ist auch Bradls Onkel Max früher Motorradrennen gefahren. Helmut und Max Bradl besitzen heute einen Motorradladen in Zahling.

Aufstieg und Fall

Schon früh zeigt sich sein Talent: Mit 13 gelingt dem Youngster ein beachtlicher siebter Rang beim Red Bull Rookies Cup, einer Rennserie für die besten Nachwuchsfahrer der Welt. Ein Jahr darauf steigt Bradl in die IDM, die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft, auf. Seine WM-Premiere feiert er mit 15 in der 125-ccm-Klasse. Neben einigen WM-Rennen fährt die Nachwuchshoffnung in derselben Saison auch in der IDM mit - und holt dort den Titel. Bradl ist der jüngste IDM-Champion aller Zeiten.

2006 stagniert die Karriere von Bradl. Er fährt seine erste komplette WM-Saison, doch die Erfolge bleiben aus. Zudem erleidet er einen Unterschenkelbruch, als ihm ein Konkurrent in die Seite fährt. Der 16-Jährige hakt die Saison ab, muss aber noch mehr einstecken. Sein Sponsor KTM kündigt seinen Vertrag aufgrund der schlechten Resultate.

Rücktritte in Serie


In der darauffolgenden Saison bekommt Bradl einen Vertrag beim spanischen Repsol-Honda-Team. Doch bereits nach der Saison-Vorbereitung hat der Deutsche keine Lust mehr. Bradl gibt im Februar 2007 seinen Rücktritt vom Rennsport bekannt. "Ich kam mit dem neuen Team überhaupt nicht mehr zurecht. Es hat keinen Spaß mehr gemacht, und ich konnte unter diesen Umständen auch keine Leistung bringen", erklärt er seine Entscheidung.

Doch nur einen Monat später erfolgt die Kehrtwende: Der 17-Jährige erklärt seinen Rücktritt vom Rücktritt. Er startet in der spanischen 125-ccm-Meisterschaft und gewinnt diese auch. Gute Leistungen bei weiteren WM-Läufen wecken das Interesse an dem Schwaben. 2008 wechselt Bradl zum deutschen Kiefer-Racing-Team und startet in der 125-ccm-WM. Am Ende der Saison erreicht er einen guten vierten Rang. In der Saison 2009 reicht es in der gleichen Klasse nur für Platz zehn.

Neue Serie, neues Glück


2010 geht Bradl in der neu eingeführten Moto2-Serie für Motorräder bis 660 ccm an den Start. Mit einem Laufsieg und dem neunten Platz in der Gesamtwertung schließt er die erste Saison unspektakulär ab. 2011 kommt es dann zu einem sensationellen Leistungsschub.

Bradl wechselt das Motorrad, fährt jetzt eine maßgefertigte Maschine der Marke Kalex. Das Gefährt liegt dem 21-Jährigen. "Ich mag es einfach, wenn das Motorrad agil ist und man es einfach in die Kurven hämmern kann", schwärmt er. Die Kalex passt zu seinem aggressiven Fahrstil. Wobei aggressiv nicht gefährlich bedeutet. Riskant ist er früher oft gefahren, hat Fehler gemacht. So sagt Bradl zum Beispiel über die eher durchschnittliche Saison 2009: "Ich wollte einfach zu viel, und dann bin ich verkrampft und viel gestürzt."

Gereift und selbstbewusst

Jetzt, nach mittlerweile sieben Jahre als Profi, ist er ruhiger geworden, auch besonnener, und hat erkannt, dass ein Rennfahrer manchmal schneller ist, wenn er bremst. "Früher bin ich die Kurven rasant angefahren, habe extra spät gebremst. Am Kurvenausgang fing ich an zu rudern und verpasste so die Ideallinie. Also verlor ich viel Zeit, weil ich keinen Schwung aus der Kurve mitgenommen hatte", erklärt Bradl.


Das scheint zu wirken. Bradl hat in dieser Saison vier von sechs Rennen der Moto2-Serie gewonnen, führt die Gesamtwertung an. "Er kann die WM holen, er hat die Form, das richtige Team und die richtigen Mechaniker", verkündet Vater Helmut stolz. Auch Stefan Bradl glaubt daran und an seine Fähigkeiten: "Ich bin Führender der Gesamtwertung, also werde ich wohl auch der beste Fahrer sein" sagt er. Er fährt zwar besonnener, aber selbstbewusst ist er dennoch, als Deutschlands größte Motorradhoffnung.

Am Samstag, 25. Juni, ist Stefan Bradl von 23 Uhr an zu Gast im "aktuellen sportstudio" bei Moderator Michael Steinbrecher.

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