Die Rückkehr des Zampanos

Daum soll Eintracht Frankfurt wieder auf Kurs bringen

Christoph Daum ist gewiss kein Mann der leisen Töne. Auch keiner, der Öffentlichkeit und Medienrummel als unangenehme Begleiterscheinungen seines Berufsstandes empfindet.

So gesehen kam die Länderspielpause gerade recht, denn Daum füllte die Gazetten, sorgte für neuen Stammtisch-Gesprächsstoff, verursachte spontane Programmänderungen im Lokalfernsehen. Und das nahezu ununterbrochen in jenen elf Tagen seit seinem Amtsantritt in Frankfurt.

Zwischen Talent und Größenwahn

Gestern dann 17:29 Uhr, Volkswagen-Arena Wolfsburg: Christoph Daum stolziert erstmals in seine neue Coaching-Zone, selbstverständlich begleitet von unzähligen Foto- und Kameraobjektiven. Dass dabei sogar der lokale Heilsbringer Felix Magath ein wenig in den Schatten rückte, unterstreicht die besondere Bedeutung des Christoph Daum innerhalb der Bundesliga.


Da ist er also wieder, der Mann der einst Retter des marode gewordenen deutschen Fußballs werden sollte und der sich am Ende selbst kaum retten konnte. Ein Mann zwischen Talent und Größenwahn. Die Punkteteilung in Wolfsburg ist in jedem Fall schon mal ein Punktsieg von Daum gegenüber Magath.

Ein Zampano gegen Lethargie

Natürlich verbietet sich nach 90 Minuten ein endgültiges Urteil. Doch man darf getrost annehmen, dass Heribert Bruchhagen, der eher konservative, umsichtige Eintracht-Vorstandsvorsitzende, ganz genau wusste was er tat mit dieser spektakulären Verpflichtung. Bruchhagen analysierte den unerklärlichen Frankfurter Leistungsabfall als höchst bedrohlich, machte zudem eine geradezu gefährlich-lethargische Stimmung rund um die Mannschaft aus.

Ein sogenannter Zampano musste also her, der in jedem Fall für Bewegung sorgt. Das ist Christoph Daum bereits gelungen, seine Zeichen sind bei Mannschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen angekommen. Doch was Daum längerfristig für die Eintracht bedeutet, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Daum, der Trendsetter

Einst, in den späten 80ern galt der junge Daum als ganz neuer Trainertyp. Einer, der selbst keine große Fußballerkarriere vorzuweisen hat, ein studierter, innovativer, unerschrockener Typ, der beweisen wollte, dass er in der Szene auch ohne große Vergangenheit bestehen kann. In diesem Streben entwickelte Daum außergewöhnlichen Ehrgeiz, der ihm später häufig zum Nachteil gereichen sollte.

Frage nach der Qualität

Heute sind diese Typen gefragter denn je, siehe Klopp, Tuchel und Dutt. Sie gelten als sogenannte "Konzepttrainer". Das sind die, die eine bestimmte Vorstellung von attraktiven, erfolgreichen Fußball-Darbietungen haben und mit ihrem Wirken den jeweiligen Arbeitgeber maßgeblich mitprägen. Ralf Rangnik ist das über Jahre in Hoffenheim gelungen, ehe sein ehrgeiziges Anspruchsdenken ihn nach Gelsenkirchen zurückführte.
Christoph Daum ist älter, reifer, manche sagen sogar weiser geworden. Von seiner unsäglichen Kokain-Affaire soll hier gar nicht die Rede sein. Vielmehr stellt sich die Frage nach seiner Qualität als Trainer. Kann er seine Spieler immer noch so motivieren wie früher? Findet er schnell eine Idee, wie er die verunsicherte Eintracht zurück in die Spur bringt? Begegnet er Öffentlichkeit und Medien in einer Art, die Bruchhagen nicht brüskiert?

Spannende Fragen! In Köln bei seiner letzten Bundesligastation hatte Daum jedenfalls keine nachhaltigen Spuren hinterlassen!

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