Die Zeiten ändern sich

Die Bundesliga entwickelt neue Gewohnheiten

Diese Saison hat gezeigt, dass im deutschen Fußball einiges nicht mehr ganz so ist wie bisher. Teams, die man oben erwartet hatte, kämpften gegen den Abstieg. Klubs, denen man nicht soviel zugetraut hatte, überraschten die Liga mit ihrer Leistung.

Es ist Zeit, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Dass Bayern immer (oder meistens Meister wird), dass Mainz oder Hannover per Gesetz Abstiegskandidaten sind. Dass Klubs wie Schalke, der HSV oder Werder immer um die internationalen Startplätze kämpfen. Und dass bestimmte Trainertypen die klassischen Rollen erfüllen.

Erfolg der neuen Trainertypen

Jürgen Klopp galt für Uneingeweihte als reiner Motivator. Nun hat er Meisterliches abgeliefert, wie im Übrigen, gemessen an den damaligen Möglichkeiten, auch mit Mainz. Thomas Tuchel war vor nicht langer Zeit noch Jugendtrainer. Das Experiment mit ihm brachte die 05er in die Europa League - in Tuchels zweiter Saison. Mirko Slomka galt als der stille, analytische Baumeister ohne Erfolgscharisma, weil ein leiser Typ. Nun ist der Abstiegskandidat seit 19 Jahren erstmals international vertreten.

Fast alle haben sich, einige sogar mehrfach, in ihrer Trainerwahl vergriffen. Nur sechs Mann, die die Saison begonnen haben werden voraussichtlich auch in der kommenden Spielzeit auf der Bank sitzen.

Fehlgriff und Glücksgriff

Besonders der packende Abstiegskampf zwingt dazu, Klischees zu überdenken. Am deutlichsten wird das im Vergleich zwischen Frankfurt und Mönchengladbach. Da verpflichtet die Eintracht den Motivations-Guru Christoph Daum und steigt nach sieben sieglosen Spielen ab. Kurios: Der letzte Erfolg gelang unmittelbar vor der Entlassung von Daums Vorgänger Michael Skibbe. Die Eigenschaften, die man Christoph Daum zuschreibt, haben nicht gegriffen.

Lucien Favre
Lucien Favre Quelle: dpa


Im Gegensatz zum Frankfurter Coach, gilt Lucien Favre als besonders ruhiger, gelegentlich fast zaudernder Vertreter seines Fachs. Als Frontzeck gehen musste und der Schweizer verpflichtet wurde, schien klar: Gladbach hat mit der ersten Liga abgeschlossen, bereitet mit dem Langzeitarchitekten aus der Schweiz den Neuaufbau vor. Nun kann die Borussia die Klasse aus eigener Kraft durch die Relegation halten.

Harter Hund gegen Diva Diego

Nur Felix Magath ist dem Ruf, der ihm vorauseilt, irgendwie gerecht geworden. Bevor er Erfolgstrainer mit Titeln wurde, war er vor vielen Jahren der klassische Feuerwehrmann. Das Löschen von Brandherden hat er offenbar nicht verlernt.

Gespannt darf man sein, wie der "harte Hund" auf den Fall Diego reagiert. Der Brasilianer hat sich vor dem entscheidenden Saisonspiel von der Mannschaft entfernt, weil er nicht in der Startelf stand. Dieses Vorurteil ist wenigstens noch übrig geblieben: Diego ist eine unerträgliche Diva und gehört wegen Arbeitsverweigerung fristlos gefeuert.

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