Ein Star fast schon wider Willen

Olic ist Réthys Spieler der Saison

Samstag, Olympiastadion, Hertha gegen Bayern, der vorläufige Abschied der Berliner aus der Bundesliga. Als der Meister in Führung geht, wird sich manch einer der 75.000 Zuschauer an einen trüben Novemberabend vor elfeinhalb Jahren erinnert haben.

Ivica Olic hält die Meisterschale
Ivica Olic hält die Meisterschale Quelle: dpa

Im Spiel gegen Nürnberg am 1.11.1998 wechselt der damalige Hertha-Trainer Jürgen Röber in der 76. Minute den Stürmer Alphonse Tchami aus und bringt einen 19-jährigen Kroaten. Eine Woche später steht dieser junge Mann sogar in der Startelf in Bochum - für eine Halbzeit, muss dann Platz machen für Pal Dardai.

Karriere mit Anlaufschwierigkeiten

Nach zwei Bundesligaspielen endet zunächst die Karriere des Stürmers in Deutschland. Immerhin lernt er in Berlin seine spätere Frau kennen. Er geht zurück in die Heimat, wechselt zu dem im Weltfußball noch selten auffällig gewordenen Klub NK Marsonia.


Die Karriere des ewig Unterschätzten nimmt dann vier Jahre später, nach mehreren Stationen in Kroatien, allmählich ihren Lauf. UEFA-Cup-Sieg mit ZSKA Moskau, dann der Wechsel zum HSV. Auch in Hamburg gilt dieser inzwischen gereifte Angreifer, jetzt 28 Jahre alt, als fünftes Rad am Wagen: Ivica Olic.

Was wollt ihr mit dem?

Ich erinnere mich noch an die ersten Reaktionen: Was wollt ihr mit dem? Kurze Zeit später ist Olic der Publikumsliebling an der Alster. Favorit der Fans wird man nicht so leicht. Die Zuschauer spüren, wer sich mit seinem Job identifiziert, unterscheiden stark zwischen Legionären, die nur abräumen wollen, und denen der Verein egal ist.


Olic ist anders. Als er den HSV verlässt, spürt man, dass es ihm leid tut. Als er mit Bayern zum ersten Mal in die Arena zurückehrt, wird er nicht wie üblich als Verräter ausgepfiffen, sondern mit Jubel begrüßt.

Skeptiker widerlegt

Am Beispiel Olic sieht man, dass die Fans Fußballer mit Herz vermissen. Auch sein Wechsel nach München wird skeptisch begleitet. Warum geht einer freiwillig auf die Reservebank zu den Bayern? Gegen Klose, Gomez, damals Podolski, und Ribéry hat er doch keine Chance!

Und wieder hat Olic alle überzeugt. Er ist der Stürmer Nummer eins des Deutschen Meisters, des eventuellen Pokalsiegers, des möglichen Champions-League-Siegers.

Bescheidenheit und ehrliche Arbeit

Der Gegenentwurf des Abzockers, ein Mann, dem alle Allüren fremd sind, ein Star fast schon wider Willen. Ein Mann der einfach nur richtig gerne Fußball spielt und für sein Gehalt mehr als nur ehrliche Arbeit anbietet.


Er hat sich fast einen Spaß daraus gemacht, so lange nicht ernstgenommen worden zu sein. Hat dann schelmisch gelacht, die Ärmel hochgekrempelt, Mitspieler und Fans mitgerissen und sich dann wieder in seine Bescheidenheit zurückgezogen. Ivica Olic ist mein Spieler der Saison.

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