Ein Super-Robben und zwei Krisenklubs

Die Bundesliga bleibt spannend

Bremen und Hoffenheim in der Sinnkrise, ein anhaltendes Hoch in Leverkusen wie Schalke. Und dann sind da noch die Bayern, die sich freuen können wie die Schneekönige: Der 20. Spieltag ist Geschichte - und die Fußball-Bundesliga spannend wie nie.

Arjen Robben - FC Bayern München
Arjen Robben - FC Bayern München Quelle: reuters

Nur Gerümpel und Gerumpel

Für zwei ehemalige Spitzenteams heißt es: "Willkommen im Mittelmaß!" Werder Bremen und 1899 Hoffenheim bleiben auch nach dem dritten Spieltag im neuen Jahr unsichtbar. Unsichtbar in der Tabelle, kaum zu sehen auf dem Rasen.


Bei den einstigen Bewohnern der Belle Etage der Liga hängt der Haussegen schief und die Architektur ihrer Spielanlage mutet an wie eine Abstellkammer für Gerümpel. Es gibt den schönen Sinnspruch "Wenn schon, denn schon" - daran sollten sich Werder und 1899 möglichst bald erinnern. Die aktuellen Krisen der vor der Saison hoch gehandelten Klubs bieten tatsächlich nur noch diese eine Alternative: Entweder sie kriegen jetzt sofort die Kurve, oder aber sie können die Saison frühzeitig abhaken.

14 Spieltage vor Saisonende sind bereits so gut wie alle Ziele verfehlt. Bremen hat schon sieben, Hoffenheim sogar zehn Punkte Rückstand auf Platz fünf. Ein halbherziges und wenig hinterfragtes Weiterwurschteln der Profis wie es sich in den vergangenen Monaten zugetragen hat, ist für die Fans nicht weiter hinnehmbar.

Werder schwimmen die Felle davon

Vor allem das Team von Thomas Schaaf braucht einen internationalen Startplatz, um den teuren Kader finanzieren zu können. Im Herbst 2009 noch die Superserie mit 23 unbesiegten Spielen und jetzt der Absturz mit fünf Pleiten in Folge.


Das ist keine Ergebniskrise mehr. Da muss mehr dahinter stecken! Nur was? An mangelnder Klarheit in der Analyse kann es zumindest nicht liegen: "Das ist alles eine totale Katastrophe", meint Werder-Torwart Tim Wiese zur Notlage im Norden. Die ebenfalls notorisch erfolglosen (sieben Spiele ohne Sieg) Kollegen aus dem Kraichgau setzen bei der Bestandsaufnahme der Misere auch nicht auf blumige Sprache. Timo Hildebrand gelobt zumindest Besserung im physischen Bereich: "Wir müssen jetzt den Arsch hoch kriegen."

Bayern im Holland-Fieber

Die normative Kraft des gesprochenen Wortes verfehlt auch im Erfolgsfall nicht die Wirkung. Blendend ist die Stimmung bei den Bayern. Trainer Louis van Gaal, der von Woche zu Woche mehr Gefallen an der Darstellung seiner neuen Lockerheit verspürt, sagt der Konkurrenz den Kampf an: "Wir selbst sind für uns die größte Gefahr, nicht die Gegner!"

Vor allem die Holland-Fraktion der Bayern, im Herbst 2009 noch wortkarg, lustwandelt derzeit durch den branchenüblichen Wortschatz: "Wir können uns nur selbst schlagen", ergänzt Kapitän Mark van Bommel und meint, dass die Meisterschaft eine rein bayrische Angelegenheit sei. Die Münchner sind von sich selbst so überwältigt und überzeugt, dass sie mittlerweile am Spielfeldrand Purzelbäume schlagen (so wie van Gaal in Bremen) und selbst in langen Unterhosen (wie Arjen Robben) gewinnen. Spätestens wenn diese aus Leder sind und während des Spiels getragen werden, sollte die Konkurrenz aufhorchen.

Ribéry? Nein, Robben!

Dass diese "Liebestöter" ein modisches Unglück sind, wird von allen Beobachtern der "Bayern Fashion Weeks" nicht widersprochen. Doch viel wichtiger als die Arbeitskleidung ist die Arbeitsweise - und die belegt, dass Arjen Robben den FC Bayern auf ein Niveau gehoben hat, das in Deutschland neue Maßstäbe auf der Außenposition setzt.

Seit Monaten reden alle von Franck Ribéry. Aber Robben ist derjenige, der die Punkte eintreibt, die Tore auflegt und wie gegen Mainz selbst schießt. Die Bayern brauchen Ribéry vermutlich eh nur für die nächsten Runden in der Champions League. In der Liga könnten sie rechts vermutlich auch mit Christian Lell oder Andreas Görlitz Deutscher Meister werden.

Leverkusen hat die Chance

Wenn, ja wenn da nicht Bayerns Ex-Trainer Jupp Heynckes wäre. Herbstmeister Leverkusen hat wieder einmal eine Attacke der Bayern abgewehrt. Seit Rückrundenstart wechseln sich beide in der Rolle des Jägers und des Gejagten ab. Natürlich spürt Bayer den heißen Atem der Münchner im Nacken, doch wer nach 20 Spieltagen immer noch ungeschlagen ist und Rückschläge wie die Verletzung von Kapitän Simon Rolfes wegsteckt, dem ist in dieser Saison der Titel zuzutrauen.

Während sich Bayer und Bayern wieder einmal im Stile einer Spitzenmannschaft präsentiert haben, bevorzugt Schalke eher schlichten Ergebnisfussball. Der Meister der Effektivität ist von Zauberfußball soweit entfernt wie Kevin Kuranyi vom Comeback in der DFB-Elf. Aber der auf 13 Punkte gewachsene Vorsprung auf Platz sechs ist eine kleine Sensation und eine Vorentscheidung: Schalke wird in der kommenden Spielzeit international vertreten sein. Offen ist nur noch, in welchem Wettbewerb. Für Bremen und Hoffenheim wird an diesen Tagen vermutlich spielfrei sein.

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