Ein Zwilling kommt selten allein

Lars und Sven Bender zu Gast im "aktuellen sportstudio"

Als sie 2009 die "Löwen" in Richtung große Fußballbühne verließen, galten Lars und Sven Bender als hochtalentiert, aber sie waren nur Ergänzungsspieler. Doch dann haben sich die Zwillinge bei ihren neuen Klubs schnell zu Leistungsträgern entwickelt.

Nach ihrem Wechsel in die Bundesliga trennten sich die Wege der beiden eineiigen Zwillinge. Sven spielte fortan bei Borussia Dortmund, Lars verschlug es nach Leverkusen. Ohne groß Aufsehen zu erregen, aber höchst effektiv verrichteten die Jungprofis in den vergangenen Monaten ihre Arbeit in der defensiven Schaltzentrale und trugen so zum Erfolg ihrer neuen Vereine bei.

Auf den Spuren der Altintops


Neben Hamit und Halil Altintop sind sie derzeit das zweite Zwillingspärchen, das in der Bundesliga auf Punkte- und Torejagd geht. Und beide wollen den türkischen Brüdern mit Sicherheit etwas nachahmen: Hamit Altintop wurde in der vergangenen Saison Meister mit den Bayern, Halil belegte mit Schalke Platz zwei - allerdings wechselte er zuvor in der Winterpause zu Eintracht Frankfurt. Von einem Wechsel ist bei den Benders nicht auszugehen.

Trotz ihrer überragenden Anlagen brauchten sie Glück, so schnell in die Startformationen ihrer jeweiligen Klubs zu rutschen, wenngleich Lars seinen Stammplatz noch nicht sicher hat. Sven profitierte in Dortmund davon, dass der eigentlich gesetzte Kapitän Sebastian Kehl immer wieder von hartnäckigen Verletzungen heimgesucht wurde und wird.

Seinem Bruder erging es ähnlich. Im stark besetzten defensiven Mittelfeld der Werkself mussten die eigentlich als feste Größen angesehen Simon Rolfes und Michael Ballack wegen Verletzungen passen, Lars nutzte seine Chance.

Empfehlung für die Nationalmannschaft


Die Zwillinge stehen in der Gunst ihrer Trainer ganz weit oben. "Lars ist ein riesiges Talent mit einem super Charakter. Er gibt noch Gas, selbst wenn der Tank schon leer ist. Aus solchem Holz sind Nationalspieler geschnitzt", lobt Bayer-Cheftrainer Jupp Heynckes seinen 21 Jahre alten Schützling: "Lars macht mir riesigen Spaß."

Kollege Jürgen Klopp geht sogar noch einen Schritt weiter. Er meint, Sven sei ein Fall für Bundestrainer Joachim Löw: "Sven hat in dieser Saison richtig was draufgepackt. Unglaublich, wie er sich reinhängt", lobt der BVB-Coach in diversen Interviews. "In vielen Situationen ist es der 'Manni', der sich als allerletzte Instanz vor die Kette schmeißt." Mit "Manni" ist Sven gemeint, der diesen Spitznamen von Klopp wegen seiner Ähnlichkeit mit dem früheren, spindeldürren Bayern-Spieler Manfred Bender erhalten hatte.

Unterschiede nur minimal

Die Spielweise der beiden ist geradlinig, schnörkellos und effektiv. Die Zwillinge bestechen durch nimmermüde Präsenz und beharrliche Penetranz auf dem Feld - im Training wie im Spiel. Kein Weg ist ihnen zu weit, kein Zweikampf zu viel. Optisch nahezu identisch, im Geiste offenbar auch.

Auch die Brüder selbst können fast keine Unterschiede feststellen: "Eigentlich unterscheiden wir uns nur um Nuancen. Er ist vielleicht einen Tick defensiver", sagt Lars zur "Frankfurter Rundschau". Und Sven ergänzt: "Wir sind auf jeden Fall ähnliche Spielertypen. Ich finde, die Unterschiede sind minimal. Man sagt oft, dass er ein bisschen offensiver ist. Als wir noch bei 1860 zusammen gespielt haben, war es fast blindes Verständnis: Der eine hat genau gewusst, wann der andere weg ist."

Traum von gemeinsamer Doppel-Sechs


Bis Sommer 2009 gab es die beiden gebürtigen Rosenheimer nur im Paket. Nach gemeinsamer Zeit in der Jugend bei ihrem Heimatklub TSV Brannenburg und der SpVgg Unterhaching verbrachten sie die ersten Profijahre beim Zweitligisten 1860 München. Als sich die erste Chance zum Sprung in die Bundesliga bot, griffen beide kurzentschlossen zu.


Den einen verschlug es nach Dortmund, den anderen in das rund 80 Kilometer entfernte Leverkusen. Die Trennung fiel den lange Jahre Unzertrennlichen zwar schwer, diente aber der Karriere: "Es war eine wertvolle Erfahrung, auf eigenen Beinen stehen zu müssen", sagte Sven den "Ruhr Nachrichten".

Vereint in einem Verein?

Doch den Traum, sich noch einmal gemeinsam das gleiche Trikot überzustreifen, haben die Zwillinge, deren Verträge bis 2014 (Lars) und 2016 laufen, noch längst nicht aufgegeben. "Wenn die Verträge auslaufen, sind wir noch nicht steinalt, sondern 25 und 26. Ich würde mir wünschen, dass wir dann noch mal zusammenspielen", sagt Lars. Und wenn nicht im Verein, dann doch zumindest in der Nationalmannschaft.

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