Eine Meisterhymne und viele Klagelieder

Freud und Leid am vorletzten Spieltag

Die Bayern feiern die Meisterschaft und auf Schalke ist man zur Abwechslung mal glücklich über den Vize-Titel. Töne in Moll gibt es hingegen in Berlin und in Hamburg. Der vorletzte Spieltag hatte viel Licht und Schatten.

Bayern München
Bayern München Quelle: ap,ZDF

Der FC Bayern ist Deutscher Meister. Bei drei Punkten Vorsprung und das um 17 Treffer bessere Torverhältnis erübrigt sich jede Rechnerei. Es sei denn man neigt zu irrealen Spinnereien wie: "München verliert in Berlin mit einem Tor Unterschied und Kuranyi trifft 17 Mal gegen Mainz."


Doch da Robert Hoyzer bekanntlich keine Spiele mehr (ver-)pfeifen darf und davon auszugehen ist, dass die gastgebenden 05er auch beim für sie unwichtigen Saisonfinale nicht mit elf Mitarbeitern der Geschäftstelle antreten werden, ist dieses Beispiel blanker Unsinn.

Schalker Fans jubeln

Keinen Unsinn haben die Bayern im Sinn. Der erste von drei möglichen Titeln ist eingefahren. München hat die Schale und Schalke den Salat. Doch der schmeckt nach internationalen Zutaten. Die Königsklasse ist ein toller Erfolg und so feierten die Fans, als hätten sie gerade den Rivalen BVB in die 2. Liga geschossen.


Für Schalke wurde zuvor noch schnell eine neue Hymne komponiert. Schlager-Star Olaf Henning, der sonst Party-Hits am Ballermann trällert, hat seinen Ohrwurm "Komm hol das Lasso raus" in "Komm, holt die Schale raus" umgeschrieben. Vergebene Liebesmüh! Königsblau braucht den Meistersong frühestens 2011.

FCB der neue deutsche Lieblingsklub?

So hat jeder Klub sein eigenes Liedgut. In München dröhnte am Samstag der vereinseigene Hit im höchsten Dezibelbereich durch die Lautsprecher. In der Bayern-Hymne heißt es "Forever Number One". Ein Titel, der in diesem Jahr der Realität sehr nahe kommt.


Viel wichtiger als Musik in den Ohren ist die Melodie des Herzens. Wird Bayern etwa immer mehr zum Lieblingsklub der Deutschen? Der Verein hat bei den Sympathiewerten Boden gut gemacht und selbst eingefleischte Bayern-Gegner haben bei den Auftritten in der Königsklasse insgeheim mitgefiebert. Vollzieht sich da eine Metamorphose vom unnahbaren Weltclub zum sympathischen Volksverein? Zumindest im Innenleben ist eine Wandlung erkennbar. So bezeichnete Karl-Heinz Rummenigge den FC Bayern jüngst als "große Familie, die eng zusammengerückt ist."

Der neue Gute-Laune-Onkel

Das Familienoberhaupt weiß aber auch nur allzu gut, dass der Familienfrieden noch vor wenigen Monaten auf der Kippe stand. Doch Louis van Gaal, der zu Beginn seiner Amtszeit humorigen Auswüchsen gegenüber immun zu sein schien, mausert sich immer mehr zum kultigen Gute-Laune-Onkel. Auch er hat Außendarstellung und Mannschaftsführung leicht korrigiert. Zum Positiven!

Was in den Medien zurzeit kaum Berücksichtigung findet, ist ein gesundes Maß der Einordnung: Der FC Bayern ist etwas besser als die nationale Konkurrenz, aber längst noch nicht auf einem Spielniveau mit Barcelona, Madrid, Mailand. Was die Münchner auf ihrer Europatournee geleistet haben ist beeindruckend.

Tristesse in Berlin und Hamburg

Nächste Woche bekommen die Bayern in Berlin die Meisterschale überreicht. Ausgerechnet im Wohnzimmer des ersten Absteigers der Saison. Hertha BSC ist nun auch offiziell der 2. Liga beigetreten. Ein sportlicher Selbstzerstörungsprozess in 33 Akten. Und auch die Zukunft sieht düster aus: Kein Geld, Stars flüchten und die Trainerfrage ist auch noch nicht geklärt. Die Berliner Aussagen klingen in diesen Tagen so zuversichtlich wie die Worte eines griechischen Finanzministers.

Ein Abstieg ganz anderer Sorte hat der Hamburger SV hinter sich. Nirgendwo treten Neid, Intrigen und andere moralische Fragwürdigkeiten so unverstellt zutage wie beim HSV. Das Experiment Labbadia ist fehlgeschlagen. Egal wer sein Nachfolger wird, der Erfolg des kommenden Trainers ist auch die finale Chance für Klub-Boss Bernd Hoffmann. Dass von Lotto King Karl vor jedem Spiel gesungene "Hamburg, meine Perle" klingt längst wie ein Klagelied.

Auch in Berlin sind nur noch Töne in Moll zu hören. Hier stimmen die Fans traditionell den Hit von Frank Zander an, der auf die Melodie von Rod Stewarts "Sailing" eine Hertha-Hymne gezaubert hat: "Nur nach Hause gehen wir nicht!" In Anbetracht der eklatanten Heimschwäche und dem anstehenden Abschiedsspiel gegen Bayern, sollten sie den Text vielleicht umdichten. Vorschlag: "Auch zu Hause siegen wir nicht!"

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