Eine Trainerkarriere in Schieflage

Bruno Labbadia scheitert in Hamburg

Im Schatten des spannenden Titelrennens hat ein junger Trainer um den Fortbestand seines Bundesligaengagements gekämpft - erfolglos. Bereits seit Wochen produzierte Hamburgs Bruno Labbadia eigene Schlagzeilen.

Bruno Labbadia Quelle: dpa

Von Fürth nach Leverkusen

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" titelte am Sonntag recht mysteriös "Wer ist Bruno Labbadia?" Die Fakten sind schnell erzählt: Labbadia ist 44 Jahre alt, ehemals erfolgreicher Bundesliga-Profi, hoffnungsvoller Jungtrainer mit Achtungserfolgen in Hessenliga, Regionalliga und der 2. Bundesliga. Während seines Wirkens bei Greuther Fürth wurde Labbadia immer häufiger umworben von Vereinen aus der Bundesliga. Nicht etwa vom VfL Bochum, Hannover 96 oder dem1. FC Nürnberg, nein, bei Bruno Labbadia klopften die Großen der Branche an.
So kaufte Bayer Leverkusen das vermeintliche Trainertalent für eine halbe Million Euro aus seinem Fürther Vertrag heraus. Überschüttet mit Lobeshymnen der Vereinsverantwortlichen startete Labbadia im Sommer 2008 sein erstes Bundesliga-Engagement - fleißig, ehrgeizig, mit dem unbedingten Erfolgswillen.

Nach erfolgreicher Hinrunde bröckelte die Instanz Labbadia in Leverkusen nach der Winterpause zusehends. Der sportliche Misserfolg verlief parallel zu verbalen Missverständnissen. Der zunehmenden Skepsis ihm gegenüber begegnete Bruno Labbadia scheinbar sehr selbstbewusst mit einem ausführlichen Zeitungsinterview, in dem er höchst kritisch die Vorgänge innerhalb der Mannschaft offenbarte. Das Erscheinungsdatum - exakt am Tag des Pokalfinals 2009 - musste jeder im Verein als Provokation verstehen. Labbadia liebäugelte seinerzeit längst mit dem HSV.

Provokant gegen eigenen Verein

Dass sich ein junger Trainer wie Labbadia zudem von einem Medienfachmann beraten lässt, sorgte zusätzlich für Argwohn in der Branche. Ein Vorgang, der zumindest bei den Traditionalisten der Liga gar nicht gut ankommt. Im Nachgang entwickelten sich die Dinge zügig. Nach Labbadias Demission ließen vor allem die Führungsspieler wissen, dass der Umgang zwischen Trainer und Spielern problembeladen war. Oh ha!

In Hamburg geht nun eine zum Verwechseln ähnliche Aufführung zu Ende. Die Parallelen sind auffällig, großer Enthusiasmus zu Beginn, sportlicher Erfolg, erste Risse, Absturz! Mit entscheidenden Spielern hat sich der Trainer offenbar längst überworfen, die öffentlichen Andeutungen der Herren Frank Rost, David Jarolim und Mladen Petric sind jedenfalls kaum misszuverstehen.

1:5 brachte Fass zum Überlaufen

Die peinliche 1:5-Niederlage in Hoffenheim hat nun nachhaltig Spuren hinterlassen. Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende, rang am Sonntag noch tapfer nach Worten auf die Frage nach Labbadias Zukunft. "Man müsse erstmal miteinander reden", wiederholte er gebetsmühlenartig, der Schock stand ihm dabei noch ins Gesicht geschrieben. Am Montag nun folgte das Gespräch, aus dem Labbadia als Ex-HSV-Trainer hervorging.

Am Ende bleibt die Eingangsfrage: Wer ist eigentlich Bruno Labbadia?

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