"Eine Woche ohne Sport geht gar nicht"

Sven Voss freut sich, Hoeneß und Klopp auf den Zahn zu fühlen

Tour de France, Olympia, Fußball: Es gibt kaum eine Sportart, bei der sich Sven Voss nicht auskennt. Der sportbegeisterte Moderator ist ab der Bundesligasaison 2011/2012 das neue Gesicht im aktuellen sportstudio. Für ihn geht ein Traum in Erfüllung.


sport.zdf.de: In einem Interview hast Du vor einiger Zeit von Deinem Traum erzählt, irgendwann das aktuelle sportstudio moderieren zu wollen - warum dieser Wunsch?


Sven Voss: Ich behaupte einfach mal: das aktuelle sportstudio ist der Traum eines jeden Sportmoderators. Die Sendung gibt es schon, so lange ich denken kann. Ein Muss für jeden Sportfan! Am Samstagabend in dieser Arena im Studio Drei zu stehen, um einen irren Bundesliga-Spieltag aufzuarbeiten. Mit all seinen Toren und Dramen und Emotionen. Dazu einem Uli Hoeneß oder Jürgen Klopp im Studio auf den Zahn zu fühlen, ganz ehrlich, da will ich mittendrin sein. Und bald darf ich's.


sport.zdf.de: Olympia, Fußball, Tour de France - Dein Fachwissen hast Du schon bei mehreren Wettkämpfen bewiesen. Gibt es eigentlich eine Sportart, bei der Du Dich gar nicht auskennst?



Voss: Also, als ich zum Skispringen kam, wusste ich von dieser Sportart weniger als meine Tochter. Und die ist Drei! Mal im Ernst, ich musste erstmal Namen und Fakten pauken, bevor mir Jens Weissflog dann erklärt hat, worauf es dabei wirklich ankommt. Aber das ist das Tolle an diesem Job: man muss nicht von vornherein mehr wissen als der Sportler selber. Lieber mal doof nachgefragt, als gar nicht. Ich bin prinzipiell auch ein Fan davon, wenn die Frage des Moderators an den Experten kürzer ist, als die Antwort. Wegen des Moderators schaltet heute selten ein Zuschauer eine Sportsendung an. Das mag bei Günther Jauch und Dieter Kürten noch anders gewesen sein.


sport.zdf.de: Über welche Sportarten ist es wegen komplizierter Regeln besonders schwierig zu berichten?


Voss: Ich glaube, auch der komplizierteste Sport findet seine Zuschauer. Es geht immer um Sieg und Niederlage. Ein zugegeben sehr altes aber niemals langweiliges Prinzip. Wenn wir bei Olympia Curling übertragen, fiebern Millionen von Sportfans vor dem Bildschirm mit. Die kompletten Regeln verstehen wahrscheinlich aber nur die Curler selbst.


sport.zdf.de: Für welchen Sport und Verein schlägt denn eigentlich Dein Herz?


Voss: Ich war früher ganz gut im Basketball und hab das auch mal ernsthaft betrieben. Da bin ich natürlich Dirk Nowitzki-Fan und verfolge im Moment die Finals in der NBA. Ihm im sportstudio zum Titel zu gratulieren, das wäre ein Ding. Ansonsten hab ich natürlich auch einen Favoriten in der Bundesliga. Die Farben sind grün und weiß - aber da kommen ja mehrere in Frage.


sport.zdf.de: Reicht Dir der Sport auf der Mattscheibe oder bist Du selbst auch sportlich unterwegs?


Voss: Eine Woche ohne Sport geht gar nicht. Seit die Plätze draußen offen sind, spiele ich, so oft wie es geht, Tennis. Da kann ich prima abschalten. Wenn jetzt die Frauenfußball-WM losgeht und wir drei Wochen durch Deutschland von Spiel zu Spiel reisen, kommen die Tennisschläger mit!


sport.zdf.de: Können wir uns beim aktuellen sportstudio auf eine spezielle Sven Voss- Moderation freuen oder hast Du Dir von Deinen sportstudio-Vorgängern auch etwas abgeschaut?


Voss: Ich hab mir die DVD "40 Jahre sportstudio" schon mehr als einmal angeschaut und muss zugeben: die unfreiwillige Lässigkeit eines Günther Jauch, kombiniert mit der Schlagfertigkeit eines Johannes Kerner und dem Charme eines Dieter Kürten. Darüber könnte man sich nicht beschweren. Aber das wäre vermessen. Ich arbeite jetzt seit mehr als zehn Jahren vor der Kamera und kann behaupten, dass ich keine Angst vor ihr habe. Aber da ist noch viel Luft nach oben. Im sportstudio muss ich mich sicher auch erstmal finden. Neu erfinden werde ich die Sendung sicher nicht. Vielleicht später.


sport.zdf.de: Hast Du denn ein bestimmtes Vorbild?



Voss: Ich schaue schon genau Fernsehen und versuche mich in Kollegen reinzuversetzen. Manchmal denke ich: Ok, das hättest du jetzt auch so gemacht. Manchmal hätte ich's vielleicht anders gelöst. Aber ich würde mich fürs Fernsehen ungern verstellen. Ich kann mich nur so geben, wie ich's auch mache, wenn keine Kamera läuft. Ich bin kein guter Schauspieler.


sport.zdf.de: Wenn Du nun regelmäßig für das aktuelle sportstudio im Studio stehst, sieht man Dich dann gar nicht mehr live vom Wintersport berichten?


Voss: Doch. Darauf will ich nicht verzichten. An Neujahr draußen an der Schanze im Schnee zu frieren, das muss sein.


sport.zdf.de: Hast Du Angst, dass Dir im aktuellen sportstudio Patzer unterlaufen, wie der Kollegin, die damals von "Schalke 05" sprach?


Voss: Manchmal hab ich den Albtraum, dass ich mich plötzlich in einem Studio wiederfinde und mir die Aufnahmeleiterin sagt: "Noch 30 Sekunden!" Ich weiß aber nicht, welche Sendung, geschweige denn um welches Thema es geht. Nach einer langen Zeit des Schwitzens und der Angst wache ich auf ...


sport.zdf.de: Mit 34 Jahren bist Du der jüngste der sportstudio-Moderatoren - hoffst Du auf Welpenschutz?


Voss: Gerne, so ein bisschen ... Einen Vergleich mit jemandem, der 200 sportstudio-Sendungen hinter sich hat, würde ich sicher nicht bestehen.


sport.zdf.de: Du hast beim ZDF in der logo!-Redaktion angefangen und Dich nun bis zum aktuellen sportstudio hochgearbeitet - wie schafft man das?


Voss: Ich bin schon sehr ehrgeizig, habe aber im Laufe der Jahre gemerkt, dass man Dinge nicht erzwingen kann. Ich musste warten, bis ich dran bin. Und den Weg nach oben geht man auch nicht alleine. Es gibt so viele, die mich dabei unterstützt haben und von denen ich ständig lerne. Kollegen, Freunde, meine Familie. Auch wenn es jetzt rückblickend von meinem Ausstieg als Reporter bei logo! und dem aktuellen sportstudio nur fünf Jahre waren. Mir ist schon bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist. Ich war auch oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.


sport.zdf.de: Die Frauenfußball-WM wirst Du auch moderieren. Dein Tipp: Wer wird Frauenfußball-Weltmeister?


Voss: Die deutsche Mannschaft wird es bestimmt ins Finale schaffen. Alles andere wäre eine große Überraschung. Und im Finale stehen die Chancen 50:50. Da setze ich dann einfach auf den Heimvorteil. Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen. Das ist eine tolle Truppe, die mit irre viel Fleiß und Talent an den Start geht. Die hätten es verdient.



sport.zdf.de: Im ZDF ist noch ein Moderationsjob vakant - wäre "Wetten, dass..?" auch eine Alternative für Dich gewesen?


Voss: Hört Thomas Gottschalk etwa auf? Hätte ich das gewusst! Mal im Ernst, für mich funktioniert "Wetten, dass..?" nur mit Thomas Gottschalk, definitiv nicht mit mir. Außerdem hab ich schon beim sportstudio zugesagt. Und freu mich riesig auf die neue Aufgabe!

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