Ende der Biotope

Personalprobleme beim DFB und bei Werder Bremen

Die vermeintlichen Egoismen eines holländischen Flügelflitzers, das taktisch interessante Borussen-Duell, die vielzitierte deutsche Hammergruppe bei der EM sind nichts gegen den nebulös wirkenden Rückzug des DFB-Präsidenten.

Bremens Trainer Thomas Schaaf (r.) und Bremens Manager Klaus Allofs
Bremens Trainer Thomas Schaaf (r.) und Bremens Manager Klaus Allofs Quelle: dapd

Falsche Kommunikation


Noch bevor das Fachpersonal für das Dekorieren die letzten Girlanden und Luftschlangen auf die festlich geschmückten Tische gelegt hatte, verkündete Theo Zwanziger ganz schmucklos seinen Ausstieg aus dem Dienst des DFB. Dies geschah wohlgemerkt noch vor der alljährlichen Weihnachtsfeier. Art und Weise sowie mediale Inszenierung hätten aber vermuten lassen, die präsidialen Statements seien weit nach Mitternacht inmitten der feucht-fröhlichen Fete abgegeben worden.
Noch bevor Joachim Löw und andere führende Mitarbeiter informiert wurden, waren ausführliche Interviews des DFB-Chefs schon überall abrufbar: Im Cyberspace, in Alaska, in der Wüste - nur der Bundestrainer wurde vorher nicht eingeweiht. Informationspolitik nach Gutsherrenart!

DFB-Präsident Theo Zwanziger
DFB-Präsident Theo Zwanziger Quelle: dpa


Doch der Gipfel der Irritationen ist der Doppelpass Zwanzigers mit seinen Hauspostillen und Hofberichterstattern. Aus "Dankbarkeit", dass Theo Z. den Springer-Journalisten die Nachricht exklusiv mitteilte, singt "Bild" im Gegenzug am Tag nach der Selbstentmachtung das hohe Lied auf Zwanziger - ein Tiefschlag für die Qualität im deutschen Sportjournalismus.

Ende der heilen Werder-Welt

Aber bleiben wir sportlich und lieber in der Bundesliga: Der Theo des SV Werder Bremen heißt Willi. Willi Lemke. Nein, er kokettiert nicht mit Rücktritt, hat aber wie der Mann aus Altendiez ein politikerähnliches Auftreten und ebenfalls eine hohe Meinung von seiner eigenen Personalpolitik.

Blickt man auf den Zwist zwischen Lemke und Geschäftsführer Klaus Allofs, registriert man die Chronik eines Machtspiels. Hauspolitische Dissonanzen haben die Vertragsverlängerungen des Erfolgsduos Schaaf und Allofs ausgebremst, belasten den Verein und sind ein untrügliches Indiz für das Ende der heilen Fußballwelt an der Weser.

Mangelnde Qualität im Kader

Verdammt lang her, dass Bremen sich mit den Bayern ein spektakuläres Titelrennen geliefert hat. Wahrscheinlicher als eine zeitnahe Trophäe ist eher ein Zuwachs der Bremer Stadtmusikanten, die aufpassen müssen, dass sich neben Esel, Hund, Katze und Hahn nicht noch ein Seuchenvogel oben drauf setzt. Denn selten zuvor gab es so viele Irrtümer im Kader.

Besonders bitter: Werder ist zum Insektennetz für DFB-Eintagsfliegen geworden: Clemens Fritz, Marko Marin, Aaron Hunt sind so weit weg vom Löw-Team wie Zwanziger davon, "Wetten, dass..?" zu übernehmen. So wird Bremen 2012 keinen deutschen Feldspieler bei der EM haben. Tim Wiese, unter Löw nur Torwart der Reserve, darf wohl als einziger Werderaner mit zu den europäischen Festspielen. Als Zuschauer auf der Bank.

Die Schatzkammer ist leer

Es ist das Ende eines Biotops in Bremen: Mittlerweile gehen Toptalente nach Dortmund (Leonardo Bittencourt, Moritz Leitner), Leverkusen (André Schürrle, Philipp Wollscheid) oder Schalke (Lewis Holtby). Die ehemalige Schatzkammer der Liga braucht neue Strukturen und einen Umbruch auf vielen Ebenen. Genauso wie jetzt die DFB-Spitze, deren Idealbesetzung Wolfgang Niersbach als Präsident wäre.


Auf der Bremer Weihnachtsfeier wird angesichts der bescheidenen Aussichten wohl wieder ordentlich Pils aus der eigenen Stadt fließen. Und auch auf dem DFB-Fest sollen nach dem Rücktritt Zwanzigers mehr Erfrischungsgetränke als sonst konsumiert worden sein. Nicht überliefert ist, ob aus Enttäuschung oder Erleichterung.

Am Main und an der Weser reicht es aber längst nicht mehr nur die fundamentalen Probleme zu ertränken. Denn Sorgen in dieser Größenordnung sind verdammt gute Schwimmer!

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