Enkes Tod war Biermanns Rettung

Ex-St. Pauli-Profi bekämpfte seine Depressionen

Seit dem 10. November 2009 ist nichts mehr, wie es war. Damals nahm sich Robert Enke, Torwart von Hannover 96, wegen Depressionen das Leben. Auch Andreas Biermann wird diesen Tag nicht vergessen. Er begann, seine Depressionen behandeln zu lassen.

Als vor einem Jahr die schreckliche Nachricht von Enkes Tod Deutschland erschütterte und die Frage nach dem "Warum" aufkam, wurde schnell klar, dass in der scheinbar heilen Welt des Bundesliga-Fußballs etwas nicht stimmte. Tore, Siege und Glorie übertünchten zu oft das Empfinden und die Gefühle derer, die mit ihren Leistungen maßgeblich zu Erfolg und Misserfolg beitrugen. Öffentlicher Druck, Medienschelte und Medienhype zeichneten ein falsches Bild des Profi-Geschäfts.

"Zu 100 Prozent" wie Robert Enke


Auch Andreas Biermann gehörte zu denen, die sich diesem Druck ausgesetzt sahen. Biermann litt damals, wie viele andere seiner Kollegen, an Depressionen. Doch statt sich therapieren zu lassen oder sich Hilfe zu suchen, versuchte der Zweitligaspieler, mit seinen Problemen selbst fertig zu werden. Doch es gelang ihm nicht. Im Oktober 2009 unternahm Biermann einen Selbstmordversuch - zum Glück ohne Erfolg.

Wenige Wochen später dann warf sich Enke vor einen Zug. Das war die Rettung für Biermann. "Mir wurde bewusst, dass die Person, die Teresa Enke beschrieb, zu 100 Prozent ich bin und dass ich mir Hilfe holen muss", sagte Biermann. Wenige Tage nach Enkes Tod ging Biermann mit seinen Problemen an die Öffentlichkeit und begab sich in stationäre Behandlung.

Öffentliches Bekenntnis


Mit seinem öffentlichen Bekenntnis wollte er dazu beitragen, dass die Erkrankung kein Tabuthema mehr sei. "Ich, Andreas Biermann, 29 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern, bin Profi-Fußballspieler beim FC St. Pauli und leide seit mehreren Jahren an Depressionen. Ich versuchte, mir am 20. Oktober 2009 das Leben zu nehmen", lautete damals seine Erklärung.


"Zeitweilig habe ich versucht, im Pokerspiel jenes Glück zu finden, das mir im Profisport aufgrund meines großen Verletzungspechs immer wieder versagt geblieben ist. Dieses Ventil hätte mich fast in eine Spielabhängigkeit getrieben, die meine eigentliche Erkrankung zusätzlich noch negativ beeinflusst hätte. Dies ist zum Glück nicht geschehen", hieß es in der Mitteilung weiter.

Tabuthemen ansprechen

Seit dem 13. November 2009 ist Biermann nun in stationärer Behandlung. "Meine Familie und ich möchten dies der Öffentlichkeit mitteilen, um anderen Betroffenen eventuell den Mut zu geben, sich ebenfalls zu öffnen beziehungsweise helfen zu lassen", sagte Biermann. "Zudem möchten wir uns selbst ein Lügen- und Versteckspiel nach meiner Genesung ersparen. Wir möchten offen damit umgehen, um dazu beizutragen, dass diese Erkrankung kein Tabuthema mehr ist."

Mittlerweile hat Biermann mit dem Profi-Fußball aufgehört, er betreibt in der Öffentlichket Aufklärungsarbeit in Sachen Depression, und arbeitet an einem Buch zum selben Thema. Am Samstag wird er im "aktuellen sportstudio" über seine Erfahrungen und den Umgang mit der Krankheit während und nach seiner aktiven Karriere berichten.

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