Es hat sich "ausgeBABBELt"

Gegenseitige Schuldzuweisungen eskalieren im Rauswurf

Erst wurde gar nicht, dann viel zu viel geredet - weniger mit-, als viel zu viel übereinander. Am Ende hatte zumindest der Trainer "ausgeBABBELt". Der Hauptstadtklub Hertha BSC bietet den Schauplatz für ein arg provinzielles Possenspiel.

Markus Babbel
Markus Babbel Quelle: dapd

Dort agierten Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz sowie - in einer Nebenrolle - Präsident Werner Gegenbauer als wenig preisverdächtige Protagonisten. Dieses Schmierenstück hatte zumindest im letzten Akt eine sachliche Schlussnote: die Entlassung des Chefcoachs.

Die Glaubwürdigkeit leidet


Diese Lösung war nach der Zuspitzung der Ereignisse am letzten Wochenende der Hinserie unausweichlich geworden. Wer wen wann und warum belogen oder doch die Wahrheit gesagt hat - das alles bleibt vorerst das Geheimnis der einstigen Vertrauten Babbel und Preetz. Einen Sieger hat dieses Szenario nicht.


Im Gegenteil: ein jeder der Beteiligten hat ein gewaltiges Stück an Glaubwürdigkeit verloren. Und die "alte Diva" Hertha gab in der Außendarstellung ein katastrophales Bild ab: Auf Rede folgte Gegenrede, auf Interview folgte Pressekonferenz.

Unprofessionelles Gehabe

Ein (früher oder vielleicht auch später) angekündigter Trainerwechsel ist beileibe keine Rarität im Fußballgeschäft - der Berliner Umgang mit einer eher harmlosen Angelegenheit dagegen schlichtweg unprofessionell. Für Babbel und somit gegen Preetz spricht, dass der Manager einst auch die Trennung von Lucien Favre nicht geräuschlos vollzogen hatte.

Der sportliche Imagegewinn von anderthalb Jahren mit Aufstieg und dem aktuellen Nachweis der Erstliga-Tauglichkeit ist erst einmal der Schlagzeilen-Inflation zum Opfer gefallen.

Licht ins Lügengewirr bringen

Schade, dass nicht über die kollektive Qualität der Mannschaft oder die Klasse einiger vielversprechender Talente wie Thomas Kraft oder Pierre-Michel Lasogga gesprochen werden kann. Denn egal ob Trainer, Manager oder Präsident, am Ende stellten die Beteiligten ihre persönlichen Befindlich- und Eitelkeiten über die Sache und überschatteten so das Geschehen auf dem Grün.


Ganz gleich, ob Babbel mit 39, oder Preetz mit 44 Jahren. Beide gehören zu den "Nachwuchstalenten" ihrer Gilde. Beide werden dem Geschäft noch lange verbunden bleiben - und genau deshalb sollten beide gemeinsam schnellstmöglich Licht ins Lügengewirr bringen. Nur dann können sie unbelastet von dieser Geschichte - trotz bleibenden Beigeschmacks - zu neuen Taten aufbrechen. Babbel vielleicht dann irgendwann bei den Bayern? Preetz schon bald mit neuem Banknachbar, mit Michael Skibbe?


Unabhängig vom neuen Cheftrainer; zur Fußball-Hauptstadt - das beweist die Gegenwart aufs Neue - taugt Berlin weder sport- noch charakterlich.

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