Experten haben keine Ahnung - zum Glück

Wie die Bundesliga immer wieder aufs Neue verblüfft

Als ich vor Saisonbeginn gefragt wurde, wer mein Titelfavorit sei, antwortete ich ohne langes Zögern: Werder Bremen. Auch weitere Einschätzungen waren gewünscht. Was wird mit dem Deutschen Meister? Auch diese Antwort war klar.

Stefan Kiessling, Eren Derdiyok, Renato Augutso und Arturo Vidal (L-R) jubeln
Stefan Kiessling, Eren Derdiyok, Renato Augutso und Arturo Vidal (L-R) jubeln Quelle: dpa

Eine nahezu unveränderte Mannschaft, betreut von einem Mann wie Armin Veh, der weiß, wie man Titel holt, schafft ganz klar die Champions-League-Teilnahme.

Chancenlosigkeit in Vereinsstatuten

So sind wir also Mannschaft für Mannschaft die Liga durchgegangen. Bei Hannover 96 lautete die Prognose: stabiler Mittelplatz mit Kontakt zu den Europa-League Plätzen. So ist das eben mit den sogenannten Experten.


Dass es Hertha schwer haben wird, war zu erwarten. Aber Tabellenletzter? Niemals! Schalke und Dortmund ganz weit oben? Völlig utopisch, selbst wenn dort ein Meistertrainer (Felix Magath) und Motivationskünstler (Jürgen Klopp) am Werk sind.

Oder Bayer Leverkusen. Wer die letzten 20 Jahre verfolgt hat, weiß ganz genau, dass Bayers Chancenlosigkeit in den Vereinsstatuten quasi festgeschrieben ist. Und dann holen sie noch einen Frührentner wie Jupp Heynckes wieder in die Liga. Wie soll das gehen mit Titelambitionen?

Ein Blick auf die Tabelle genügt, um festzuhalten: Wir haben alle keine Ahnung - und das ist gut so.

Dramatik ersetzt Qualität

Im Ausland schaut man inzwischen neidisch auf eine Bundesliga, in der alles möglich ist. Die nicht immer durch große Qualität überzeugt, dafür aber mit einer Dramatik, die durch die besten Zuschauerzahlen des Kontinents belohnt wird.


In der englischen Premier League gab es in den letzten 13 Jahren nur drei Vereine, die Meister wurden: Manchester United, der FC Arsenal und Chelsea FC. In Italien teilten sich Inter, Milan und Juve in 15 von 17 Fällen den Titel. Spanien? Real oder Barcelona - nur darum geht es wirklich.

Alles ist möglich

Als Wolfsburg letzte Saison vorne stand, dachten viele an einen einmaligen Ausrutscher der Geschichte. Vielleicht trifft das für die Wölfe auch zu. Aber es rücken andere nach. Schalke, Dortmund, HSV? Alles ist möglich. Und sogar Bayer Leverkusen, die einzige ungeschlagene Mannschaft der Saison, könnte am Ende ganz oben stehen.

Auch wenn es historisch erwiesen erscheint, dass das überhaupt nicht in Frage kommt. Sagen alle, die ein bisschen Ahnung haben.

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