Falsches Spiel mit König Fußball

Wie lange hält die FIFA den Korruptionsanschuldigungen stand?

Die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) gibt im Weltfußball den Ton an. Vor allem im Milliardengeschäft Fußball-WM ist sie der mächtige Taktgeber. In letzter Zeit häufen sich jedoch die Misstöne im Verbandsorchester.

Andrew Jennings ist britischer Journalist. Als solcher ist er häufig auf Pressekonferenzen anzutreffen. Bei einer Veranstaltung darf er jedoch nicht mehr anwesend sein: Der 67-Jährige ist seit 2003 von allen FIFA-Pressekonferenzen ausgeschlossen. Der Grund: Jennings Arbeitsweise stößt der FIFA und ihrem Präsidenten Joseph Blatter sauer auf.

Korruptionsverdacht ohne Ende

Seit fast zehn Jahren recherchiert der Brite im Umfeld des Weltverbandes, um den Verdacht der Korruption innerhalb des Verbandes zu bestätigen. Dabei scheint der Journalist immer wieder neue Beweise zu finden, die zeigen, dass verschiedene Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees in der Vergangenheit unerlaubt Gelder angenommen haben. Und seine Arbeit fruchtet: Die Korruptionsanschuldigungen nehmen zu und verhärten sich.

Zwar hatte die FIFA im November zwei Exekutivmitglieder wegen Verletzung des Ethik-Codes suspendiert, doch stehen mit Issa Hayatou (Kamerun), Ricardo Teixeira (Brasilien) und Nicolas Leoz (Paraguay) drei weitere hochrangige FIFA-Funktionäre in der Schusslinie. Und das ausgerechnet, während die gesamte Fußballwelt nach Zürich zum Hauptsitz der FIFA schaut. Dem Ort, an dem das Exekutivkomitee des Verbandes mit seinen 22 Mitgliedern - ohne die beiden Suspendierten - über die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 entscheidet.

Verdacht oder Beweis


In dieser Zeit - genauer: vier Tage vor der Entscheidung in der Schweiz - strahlt der britische Fernsehsender BBC eine Reportage von Andrew Jennings aus. Thema: Die schmutzigen Geheimnisse der FIFA. Im Mittelpunkt steht der Korruptionsverdacht der oben genannten drei FIFA-Exekutivmitglieder, sowie des FIFA-Vize-präsidenten Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Ihnen wird vorgeworfen, Bestechungsgelder angenommen und so ihre Stimmen verkauft zu haben. Diese öffentlichen Anschuldigungen meint Jennings durch ihm zugekommene Dokumente belegen zu können.

Es ist die akribische Arbeitsweise und sein investigativer Stil, der den FIFA-Oberen nicht schmeckt. Jennings legt Unterlagen vor, die die Beschuldigten immer stärker unter Druck setzen. Zwar nennt der Brite nur selten seine Quellen, die Schlüssigkeit seiner Beweisführung scheint in der Chefetage des Fußballweltverbandes dennoch eine gewisse Nervosität auszulösen. Die betroffenen Funktionäre weigern sich beharrlich, sich zu den Vorwürfen Jennings' zu äußern - ungewiss ist aber, wie lange sie das noch können.

Blatter, der ängstliche Imperator

FIFA-Präsident Blatter ist für Jennings der Dreh- und Angelpunkt in der Bestechungsaffäre. Der Brite sagt, Blatter wisse über die Zahlungen an Funktionäre Bescheid. Der FIFA-Boss könnte alles aufdecken, will aber tunlichst verhindern, dass etwas herauskommt. Wohl auch aus Angst und zum eigenen Schutz. Denn Blatter will noch möglichst lange oben an der Spitze der FIFA thronen. Das entspräche seinem Lebensstil, der, so Jennings in einem Interview mit dem "Focus", wie der eines Imperators sei.

Aber der Platz an der Sonne ist gefährdet. Trotzdem scheint Sepp Blatter die ganze Sache aussitzen zu wollen. Doch der steigende öffentliche Druck und das Verlangen nach Aufklärung könnten den Schweizer möglicherweise zu Maßnahmen zwingen. Das wäre dann nicht zuletzt ein Verdienst von Andrew Jennings - der am Samstag im "aktuellen sportstudio" zu Gast sein und bei Moderator Wolf-Dieter Poschmann über seine Arbeit als Journalist reden wird.

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